Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
647-648
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647 Odysseus (Namensformen)

Odysseus (Namensformen) 64S

schon genannte Satire hatte den Titel Sescu-lixes (s. o.). Die Schreibung mit ss findetsich erst in schlechten oder späteren Hand-schriften (Jordan a. a. 0. 41), wenn sie auchnicht erst im 15. Jahrhundert (Holte a. a. 0.72) entstanden zu sein braucht; übrigens hatsich diese unorganische Zwitterbildung Ulyssesmit zäher Langlebigkeit bis auf die Gegenwarterhalten und findet sich, oft abgekürzt zuUlyss, meist bei unseren deutschen Klassikern.

Für die Konsonanten ergeben sich sämt-liche Variationen aus der später folgendenÜbersicht.

Reicher noch ist der Wechsel des Vokalis-mus. Als erster Laut überwiegt o; dochweisen Vaseninschriften die schon angeführtenFormen&Svßßsvg,HXvßßsvg auf (Kretschmer,Kuhns Zeitschr. 29, 432; Griech. Vaseninschr.147. 193). Ob bereits im Griechischen am An-fang ov neben ö anzunehmen ist, wie äolischOvlvanoq neben "OXv/ntog, steht dahin; Jordanläfst, wie schon erwähnt, die allerdings be-denklichen Belege dafür bei Plutarch (Marcell.20), Diomedes (Bergk, Lyr. 3 4 , 241) und Pri-scian 6, 92 nicht gelten, sondern erklärt das uaus italischer Verdumpfung des o. ImEtruskischen und Lateinischen hat sich jenesdann konstant erhalten. Die FormenTSvßoea,TXvaesa oder OvSvßßsu (acc.) endlich sindnur unsichere oder vielmehr unrichtige Les-arten bei Quintilian 1,4, 16 für Olissea (Jor-dan 39).

Das gemeingriechische v der zweitenSilbe wird vertreten bald durch i inOUasvg(Kretschmer, K. Z. 29, 413. 432),OSioosvg (ih.433), bald durch ev inOSeveeevg (auf einerRuveser Amphora in Neapel nr. 3235; C. I.Gr. 8412; vgl. Kretschmer 474). Der ursprüng-lichen Schreibung des griechischen Namensmit v entspricht die etruskische mit u (ütuzeu. s. w., s. oben), der schwankenden Bildungmit v und i das anfängliche Schwanken imLateinischen zwischen u und i, die ja hierauch sonst mit einander wechseln (lumpa[lympha] und limpidus, lubet und libet, maxu-mus und maximus; vgl. Brugmann, Vergl.Gramm, d. Indog. Spr. 1, 43). Aber auch ykommt italisch noch vor; abgesehen von derunsicheren Form bei Ibykos (s. o.) lesen wirin einem am Hause der Eumachia zu Pompejiangekritzelten Vergilverse (Eclog. 8, 70): Olyxis,wohl eine Kontamination der griechischen undder lateinischen Form (Jordan 42). Endlicherscheint auch e in Olexius auf einer Münzeaus Antoninus Pius Zeit: Od. ist darauf unterdem Widder hangend dargestellt (Eckhel, D.N. 8, 309; Kretschmer, K. Z. 29, 434). Dafsder mittlere Vokal ganz verschwindet, be-schränkt sich für das Griechische auf einevielleicht nur nachlässig ausgeführte Vasen-inschriftOXtsvg(Klein,Euphronios 2 96; Kretsch-mer a. a. 0. 29, 431), für das Etruskische aufdie gleichfalls vereinzelte Schreibung üthste(s. o.).

Die letzte Silbe, ursprünglich -svg, er-leidet die Veränderung in -gq , was Priscian6, 92 (s. o.) als dorisch bezeichnet; ob IbykosjlXi£gg oder Ähnliches gesagt hat, ist, wie

gesagt, wegen des italischen g oder x zweifel-haft; er müfste denn an der besprochenenStelle eine mundartliche Form aus seiner Hei-mat Rhegion anwenden. Auf einem rotfigu-rigen Aryballos mit einer Darstellung der Ge-sandtschaft an Achill (s. u ) finden wir OhYTES,was entwederOXvxrjg zu lesen, oder nur V ersehrei-bung fürOXvxsvq ist, da es neben AXIbtEYSsteht (Kretschmer, Griech. Vaseninschr. 146).io Dasselbe gilt vonSlSvoesg auf einer apulischenAmphora (Kretschmer, K. Z. 29, 432). Im La-teinischen ist Ulixes stehend, wenn auch eineGenetivform wie Ulixei (z. B. noch Hör. C. 1,6, 7; Ov. Met. 14, 159, vgl. Orphei) auf ur-sprüngliches Ulixeus hindeutet; vgl. Neue, Lat.Formenlehre l 2 , 331. 334. Als Auslaut erscheintdas e ohne Endkonsonant bei der bereitserwähnten altlateinischen Form Uluxe, sowiedurchgängig im Etruskischen. Olexius (auf20 der schon genannten Münze des AntoninusPius ) ist eigentlich eine Adjektivbildung, aberals Eigenname gebraucht, wie etwa bei denTragikern und Aristophanes für Aasgxgg auchAasgxiog oder Augxtoq vorkommt (s. Laertiusu. Laertiades); vgl. Lobeck. ad Ai. 1; Wunderad Philoct. 87. Dem Spätlatein gehört Olixnsan; z. B. findet sich bei Fredegar Scholasticus:ab Olixo.

Nach dem d oder X der ersten Silbe lassen30 sich zwei Gruppen der Namensformen unter-scheiden :

1. 8- Gruppe:

OSvßßsvg,OSvßsvg,OSsvoßsvg,SlSvß-ßs(v)g,OStoßcvg.etruskisch: Utuze,Uthuze, (Utuste),

Uthuste,(Ulis?).

Uthste;

2. X- Gruppe:OXvßßsvg,OXvßsvg,

SIXvßßsvg,OXvxxsvg,OXvxsvg,OXXvxsvg,OXv0Xvxrjg(J)OXißß svg,OXißsvg

(OXvgsvg? OvXt£svg?OvXi£r]g? iiili'ijrjs?ilXv^rjgl).

lateinisch: Olyxes,01ixes(?), Uluxes(?);Uluxe, Ulixes,Olexius, Olixus.Bleibt somit buchstäblich kein Laut vonmannigfachen Veränderungen ver-schont, so ergiebt sich daraus zugleich dieSchwierigkeit einer zuverlässigen Deutungdes Namens.

50 Bei Homer , wo er, soweit unsere heutigeKenntnis der Sage und des Schrifttums reicht,ja zuerst erscheint, wird er stehend in Ver-bindung gebracht mit 6Sve(ß)se&ui, zürnen,grollen, freilich in verschiedenem Sinne; meistnämlich passiv, wonach der Name hiefse:der, welcher den Groll anderer, speziell denPoseidons, erfährt, der vom Zorn Verfolgte:a 62; £ 340. 423; x 275; vgl. auch a 21 mitschol.·, x 74; co 3C6. Im Hinblick auf den Zorn60 vieler schliefst sich dieser Auffassung auchSophokles an (fr. inc. 880 Nck. 2 ):

OQdwg 8OSvßßsvS slg sncövvfiog xo-xoisnoXXoi yag coSvoavxo dvßfisvsig syoi.

Vgl. auch Eustath. p. 1391, 42 und Preller,Griech. Mythol. 2 3 , 407. Doch steht ihr derSprachgebrauch entgegen, nach welchem dieWörter auf -svg vielmehr aktiven Sinnhaben (Roscher, Curtius Stud. 4, 197). Selt-

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