Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
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741-742
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741 Oidipus (Etymologie)

5) Zutreffender ist die Ansicht von Schwenck,Anmerk.. z. d. Homer . Hymnen S. 243 und inSeebodes Archiv f. Philol. u. Pädag. 2 (1825), 162,der ausführt, dafs Oidipus seine geschwollenenFüfse, gerade wie die Amazonen den Verlustder einen Brust, einer falschen Etymologie ver-danke (οίδάω, οίδέα j); vielmehr sei in Οίδί-πονς die letzte Silbe nicht zu urgieren, derName bedeute den Weisen ( οΐδα ), dessen Ver-stand das Rätsel löst. Weiter ausgeführt hatdiese Etymologie Schneidewin 195 ff.: Die Ab-leitung von οίδάω könne nur dann für richtiggelten, wenn die άναγνώριαις durch die Be-schaffenheit der Fufsgelenke erfolge, was abernur in späten Quellen geschieht. Οίδιπόδας seivom Stamme IA mit anlautendem O, das dieStelle des Digamma vertrete, wie ίηΌαξο? u. s. w.,gebildet und bedeuteder Wissende odergenauerWisselin. So lieifse er nicht alleinmit Bezug auf das Sphinxrätsel, sondern auchweil er die trotz allen scheinbaren Scharfsinnesirrende Weisheit, die insipiens sapientia desMenschen versinnbildliche; eine Anspielungauf diese Bedeutung des Namens Oidipus willSchneidewin 196 (vgl. 171) bei Soph. Oed.B. 397(b μηδέν είδώς Οίδίπονς) und bei Pind. Pyth.4, 263 (γνά ith. vvv τάν Οίδιπόδα σοφίαν) er-kennen ; die patronymische Endung -πόδης seiohne Bedeutung. Ich kann mich der MeinungSchneidewins nicht anschliefsen; selbst zuge-geben, dafs die Lösung des Sphinxrätsels schonvon Anfang an mit der Oidipussage verknüpftgewesen ist, so bildet diese doch nicht in derWeise die Hauptbegebenheit in dem Leben desHelden, dafs er glaubhaft danach benannt seinsollte. Es sei jedoch gern zugegeben, dafs derspätere Witz der Volksetymologie in Οίδίπονςoder Οίδιπόδας den Mann erkennen mochte, derοίδε πόδαςder die Füfse (d. h. das Rätsel)i weifs. llberg a. a. 0. 23, 2 hält sogar die! Möglichkeit fürnieht ausgeschlossen, dafs gerade

das Fufsrätsel ihm erst infolge einer Volks-etymologie zugeschrieben, ja vielleicht ihmauf den Leib gedichtet worden sei.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dafs wieman bei Oidipus das Durchbohren der Fufs-gelenke zur Erklärung seines Namens erfundenhat, man aus ähnlichen äufseren Ursachen denNamen Melampus hat ableiten wollen; so sollnach Schol. Theolcr. 3, 43 seine Mutter ihn aus-gesetzt haben; sein ganzer Körper sei bekleidet,nur die Füfse seien nackt gewesen; da diese vonder Sonne verbrannt worden seien, (habe er denNamen Melampus erhalten, und Ähnliches er-zählt Schol. Apoll. Rhod. 1, 118. Höchst be-achtenswert erscheint mir die Vermutung vonKretschmer a, a. 0. 191, 3, der die DeutungSehwellfufs für richtig hält, aber meint, dafsdie Begründung durch die Sage, dem neu-geborenen Kinde seien die Füfse durchbohrtworden und daher geschwollen, erst nachträg-lich erfunden worden sei: dies wäre eine un-nötige Grausamkeit gewesen; denn das ebengeborene Kind konnte ja doch nicht entlaufen.Oidipus erinnert an einen anderen rätselhaftenmythischen Namen, den des frommen SehersΜελάμπονς: beides sind chthonische Heroen.Oidipus gehört zu jenen Helden, die lebend

