727 Oidipus (Ehe, Kinder)
alte Epos das Grausigste von der blut-schänderischen Ehe, die Frucht von Kindern,nicht; diese begegnet erst in der Tragödie,zuerst bei Aesch . Sept. 906. 1015 f. Kirchh.Ein anderer Versuch, der Ehe des Oidipus dasFurchtbare zn benehmen, ist die Annahme desGenealogen Epimenides im Schol. Eur. Phoen.13, dafs Oidipus der Sohn des Laios und derEurykleia , Epikaste aber die zweite Frau desLaios gewesen sei, so dafs Oidipus nicht seinewirkliche, sondern nur seine Stiefmutter ge-heiratet habe. Noch eine andere Version be-gegnet bei Pherekydes (fr. 48) im Schol. Eur.Phoen. 63: ΟΙδίποδι Κριών δίδω οι την βασι-λείαν και την γυναίκα Ααΐον , μητέρα δ αυτόν’ΐοκάατην , εξ ής 'γίνονται αντφ Φραστωρ καιΑαόνυτος (Ααόρνυτος Valcken.), οΐ&νησκονσινυπό Μιννών καί 'Εργίνον. έπει δε ενιαυτόςπαρήλ&ε, γαμεΐ ο ΟΙδίπονς Ενρνγάνειαν τηνΠερίφαντος, εξ ης γίνονται αυτά Αντιγόνηκαί ’ίομήνη .... 'Ετεοκλής καί Πολυνείκης,έπεϊ δε Ενρνγάνεια ετελεντησε, γαμεΐ ο ΟΙδί-πους 'Αστνμέδουσαν την Σ9ενέλον. Darnachhätte Oidipus drei Frauen gehabt, von denenihm lokaste den Phrastor und Laonytos,Euryganeia die vier gewöhnlich genanntenKinder geboren hätte. Sterk, Oe Labdncid.hist. 70; Welcker 1 , 258, 413; 2, 315, 6; Bethe24 beziehen die Worte εξ ης γίνονται αντφΦράστωρ κ. τ. λ. nicht auf Oidipus, sondernauf Laios; doch hat gegen diese AuffassungSchneidewin 165 mit Recht gewichtige Be-denken erhoben, und in der That erfordertder Zusammenhang gebieterisch, αντω aufOidipus zu beziehen. Eines freilich erregtBedenken in dem Bericht des Pherekydes·. dasSchweigen über das Ende der lokaste, dasumsomehr befremdet, als Pherekydes kurz daraufden Tod der Euryganeia berichtet; auch istnicht klar, worauf sich die Worte 'έπεί δεενιαυτός παρήλ&ε’ beziehen, am einfachstendoch auf das Ende der lokaste, und geradedavon schweigt Pherekydes ; möglicherweiseliegt uns sein Bericht nicht unversehrt vor.Die von Pherekydes bezeugte Ehe des Oidipusmit Astymedusa kennt auch das Schot. Hom.11. 4, 376 (= Eudocia 728 p. 517), vgl. Eust. ad Hom. II. 369, 4: ΟΙδίπους αποβολών ’ΐοκά-ατην έπέγημεν ’Αοτνμέδονσαν, ητις διέβαλετους προγόνους ως πειράσαντας αυτήν. Nachdieser Sage, die die bei Pherekydes zwischenlokaste und Astymedusa stehende zweite Gattindes Oidipus Euryganeia nicht erwähnt, müfstendie Kinder von lokaste geboren sein. Welcker2, 315, 5 sieht in Astymedusa nur eine genea-logische Variante für Euryganeia, und Phere-kydes hat nach ihm diese Variationen in derWeise verbunden, dafs er die Astymedusa zurdritten Frau gemacht hat. Ansprechend, aberdurch zu gewaltsame Mittel, sucht Bethe 26f.den Bericht des Pherekydes mit Schol. Hom. H.a. a. 0. zu verbinden: bei Pherekydes soll inden Worten έπεϊ δε Ενρνγάνεια έτελεύτησεdas letzte Wort verdorben sein, und im Homer -schohon setzt er statt '[οκάστην ein Ενρν-γάνειαν (Euryganeia war verschollen, da-gegen kannte jeder von der Schule her lokasteals Gattin und Mutter des Oidipus: die Ein-
