735 Oidipus (Ende)
in Attika scheint zur Zeit, da Euripides die Phoi-nissen schrieb, schon gang und gäbe gewesenzu sein und dann von Sophokles zur herrschen-den erhoben worden zu sein, vgl. v. Wilamo-vitz, Aus Kydathen a. a. 0. In den Phoinissen1703ff. spricht Oidipus von einem Orakelspruchdes Apollon sv zaig ’AQ'qvaiq xar khuvsiv y’ alcö-fisvov und antwortet auf die Frage der Anti-gone , wer ihn aufnehmen würde, isgoq KoXavos,dripaQ·’ initiav &iov; hier ist also Poseidon die aufnehmende Gottheit. Bei Sophokles imOidipus inl Koltavä kommt der blinde, ver-triebene Oidipus, von Antigone geleitet, nachAttika und ruht sich, ohne es zu vermuten, imHaine der Esyvai aus, wo ihm nach Apollons Spruch (v. 86ff.) Erlösung zu teil werden soll;vergebens suchen ihn, den von Theseus Ge-schützten, Kreon durch Ürohungen und Gewalt(v. 727ff.) und sein Sohn Polyneikes durchBitten (v. 1254 ff.) zur Rückkehr zu bewegen,um des Heiles, das sich an sein Grab knüpfensoll, teilhaftig zu werden; Oidipus bleibt fest,und das Heil, das von seinem Grabe ausgehenwird, soll den Athenern zu Gute kommen,während er den Thebanern Verderben bringenwird, v. 92f. 287f. 389. 409ff. 576ff. 621ff.787 ff. Schal. Soph. a. a. 0 287. 457. Aristid.or. Flat. 2 p. 172. Schol. Aristid. p. 660 Ein-dorf·, daher soll die Grabstätte geheim gehal-ten werden, damit niemand den kostbaren Be-sitz entführen kann, v. 1622 ff. Muhde, Psyche636,3. 162. 0. Müller,Eumenidenlli. Die früherauf Oidipus auf Kolonos bezogene Darstellungeiner apulischen Vase (abgeb. Millingen, Pein-tures de vases grecs [= Reinach, Bibi, des monu-ments figures II] Taf. 23 und A, 3. WienerVorlegebl. B 4, 1. Eranos Vindobonensis 272,vgl. Panofka, Arch. Zeit. 3 (1845) S. 53.Michaelis, Annali 1871, 188, 49) ist nachE. Loewy, Eranos Vind. a. a. 0. 273 f., derdie Darstellung auf Thyestes und Pelopia be-zieht, abzulehnen; daselbst auch weitere Litte-raturangaben. Ebensowenig sind Oidipus, An-tigone und Ismene auf Kolonos zu erkennenauf einem pompeianischen Monochrom, wieThiersch, Eissert., qua probatur velerum arti-ficurn opera veterum poetarum carminibus optimeexplicari Taf. 3 p. 18 und Feuerbach , Dervatik. Apoll 2, 323 wollten; s. Overbeck p. 73.Helbig, Wandgemälde Campaniens 1405 p. 328.Unsicher ist ferner auch die von Froehner,Catal. Greau nr. 361 (vgl. Revue archeol. 19(1892), 153Anm.5) verzeichnete ’pretendu groupel’Oedipe et Antigone’. Abzulehnen ist auchmit Ooerbeck 70ff. das von Winckelmann , AlteEenkmäler der Kumt (übersetzt von Brunn) 2,p. 25 f. nr. 104, auf Oidipus ’ Sühnung im Hainevon Kolonos bezogene Relief. Nach Sophokles v. 1661 f. 1681. 1649 wird Oidipus ohne Todden Lebenden entrückt, Kretschmer, Eiegriech. Vaseninschr. 191, 3. Rohde, Psyche171 f., vgl. 107, 1: „Nur einen einzigen enthebtdie Gnade der Gottheit dem Loose mensch-licher Vergänglichkeit, wenn sie den schwer-geprüften Oidipus im Haine der Erinyen ohne
Tod dem irdischen Leben entrückt.ihn
erhöht die Gottheit zum ewig lebendigen Heros,minder fast ihm selbst zu seliger Genugthuung
