Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
651-652
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651 Odysseus (Deutung des Namens)

κης) mit seinemGegenstern Κάατωρ (ausκατ und άατήρ). Auf die Bedeutung des so ab-geleiteten Namens Odysseus darf man, wie schonbemerkt, nur mit Zurückhaltung hinweisen;doch würde die Ableitung von dem Stammeλνκ-, bezw. λενκ- oder λενσσ-, für den Heldender homerischen Sage, falls ihm überhauptder Name zuerst gegeben wäre, gar wohlpassen, mögen wir diesen mitSeher,scharf-blickend, oder mitleuchtend übersetzen,und zwar entweder, was bei einem Heldennahe liegt, bildlich fassen, mit Beziehung aufden Ruhm, oder konkret vom Glanze eines Ge-stirns; hat man doch, wie bald erwähnt wer-den mufs, Od. als Apoll gedeutet. Der Name(und damit zugleich sein Träger) bliebenmit einer solchen Etymologie als echtgrie-chisch bestehen und würden nicht ins Ge-biet nordgriechischer Halbbarbaren verbannt;im Bereich der italischen Sprachen aber kämen,trotz aller eigenartigen Verstümmelungen, dochauch die Laute 1 und x wieder zur Geltung,die auf den Ursprung des Namens am un-mittelbarsten hinwiesen. Es ergiebt sich da-mit die Gleichung:

Πολνλενκης : Πολυδεύκης : Pollux

0λνα(α)ενς : Όδνβ(α)ενς : Uluxes.

Anhangsweise seien noch einige ältere undneuere Erklärungen erwähnt. Geschehen istdies schon mit einer solchen, die sich aus dervon Silenos von Chios berichteten Fassungseiner Geburtsgeschichte herleitet: Antikleiabringt den Sohn, unterwegs vom Regen über-rascht, zur Welt: έηειδη κατά την οδόν να ενό Ζενς (s. ο.),daher der NameOdysseus ,während der Held wegen seiner grofsenOhren Ον τις genannt wurde: Ptolem. N. H.in Westerm. Mythogr. 183. Im Hinblick aufdes Helden Gastfreiheit wird sein Name vonόλων ξένος abgeleitet bei Fulgent.fab. lib.2.Creuzer, Symbolik 3 3 , 173 A. 5, bringt ihn inZusammenhang mit Ianus Tochter Olistene(Athen . 15, 692d),die, von όλία&ω, έλια&άνωbenannt, sich als eine Personifikation des all-mählichen Umschwungs kundgäbe, sodafswiruns im Gebiete eines Zeiten-, Jahres- undSonnengottes befänden. Altenburg ( Progr.v. Schleusingen 1835 u. 1837) versucht es mitolov und δα- (AASl) oder dann mit όλονund λενσσω, was beides den alles Wissendenbezeichnen und sich mit der oben vorgeschlage-nen Herleitung von λενασειν wenigstens be-rühren würde; zugleich aber stellt er Be-ziehungen her bald zu Osiris, bald zu Odin .Nach der Etymologie einesgeistreichen Man-nes, erwähnt bei Lauer, Gesch. d. homer. Poe-sie S. 140, erscheint Odysseus als ονδ-ναενς,der nicht regnende, keinen Regen zulassendeHeld des Frostes, des kalten Winters! Kaumbesser ist, was Osterwald in seinem mystisch-phantastischen BucheHermes-Odysseus (Halle1853, S. 140 f.) vorbringt: nach ihm ist ό-δύ-σε vg von δύω gebildet, bedeutet also: derUntertauchende, der in die UnterweltFahrende; der Held ist darnach der zur Erd-göttin in die Unterwelt herniederfahrendeFrühlingsgott. Doch dies führt von der

Odysseus (Deutung des Wesens) 652

Erklärung des Namens zur Deutung des 'AVesens.

Durch Schliemanns Entdeckungen ist ge- jwifs mehr als der äufsere Schauplatz des tro- ijanischen Krieges in historische Beleuchtunggerückt worden: auch der Kulturzustand des ;homerischen Zeitalters hat seitdem geschieht- iliehe Gestalt angenommen. Für Ereignisse und jPersonen der Sage freilich ist eine ursprüng- ;liehe historische Existenz unerweislich; es be-wendet bei der Ansicht G. Grotes (Gesch.Griechl. 1, 222 d. Übers.),dafs wir die Möglich-keit weder leugnen, noch die Wirklichkeit be-haupten können; und speziell für die Odysseus-sage trifft B. Niese (Entwickelung d. Homer.Poesie 250) das Richtige mit der Bemerkung:Der Odyssee einen historischen Kern ab-zugewinnen. scheint ein verzweifeltes Unter-nehmen. Daher hat auch die euhemeri-stische Anschauung, nach welcher Götterund Heroen nur vergötterte Menschen sind,für die homerischen Helden keinenBoden gewonnen; es ist höchstens mög-lich, dafs es einen vielumgetriebenen see-fahrenden Kleinkönig von Ithaka gegeben hat;um ihn hätte sich dann die reiche Fülle home-rischer Erzählungen gruppiert. Sicher aberist Od., oder wie er sonst ursprünglich ge-heifsen haben mag, älter als die home-rische Dichtung. Denn mit Recht betontBeloch (Gr. Gesch. 1, 131), schon der Dichtervon II. A erwarte von seinen Hörern eine ge-naue Kenntnis der Sage und setze voraus, dafsihnen Achill, die Atriden, Od., Aias und Hektor bekannt seien, während er über Kalchas undNestor (A 68. 247) erst orientieren zu müssenglaube. Dann leuchtet aber auch ein, dafsOd. mit der Erzählung vom trojanischenKriege erst allmählichverknüpft wordenist (beispielsweise erzählt er der Penelopeip 310f. alle seine Reiseabenteuer, aber keinWort vonTroja!), ähnlich wie es der Sagegefallen hat, alle irgendwie berühmten älterenZeitgenossen mit dem Argonautenzug oder derkalydonischen Jagd in Verbindung zu bringen(v. Wilamowitz, Homer . Unters. 113).

Doch woher kam Odysseus ? Die Annahmeeines vorgriechischen Ursprungs, wieihn W. Grimm (Berl. Akad. Abhandlg. 1857,lf.), sowie noch E. Mohde (Griech. Roman173) wollte, entbehrt der sicheren Begründung(vgl. Bolte a. a. 0. 11 f.); eine Gleichsetzung |des Od. mit Osiris (s. u. Altenburg , Progr.v. Schleusingen 1837) ist höchst mifslich. Auchder Versuch Schönwälders (Progr. v. Brieg1860), die beiden Dulder Hiob und Od. zu-sammenzustellen, ist nur ein, wenn schon tief-ernst gemeintes, Spiel des Witzes. Einzelneorientalische Bestandteile der Sage sindallerdings wahrscheinlich, wie denn Müllenhoff(H. A. 1 , 8) die Kenntnis der hellen Nächte desNordens (gewifs mit Recht) auf phoinikischenEinflufs zurückführt. Od. selbst jedoch ist,wie sein Name (s. o.), gewifs echt-griechisch, mag er nun als ionischeIdealgestalt (Ed. Meyer, Gesch. d. Altert.

2, 401) oder vielmehr als äolischer Helden-typus ( v. Wilamowitz a. a. 0. 113, vgl.