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733 Oidipus (Verfluchung der Söhne)
angegeben. Abzulehnen sind mit Overbeck 68 f.die auf den seinen unerwachsenen Söhnenfluchenden Oidipus bezogenen Darstellungen.Eine Neuerung des Euripides ist es, wenner in den Phoinissen den Oidipus den Todseiner Söhne erleben läfst, ebenso wie dieIokaste . Da auch für die Oidipodie aus Paus.9, 5, 11 bezeugt ist, dafs seine zweite FrauEuryganeia den Tod der Söhne erlebt hat, soschliefst Bethe 105f., dafs sowohl in der Oidi-podie als in der Thebais Oidipus den Tod derSöhne und die Erfüllung seines Fluches ge-sehen hat. Auf dem Fragment einer megari-schen Schale {Robert, Homerische Becher 69 f.Wiener Vorlegebl. 1889, Taf. 9, 13. Arch. Zeit.1873, 109. Class. Rev. 1888, 328. Walters,Catal. of the greek and etruscan vases in theBrit. Mus. [1896], 4 p. 254 f. nr. 105, 1) istnach Eur. Phoen. 148lff. 1693ff. Oidipus dar-gestellt, wie er begehrt die Leichen der Iokaste und seiner Söhne zu sehen; die Inschrift lautet:ΟΙδί]πονς κελεύει \αγειν προς το π]τωμα τηςαντον μητέράς τε και] γνναικος και των νίώ[ν:erhalten ist noch der Oberkörper des Oidipus,der in gebückter Haltung, nach Art der Blin-den mit weit vorgebeugtem Haupte lauschendund mit der vorgestreckten Linken tastendvorwärtsschleicht. Auf etruskischen Aschen-kisten {Körte, I rilievi delle urne etrusche Taf.17,1. 2 [= Hutschke, Antike Bildwerke in Ober-italien 2, 353 p. 152] Taf. 20, 7. 8. 18, 3[= Overbeck Taf. 5, 14], 18, 4. Körte a. a. 0.p. 47 ff.) ist der greise Oidipus zwischen densterbenden Söhnen dargestellt; fackeltragendeErinyen rahmen die Darstellung ein; vgl. obenBildwerke zur Sphinxsage nr. 1. 2. 76. Körte
а. a. 0. 52 meint, dafs diese Darstellungen aufdes Euripides Phoinissen zurückgehen, währendBethe 106, 44 als Quelle die Thebais für mög-lich hält. Interessant ist von diesen Darstel-lungen vor allem die auch bei Overbeck Taf.
б, 14 abgebildete, auf der Oidipus nur bis andie Knie den Boden überragend (zur Dar-stellung vgl. z. B. die dem Erdboden ent-steigende Gaia Bd. 1 Sp. 1580) dargestellt ist.Am wahrscheinlichsten erscheint mir trotzdes Einspruches von Overbeck 140 die Erklä-rung von 0. Müller, Handbuch der Archäol. 1644 § 412, 3, dafs die Gestalt des Oidipus denFluch wiederholend aus dem Boden steigt. Ichweise auf Seneca Oed. 620ff. hin, wo der Geistdes Laios aus dem Orcus heraufbeschworenwird, um seinen Mörder anzugeben.
Auswanderung. Tod bez. Entrückung. Grab.