als zum Heil des attischen Landes, des Lan- jdes der Menschlichkeit, das den Unglücklichenschützt und aufnimmt, und für immer seineSegenskraft festhalten wird. Wie es einst derGottheit gefallen hat, den Schuldlosen inFrevel und Leiden zu verstricken, so gefälltes ihr nun, den Leidgeschlagenen, ohne neuesund hohes Verdienst von seiner Seite, zu über-menschlichem Glücksloose zu erhöhen (vgl.v. 394: νυν γάρ &εοί β’ όρ&οναι, πρόο&ε δ’ ωλ-Iveccv ν. 1565 ff. : πολλών γάρ αν καί μάζανπημάτων ικνονμένων πάλιν βφε δαίμων δίκαιοςανζοι). An ihm geschieht ein göttliches Wun-der, dessen innerer Veranlassung nachzufor- jsehen nicht frommt.“ — Auf dem KolonosHippios befand sich ein -ηρώον Ο Ιδίποδόςτε καί ’Αδράατον, Paus. 1, 30, 4 (vgl. auchSchol. Soph. Col. 712 1 , und Lysimachos im Schol.Soph. Col. 91 nennt ein Old ιπόδειον in demoben erwähnten boiotischen Eteonos. Neuer-dings wollte E. Andonakopulos das Grab desOidipus in Thorikos gefunden haben, Berl.Philol. Wochenschr. 1890, 1452; doch ist die- sser Einfall durch P. Kastromenos und N. Po-Utes in ’Ecziu 1890, II Beiblatt nr. 44 (vgl. <Athen . Mitth. 15 (1890), 443) widerlegt worden. 'Nach Herod. 4, 149 errichteten die aus Thebenstammenden spartanischen Aigiden zur Abwehrder Kindersterblichkeit in ihrem Geschlechtauf Orakelgeheifs ein ιρόν Έριννων τών Ααΐον ,τε και Οΐδιπόδεω in Sparta und auf Thera,Tümpel, Bemerkung, zu einig. Fragen d. griech.Religionsyesch. 18. Studniczka, Kyrene 70 f.Auf das Grab des Oidipus bezieht sich schliefs-lich noch die Darstellung einee Vasengemäldesdes Museo Borbonico (abgeb. Millingen, Anc.uned. monum. 1 pl. 36. Mus. Borb. 9, 28,vgl. Overbeck 74. Heydemann, Neapeler Vasen2868 p. 415), das eine von zwei attischen jJünglingen, Mantelfiguren, eingerahmte Grab- :stelle zeigt, auf der folgendes Distichon (wie-derholt auf einer, allerdings vielleicht gefälsch- jten Vase der Sammlung Fould [Chabouillet, jCollect. Fould nr. 1387J, vgl. Heydemann a. a. 0. |416, 1. Bulletino 1868, 156, 3) steht: νώτω jζμεν)> μολάχην (lies μαλάχην) τε καί ασφόδελον |πολνριξον, Κόλπω δ’ Οίδιπόδαν Ααίο[ν] νί'ον 1εχω\ vgl. auch Anthol. Palat. vol. 3 p. 108 Inr. 120 ed. Cougny. Nach Jahn , Einleit. zur jVasensamml. König Ludwigs CXX1V Anm. 914ist dieses Epigramm aus dem Peplos des Ari-stoteles (vgl. East, ad Hom. II. 285, 14; Od.1698, 25) entlehnt.
Noch nicht erklärt ist das Fragment einerrotfigurigen Vase aus Adria (abg. Arch. Zeit.10(1852), Taf. 44,1, aber unvollständig. Panofkaebend. 482ff.): auf einem von stattlichen Rossengezogenen Zweigespann steht eine Frau, vonder nur der herrliche Kopf und der erhobenerechte Arm erhalten ist, durch Beischrift alsΚΑΛΛΙΟΓΑ bezeichnet, vor dem Wagen dasFragment eines lanzenschleudernden behelmtenMannes, demXIKGN beigeschrieben ist. Heyde-mann, Mittheil, aus d. Antikensamml. in Ober-u. Mittelitalien 26 nr. 18 bemerkt: Steinbüchel,Bullettino 1834, 136 nr. 26 und Cavedoni (vgl.Arch. Zeit. a. a. 0. 481, 1; Cavedoni hatte andie Begegnung des Oidipus mit Laios gedacht