729 Oidipus (Entdeckung d. Frevels)
für die junge Ehe zu erbitten. Auf der Rück-kehr kommen sie an der βχιοτη οδός vorbei;Oidipus erinnert an sein Zusammentreffen mitLaios und zeigt seiner Gattin die Stätte undden Gürtel, den er einst dem erschlagenenLaios abgenommen hatte. Iokaste erkennt inOidipus den Mörder ihres ersten Gatten, abersie schweigt; denn sie weifs nicht, dafs erauch ihr Sohn ist. Darauf (wieder 'μετάταντα’) kommt ein alter Pferdehirt von Sikyon , :erzählt dem Oidipus, wie er ihn einst ge-funden, anfgenommen und der Merope über-geben habe, zeigt zum Beweis der Wahrheitfür seine Aussage die Windeln und Stachel-knebel (κέντρα) und fordert lohn für die Er-'haltung des Lebens (goodypia, das Maafs 5richtig gegen Bethe 6 erklärt); so kommtalles ans Licht, Iokaste stirbt (wohl durcheigene Hand), Oidipus blendet sich undheiratet später die Euryganeia (s. ob.). Hygin. !/. 67, dessen Erzählung schon aus der Er-wähnung Sikyons auf eine alte Quelle hin-weist, berichtet: Dum haec Thebis geruntur,Corintho Polybus decedit; quo audito Oidipusmoleste (moeste Schmidt) ferre coepit existimanspatrem suum obisse; cui Periboea de eiussuppositione palam fecit, f Id Itemalesf senexqui eum exposuerat, ex pedum cicatricibus ettalorum agnovit Lai filium esse. Damit ist zuverbinden das von Niebuhr in einem Palimpseste ;der Vaticana entdeckte Fragment bei Schmidt,Pruef. Hygin. 49: en incidit Thebis sterilitas 'et pcstilenftia ob Oidipodis scelera?] .... interimEriboia Polybi regis uxor [quae ista omniacogno?]verat, Sicyone Thebas venit eiquede [eius suppositione palam f?Jecit. Emmoe-netes senex [vielleicht ist zu lesen: fecit, r^ltjemMenoetes (so steht schon, wie ich nachträg-lich sehe, bei Robert, Homer . Becher 78) senex,qui eum [exposuerat pedum cicajtricem cognovit: <Lai filium esse dixit. Also Periboia kommt, wohlum den Tod des Polybos zu melden, nach Theben,erzählt dem Oidipus, dafs er nicht ihr leiblichesKind sei, und durch den thebanischen Hirtenkommt die ganze Wahrheit an den Tag. MancheZüge aus der Erzählung des Schal. Eur. Phoen.1760 und Hygins finden sich bei Sophokles wieder: wie dort der Hirt von Sikyon , derden ansgesetzten Oidipus gefunden, so kommtbei Soph. Oed. R. 924 ff. der korinthische (denn ibei Soph. ist', wie oben gezeigt, an StelleSikyons Korinth getreten) Hirt, dem Oidipuseinst übergeben worden war, nach Theben.Ist es auch im Schol. Eur. a. a. 0. nicht ge-sagt, so ist doch mit Wahrscheinlichkeit an-zunehmen, dafs er, wie bei Sophokles , das Ab-leben des Polybos gemeldet hat. Wie fernerbei Hygin. der thebanische Hirt den ihm zurAussetzung übergebenen Oidipus erkennt, soenthüllt er auch bei Soph. 1141 ff, wenn auch (gezwungen, die Wahrheit. Bei Malalas 51 f.;Cedren. 45 f.; Joh. Ant.fr. 8 fragt einst Iokaste ,nachdem sie 19 Jahre mit Oidipus ver-heiratet ist — lange Zeit bei Soph. 561 —nach seiner Abstammung; Oidipus nennt seinenPflegevater Meliboios; Iokaste läfst diesenkommen, und durch seine Aussage kommtalles an den Tag. Oidipus den thebanischen
