Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
649-650
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649 Odysseus (Deutung des Namens)

samerweise ist auch diese Auffassung, nebender anderen, schon vertreten bei Homer τ 407.409: in dieser später eingelegten Erzählungbenennt nämlich Antolykos, bei Eidam undTochter in Ithaka auf Besuch, das neuge-borene Knäblein, weil er selbst vielen zürnt,Όδυα(α)ενς, den Groller, sodafs dieser denNamen nach einem Merkmal seines Grofsvatershätte, ähnlich wie die Sage auch sonst Eigen-namen von Personen mit deren Angehörigenin Zusammenhang bringt: Astyanax, weilSektor allein die Stadt rettete (Z 403);Neoptolemos , οτιΑχιΧΧενς ηλικία ετι νέοςποΧεμείν ηρξατο (Paus. 10, 26, 4); ifegapen-thes, nach dem ,,grofsen Schmerze desMenelaos (δ 11 mit Eustath. p. 1480, 1; ganzähnlich Schmerzensreich, nach dem schwe-ren Leid seiner Mutter Genoveva); Tele mach:τηΧε μαχομένου τον πατρός ( Eustath . ρ 1479,56). Jeder, der weifs, was es mit dem Etymo-logisieren der alten Dichter, wie überhauptmit der antiken Erklärung der Eigennamenauf sich hat (Köclüy zu Eur. I. T. 500; Ein-dorf zu Eur. Bacch. 508; Kinkel zu Eur. Phoen.636), wird diese Deutung: Όδνββενς = Grollernicht ohne weiteres annehmen. Doch wird sieauch von Neueren gebilligt, so von G. Her-mann, der den Namen mit Indignatus über-setzt ( Opusc . 2, 193); vgl. Ameis, Anhang zuτ 407; Fick*-Bechtel, Griech. Personennamen(1894) S. 430. Auch linguistisch hat man siebegründet. Der Anfangslaut 6- gilt allgemeinals prothetisch wie in ό-φρνς Braue; demδνβ(α)- entspricht skr. dvish, hassen, abgeneigtsein; vgl. dvit, Hafs , Feind; dveshas, Hals(Curtius, Grunds, d. Etym. b 244 f.); verwandt wäreauch δυς-, mifs; skr. dush- ( ebenda . 239f.). Anders Bescher a. a. O. 4, 196 f. Vondessen Gründen gegen die übliche Erklärungsind freilich die beiden inneren, sachlichennicht zwingend. Dafs der Groll gegen dieFreier zu wenig hervortrete und daher nichtcharakteristisch genug sei, um dem Heldenden Namen zu geben (S. 198 nr. 3), ist ein-zuräumen, beweist aber nichts, weil der home-rische Held gar nicht die erste Person diesesNamens gewesen zu sein braucht, sondern,wie S. 199 unter nr. 4 zugegeben wird, derName wie der Held selbstaus uralten Mythenüberkommen sein kann. Auch unter densprachlichen Gründen erweist sich nr. 1 (S. 198)nicht als stichhaltig, weil ΟνΧίζης als echt-griechisch nicht ganz sicher bezeugt ist (s. o.),weil es ferner Uthuxe im Etruskischen garnicht giebt (vgl. Preller-Jordan, B. Myth. 2 3 ,307, 1) und daraus also auch kein griech.Οδνξηςerschlossen werden kann. Beachtens-werter ist nr. 3: jenes ao oder ττ entsprichtursprünglichem kj (vgl. φυΧάβοω, φνΧάττω,eigtl. φυλάγω)·, darnach wäre der durch den tVorschub ö- erweiterte Stamm: ό-όνχ-, derwie duc-, führen, bedeutete ( Bescher vergleichtdie mit lat. ducere, got. tiuhan augenschein-lich verwandten Glossen des Hesychius: δα-δναοεβ&αι und δαι-δύοβε&αΐ' ε'Χχεσ&αι; vglCurtius, Grundsüge 5 135), sodafs Όδνααενςdie für einen homerischen Kriegsfürsten ganzpassende BedeutungFührer hätte (S. 199).