Oidipus (Ehe, Kinder) 728 :
setzung [durch spätere Grammatiker oderSchreiber] dieses Namens lag also sehr nahe)und erklärt άποβαλών nicht 'nach dem Ver-luste’, sondern 'nach der Verstofsung’. Beider Dürftigkeit der Überlieferung müssen wir :verzichten Genaueres festzustellen. Das Schol. jEur. Phoen. 26, das den Laios beim Raube ädes Chrysippos von Oidipus getötet werdenläfst (oben Sp. 708), fährt fort: αυτόν (Οίδί-ποδα) τή δε ’Ιοκάατη έλϋΌνση (cod. : την δε’Ιοκάατην έλ&ονσαν) επί την κηδείαν τοννεκρόν μιγέντα γεννήσαι τους παΐδας, ύστερον !δε λνσαντα το αίνιγμα γνωρισϋ·ήναι. Merk- ίwürdig ist die hier erzählte Reihenfolge: dasLösen des Sphinxrätsels nach der Hochzeit, ‘das zugleich als Grund der γνώρισις angegebenwird; merkwürdig ist auch der Ausdruck ;μιγέντα γεννήσαι τούς παίδας, als habe .Oidipus alle vier Kinder zugleich (vgl. Schneide- ]win 194) erzeugt. Übrigens läfst diese Er- jzählung den Charakter der lokaste, die zur jBestattung ihres Gatten kommt und sich ■einem fremden Mann hingiebt, in schlechtem 'Lichte erscheinen. Die Zahl und die Namen ider Kinder des Oidipus stehen fest; die im ISchol. Eur. Phoen. 53 neben Antigone undIsmene als Tochter der Euryganeia und desOidipus erwähnte ’Ιοκάστη (der Name stehtim Cod. Morcian. 471; cod. Vatic. 909 undcod. Paris . 2713, während er im cod. Taurin.
B IV, 13 fehlt) wird von Schwarte und denfrüheren Herausgebern als Interpolation aus-geschieden. Von den Söhnen ist Eteoklesder ältere nach Eur. Phoen. 71 und Schol.Diodor. 4, 65; Schol. Hom. II. 4, 376 = Eudocia728 p. 517; Hypoth. Aesch . Sept. p. 45 a. E.Dindorf; Stat. Theb. 2, 428; Welcker 2, 341, 1der dies für die ältere Sage hält, andersBethe 107; dagegen läfst Sophokles (Oed. C. 375.1295; vgl. Schol Eur. Phoen. 71; Hypoth. Aesch .Sept. p. 44 a. E. IHnd.) den Polyneikes denälteren sein. Nach Lysimachos fr. 6 (F. H. G. \3, 337) im Schol. Eur. Phoen. 13 liefe Oidipusauf Grund eines Orakelspruches, dafs seine [Söhne im Wechselmord fallen würden, den |Polyneikes, nach Kastor ebend. beide Söhne Iaussetzen; weiteres hierüber ist nicht bekannt; 1doch ist hierin offenbar ein Gegenstück zu 1der Aussetzung des Oidipus durch Laios zu jerkennen. Von den Töchtern ist Antigone ]durchgängig die ältere, Soph. Antig.; Eur. ’Phoen. 58. j
Entdeckung des Frevels. Blendung.
Bei Homer Od. 11, 274 heifst es nur, dafs dieGötter alsbald nach der Hochzeit den Frevelden Menschen kund machten (s. oben Sp. 701),über das 'wie’ erfahren wir nichts, ebensoschweigen Pindar, Aischylos, Euripides . Inder Oidipodie (Schol. Eur. Phoen. 1760 p. 414,
20 ff.) war erzählt, dafs Oidipus nach derHochzeit ('μετά ταντα’, also wohl bald darauf)mit lokaste zu Wagen nach dem Kithaironfuhr, um dort gewisse Opfer darzubringen, —wem?, ist nicht gesagt, doch ist mit Sicher-heit anzunehmen, dafs sie der Hera γαμο-στόλος (oben Sp. 704; Bethe 9f., vgl. auch d. A.Hera Bd. 1 Sp. 2080,61 ff.) galten, um ihren Segen