Oidipus (Blendung) 730
Hirten über den Tod des Laios befragenddargestellt auf dem lateranensischen Sarkophag-deckel, Robert, Homer . Becher 80. Nach derspäten Erzählung beim Mythogr. Vat. 2,230 er-kennt Iokaste selbst beim zufälligen Erblickender Narben an den Füfsen des Oidipus die Wahr-heit. Dafs die Schenkung der dem Laios ab-genommenen Maultiere ( Nikol. Damasc. fr. 15)bez. des Wagens (Eur. Phoen. 45) an Polybosauch eine Rolle in der Entdeckung gespielthat, ist mit Schneidewin 177 und Bethe 164, 6anzunehmen. Uber die Frage, ob für Homer schon die Blendung des Oidipus anzunehmen•sei, s. oben Sp. 701. Dafs die Thebais siekennt, ist mit Welcher 2, 337; Schneidewin 166a. E. Bethe 104 als sicher anzunehmen; fürdie Oidipodie ist sie bezeugt durch Schol. Eur.Phoen. 1760 p. 414, 29. Es erwähnen sie fernerAesch . Srpt. 768 Kirchh.; Soph. Oid. R. 1270;Eur. Phoen. 61. 327. 870. 1613; Hellanikos fr. 12; als Werkzeug benutzt Oidipus diegoldenen Spangen von dem Chiton der Iokaste ,Soph. Oid. R. 12681'.; Hyg. f. 67; Eur. Phoen.62 oder Nägel (η log), Joh. Ant. Malal. Cedr.a. a. 0. Nach Bethe 104 war Oidipus als Sohnder verpflichtete Rächer des Laios: durch dieBlendung vollzieht er wenigstens symbolischdie Rache an sich selbst. Der blinde Oidipus(oder Phineus?) ist vielleicht zu erkennen aufeinem Vasenfragment, Maepherson, Antiquit. ofKertsch pl. 8. Walters, Catal. of the greek andetruscan vases in the Bnt. Mus. 4 (1896), p. 265nr. 1052. Doch lassen nicht alle Quellen denOidipus sich selbst blenden: nach Schol. Eur.Phoen. 61 wurde er blind in Erfüllung desFluches, den er gegen sich selbst aussprach;nach Schol. Eur. Phoen. 26 blendete ihn Polybosτονς περί τις πατροκτονίας χρηομονς άκονσαςvgl. ob. Sp. 707. Die Blendung durch Polybosmufs aus innerer Wahrscheinlichkeit erfolgtsein, bevor Oidipus den Laios erschlug undseine Mutter heiratete; wie aber der blindeOidipus den Totschlag verübte, darüber lassensich nur unsichere Vermutungen anstellen; aneine Begegnung in der Schiste ist nicht zudenken; vielleicht erfolgte der Vatermord amHofe des Pelops, und dort ist dann wohl auchdie Begegnung des Oidipus mit Iokaste zudenken (vgl. oben Sp. 728). In seinem Oidipus(fr. 61) liefs Euripides den Oidipus durch dieθεράποντες des Laios töten; zwei Verse sinderhalten: 'ημείς δε Πολνβου παίδ’ ίρείοαντεςπέδφ εξ,ομματονμεν και διόίλυμεν κόρας’.Diese Stelle giebt mehr als ein Rätsel auf;sicher ist nur, dafs Oidipus noch nicht als Sohndes Laios erkannt ist. Aber wann erfolgt dieBlendung? Doch wohl nicht, wie Welcher will,als Oidipus König von Theben war; dennwie sollten Diener sich am Könige vergreifen?Vgl. auch Bethe 69, 40 2 . Man könnte annehmen,dafs Oidipus durch die Diener des Laios aufseinen eigenen Befehl geblendet wird; es istbekannt, wie gern und absichtlich Euripides Neuerungen einführte. Bei Soph. Oed. R. 814ff.ahnt Oidipus , dafs er der Mörder des Laiossei, ohne zu wissen, dafs dieser sein Vaterist, aber schon der Gedanke, dafs er denersten Gemahl seines Weibes erschlagen hat,