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Die andere homerische Form Όδνσενς erklärte,sich dann durch Ausfall des einen σ, wie ποσίneben ποοοί (S.200). Gebilligt wird diese Etymo-logie von Vanicek 364f. u. Mannhardt a. a. O. 2,106. Wenn dem gegenüber Curtius a. a. O. 667(undnach ihm Fick 2 -Bechtel a. a. 0.) es für un-wahrscheinlich hält, dafs sich schon so früh (aufatt. Vaseninschriften) ein aus einem Guttural ent-standenes oa (ττ) zu einfachem t> (r) verwandeltio haben sollte, so ist doch zu betonen, dafs man,wie sich aus Homer ergiebt, schon früh demNamenjene andere Etymologie (όδύοαομαι, skr. dvish)zu Grunde legte, die nicht mit dem Gutturalrechnete und demnach jene Vereinfachung zu-liefs. Schwei er wiegt aber ein anderes Be-denken: die Verwandlung des, wie man ausHomer zunächst schliefsen möchte, älteren δin X. Den italischen Sprachen ist dieser Laut-wandel von d zu 1 geläufig: dacruma lacrima;so impedimentumimpelimentum; odor olere(Jordan a. a. 0. 45), dem Griechischen dagegenbeinahe fremd*) (Kretschmer, Einleitunn in dieGesell, d. griech. Spr. 281; vgl. Kuhns Zeitschr.29, 436 und Griech. Vaseninschr. 147). So ge-winnt der umgekehrte Vorgang, dieVerwandlung von Όλυσοενς in Όόνα-αενς, an Wahrscheinlichkeit [? R.], fürdie u. a. auch Helbig (Hermes 11, 282 A. 6) undnach ihm Kretschmer (Einl. 281) sich prklären,30 sodafsdie Form Όδνββενς ursprünglich nurdem Epos angehörte und aus dem echtenΟΧνοβενς durch volksetymologische Anlehnungan όδνββεβ&αι, zürnen, hervorgegangen war.Bevor wir aber mit beiden Forschern die Ent-stehung vonΟΧνββενς auf epeirotischesGebiet verweisen, wo die Möglichkeit einerDeutung völlig schwindet, bleiben wir nochauf gri echi sc hem Boden stehen. Fassen wir,unter Beibehaltung des prothetischen ό-,Χνββ-40 als ursprüngliche zweite Silbe des Wortes,so läfst sich Χενββω mit seiner Sippe (Curtius,Grundzüge 6 160) zu ihm in Beziehung setzen.Von der Wurzel Xvx- leiten sich Worte wieΧνττος oder richtiger Χνττός, sichtbar, ab.Eine Vereinfachung des oa (ττ) ist zwar auchhier nicht nachweisbar, doch könnte sie beiόΧνββ- erst dann eingetreten sein, als mansie bereits bei όδυββ-, unter dem Einflufs derfalschen homerischen Etymologie, angewendet50 hatte; überdies ist jene vereinzelt.

Der Wandel von ursprünglichem X zu δ istallerdings auch äufserst selten; er zeigt sich aber,und zwar bei demselben Stamme [? R.],in ΠοΧνλενχης ΠοΧνόενχης (Lobeck, Parali-pom. 135 not. 31; vgl. auch Jordan a. a. 0.29 f.). Denn auch zugegeben, dafs hier Dissi-milation vorliegt, so ist der Eintritt des δ für Xdoch nur denkbar bei der Neigung zu einemsolchen Wechsel, die wieder bedingt ist durch>0 die Verwandtschaft der beiden Laute. Übri-gens erscheint er vielleicht auch in demNamen ΑενχαΧίων (aus ΑενχαΧίων?; s. Leu-karion), der mit Πνρρα, derRötlichstrahlen-den, ebenso ein Doppelgestirn [?R.] gebil-det haben mag, wie ΠοΧνδεΰχι jg(aus ΠοΧνΧεν-

*) Roscher a. a. 0. 200 beruft sieb auf die hesyehian.Glossen: λάφνη' δάφνη, λίσκος δίσκος, ηίλαχνιν und Jtk -δαχνα.