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und unversehrt in die Tiefe der Erde entrücktwerden. Chthonische Wesen haben einenSchlangenleib statt der Füfse: so stellt einattischer Vasenmaler auf der Schale in Berlin n. 2537 ( Mon. delV Inst. 10, 39, abg. Bd. 1Sp. 1305/6) den Kekrops dar; ebenso auf demBd. 2 Sp. 1019 f. abgebildeten Thonrelief; vgl.d. Art. Heros Bd. 1 Sp. 2469, 52 ft. Sollten nicht'Schwellfufs und 'Schwarzfufs euphemistischeBezeichnungen des schwarzen geschwollenenSchlangenleibes sein, welcher diesen Heroennatürlich genommen wurde, als sie zu Heldender Dichtung wurden? Schon oben Sp. 726wurde auf die enge Verbindung des Oidipusmit den Erinyen hingewiesen; es sei hier nochfolgendes angeführt. Der Kithairon, aufdem Oidipus ausgesetzt wurde, galt nach einemallerdings schlecht beglaubigten Mythos fürden Berg der Erinyen, Hermesianax bei( Plut .) de fluv. 2, 3. 0. Müller, Eumeniden 170.Schneidewin 182 f. In Sikyon , der zweitenHeimat des Oidipus , bestand alter Eum eniden-(Erinyen-)kultus (Bd. 1 Sp. 1330 Z. 60 ff.).Po ly ho s, der Pflegevater des Oidipus, war einSohn des Hermes (χρόνιος?) und der Chtho-nophyle, Paus. 2, 6, 6. Nikol. Damasc. fr. 15;und derNamen Polybos selbst, sowie der seinerGattin Periboia weisen auf chthonischenKult: Polybos ist das männliche Seitenstückzu Πολύ ß οι a &εός τις νπ ενίων μενΑρτε μις (= Hekate, Κ. Ο. Müller, Dorier1, 358. Bolide, Psyche 131, 1), νπό δε άλλωνΚόρη. An Periboia erinnert der Beiname derPersephone, Μελίβοια ( Αάματρα μέλπωκόραν τε ΚλυμένοΤ άλοχον Μελίβοιαν,Lasos fr. 1. Schneidewin Γ93. Kohde a. a. 0.193, 1. 1951. 696); vielleicht ist auch der Namedes Hirten Meliboios (ob. Sp. 708) nicht zu-fällig; so dürfte Schneidewin 193 Recht haben,wenn er in Polybos und Periboia ursprünglichein Paar erkennt, wie Klymenos und Meli-boia bez. Klymene in Hermione (Bd. 1Sp. 1783, 50 ff. Bd. 2 Sp. 1295, 36 ff. 2631, 40 ff.),Hades und Persephone (bez. Pluton undKora) in anderen Kulten. Vielleicht ist esauch nicht allzukühn, in den Namen seinerEltern Bezug auf die Unterwelt zu erkennen.Wenn Sthwenck, Seebodes Archiv a. o. 0. Rechthat, dafs Laios derVolkliche (vgl. Aao-μέδων) bedeutet, so könnte man an den Bei-namen des Hades, Αγησίλαος,den grofsenVolksversammler (s. Bd. 1 Sp. 1783, 18 ff. undaufserdem Kallim. hymn. 5,130. Etym, M. 8, 34.Hesych. Αγησίλαος b Πλοντων. Lactant. de fals.relig. 1, 11; vgl. χρόνιος 'Ηγηαίλαος, Athen . 15p. 684 d. Ήγησίλεως "Αιδης, Hegesippos in Anth.Pal. 7, 545, 4; vgl. auch Schneider, Kallimach.1, 362 f.) denken. Auch Tümpel, Die Aithiopen-länder des Andromedamythos, Jahrb. f. Philol.Suppl. 16 (1888), 215 erklärt mit Curtius, Gr.Etymol . 5 655 Αάϊος δήμιος, zieht aber ganzandere Schlufsfolgerungen. Der Name seinerMutter Epikaste erinnert an die gleichnamigeGattin des chthonischen ( Crusius Bd. 1Sp. 1840, 41 ff.) Klymenos; eine andere Epi-kaste ist Mutter des chthonischen Tro-phonios, Schol. Arist. nub. 508 p. 105 b , 32.Auch der Nameΐοκάατη ,die Veilchenge-

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