Das alte Epos läfst, wie oben (Sp. 702) ge-zeigt, den Oidipus in Theben sterben, eineVersion, die von späten Schriftstellern, wieJoh. Ant. fr. 8 (πήζας τούς όφ&αλμονς άπέ&α-νεν αμα μητρ'ι Ίοκάβτη). ΜάΙαΙ. 51. Cedren.1, 45. Mythogr. Vat. 2, 230 wieder aufgenom-men worden ist. Auch Soph. Ant. 60 ff. fälltabweichend von der von Sophokles im Oed. R.jund Oed. Col. befolgten Mythopoiie der Toddes Oidipus mit seiner Selbstblendung zusam-men; vgl. Hygin. f. 242 Oedipus ipse se occiditablatis oculis. Nach Lysimachos im Schol.Soph, Oed. Col. 91 = fr. 6 F. H. G. 3, 336 wollten
seine Freunde ihn in Theben bestatten; dieThebaner liefsen es aber nicht zu, da sie denOidipus wegen seines Schicksals und seinerThaten für gottlos hielten; so bestatteten dieFreunde ihn in einem unbedeutenden Ort Boio-tiens, mit Namen Κεός. Da die Einwohnerdort aber von Unheil heimgesucht werden unddie Schuld daran in dem Grabe des Oidipussuchen, veranlassen sie dessen Freunde denToten wieder zu entfernen; diese schaffen ihnnach Eteonos in Boiotien und bestatten ihnnachts, ohne Kenntnis davon zu haben, imHeiligtum der Demeter. Als dies ruchbarwird, fragen die Eteoner den Apoll um Rat;er antwortet: μη κινεΐν τον ικέτην τής &εον,διόπερ αντοϋ τέ&απται. So bleibt Oidipusdort bestattet, 0. Müller, Aeschylos Eumeniden170. Auch Paus. 1, 28, 7 berichtet, dafs ernach sorgfältiger Forschung gefunden habe,dafs die Gebeine des Oidipus aus Thebennach Athen gebracht worden seien, und dafssich dort innerhalb des Tempelbezirks derΣεμναό, der auf der Ostseite des Areopagslag (vgl. Thuk. 1 , 126. Arist. Thesm. 224. Equ.1312, wonach ihr Tempel als Zufluchtsort galt),ein μνήμα ΟΙδίποδος befand. Auf welche Quelledie Notiz des Pausanias (vgl. auch Val. Max.5, 3 ext. 3) zurückgeht, wissen wir nicht.v. Wilamowitz , Aus Kydathen 103 und Anm.13 hält es für undenkbar, dafs Oidipus ’ Grabam Areiopag jünger sei als die Sage von Ko-lonos (s. unten), erst seitdem die Themisto-kleische Mauer den Areiopag mit einschlofs,seien die Σεμναί und das Oidipusgrab hinausnach Kolonos verlegt worden. Auch ich bindieser Ansicht und möchte sie noch durchfolgenden Hinweis stützen: die älteste Sageläfst den Oidipus in Theben sterben und be-graben werden, die uns durch die Tragödiegeläufige Form ihn nach Athen kommen undhier begraben werden; dies ist ein schrofferBruch mit der alten Tradition, wenn ich auchgern zugeben will, dafs man daran keinen An-stofs zu nehmen braucht. Aber wenn eineForm der Sage vorlag, jünger als das alteEpos und älter als die Tragödie, eben jenevon Paus. a. a. 0. überlieferte, die die Ge-beine des Oidipus von Theben nach Athen überführen liefs, so schlagt diese die ver-mittelnde Brücke zwischen altem Epos undTragödie, und von der Tradition, die die Ge-beine des Oidipus nach Athen bringen liefs,war es nur noch ein Schritt weiter, den Oidi-pus selbst dorthin kommen zu lassen. Nachattischer Sage, die Androtion im Schol. Hom.Od. 11, 271 (vgl. Apollod. 3, 5, 9) berichtet,kommt Oidipus , von Kreon vertrieben, nachAttika nach Τππενς ΚοΧωνός {Κολωνός ΐππιοςPaus. 1, 30, 4. Pollux 7,132; vgl. Cic. de finib.5, 1, 3. Schol. Stat. Theb. 12, 510); als Schutz-flehender sitzt er in dem Tempel der Demeterund der Athena Πολιούχος. Kreon versuchtmit Gewalt ihn zurückzufühlen, wird aber daranvon Theseus gehindert. Als Oidipus διαγήρας (bei Apollod.·. μετ’ ον πολνν χρόνονάπέ&ανεν) stirbt, ermahnt er den Theseus keinemder Thebaner sein Grab zu zeigen. Die Sage vonder Auswanderung des Oidipus und seinem Tode