Band 
Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
743-744
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743 Oidipus (Etymologie)

schmückte (0. Müller, Prolegomena 291) er-innert an Kora, Hom. Hymn. in Cer. 6. Murr,Oie Pflanzenwelt i. d. griech. Mythol. 261 f.; vgl.Bd. 2 Sp. 1314, 35. Nach alter Sage beiAeschyl. fr. (ob. Sp. 714) tötete Oidipus seinenVater auf dem Dreiweg von Potniai: aufserdem chthonischen (Bd. 2 Sp.1291, 7 ff.) Kulteder Kora und Demeter zu Potniai gab es dortauch einen solchen der Erinyen (0. Müller,Eumeniden 171, 7. 176. Schneidewin 182), diegeradezu Ποτνιάδες (Eur. Or. 312) heifsen;auch der Dreiweg weist auf chthonische Be-ziehungen hin (Bd. 1,1890, 50 ff. Rohde 371,1);auf einem Kreuzweg (χείεν&ων εν ποίνβχίοτωνμια, Soph. Oed. Coi. 1592) stand Oidipus , alser entrückt ward; hierher hatten ihn Έρμηςb πομπος η τε νερτέρα &εός (Soph. Oed.Coi. 1548), ja nach anderer Überlieferung dieEumeniden ( Euphorion im Schol. Soph. Oed.Col. 681) selbst geführt; hier rufen ihn dieDonner des Ζευς χ&όνιος (Soph. Oed. Col. 1606).Das Hauptmotiv des Oidipusmythos ist seineEhe mit der Mutter. Crusius, Beitr. z. griech.Myth . 21 sieht darin eine Parallele zur Ver-mählung des Jasion (s. d.) und der Demeter,des Kadmos und der Harmonia, schliefst sichder von Mannhardt, Mythol. Forsch. 351 f.entwickelten Anschauung der Begriffe von οπεΐ-ρειν und άρονν(8θρ%.Οΐά.Μ. 1497 f.: την τεκοΰοανηροοεν, ο&εν περ αυτός εαπάρη, vgl. 260.460) an und erkennt in dem Oidipusmythoswie in den angeführten Parallelen als Kernhauptsächlich einen agrarischen Charakter.Ob freilich der Oidipusmythos nach dem Vor-gang von Η. 1). Müller, Mythol. d. griech.Stämme 1, 297 Anm. 4 und Philol. 14 (1859),137 mit Crusius a. a.O. und Tümpel, Aithiopen-länder 197, 175 (vgl. 213 ff.) als Rest der altenKabeirenreligion den tyrsenischen Pelasgernangehört, wage ich nicht zu entscheiden. WederH. D. Müller noch Crusius und Tümpel er-wähnen etwas von dem Vatermord, der inder Oidipussage doch gleichfalls hochbedeutsamist. Ich will schliefslich eine Vermutung äufsern(und eine solche soll es nur sein, da es mir anden nötigen Beweisen fehlt), die sich an das an-kniipft, was E. Meyer, Gesch. d. Altertums 2,101.103 andeutet: sind vielleicht in dem Vater-mord des Oidipus Anklänge erhalten an denSturz des Kronos durch Zeus , in seiner Ehemit seiner Mutter Anklänge an die Ehe desZeus mit der leiblichen Schwester? Vgl. auchdie spätere orphische Überlieferung, nach derZeus in Schlangengestalt seiner Tochter Per-sephone beiwohnt. Ist Oidipus vielleicht eineHypostase des Ζευς χ&όνιοςΊ E. Meyer a. a. 0.und 167 sieht in Oidipus eine dem Heraklesgleichartige Gestalt, einen jener grofsen Götter, inderen Leben der Kreislauf der Natur Ausdruckgewonnen hat. Oidipus, der sich seiner eigenenMutter, der Erde, vermählt, dann aber ge-blendet wird und stirbt, könnte zu einem Herosherabgesunken sein, von dessen merkwürdigenSchicksalen die Dichter viel zu erzählen wufsten.

Parallelen.

Quellen: Bernh. Schmidt, Griech. Märchen,Sagen u. Volkslieder 10. 143 f. 247 ff. Cholevius,

Oidipus (Parallelen) 744

Geschichte d, deutsch . Poesie nach ihren antikenElementen 1, 167 ff. Lippold, lieber die Quelledes Gregorius Hartmanns von Aue 50 ff. Alb.Heintze, Gregorius auf dem Steine, der mittel-alterliche Oedipus (Progr. Stolp 1877). W.Creizenach bei Paul und Braune, Beiträge z.Gesch. d. deutsch. Sprache u. Literatur 2 (1876),201 ff. Vict. Diederichs, Russische Verwandteder Legende von Gregor auf dem Stein und derSage von Judas Ischariot , Russische Revue 17(1880), 119 ff. St. Novakovic, Hie Oidipussagein der südslawischen Volksdichtung, Archiv fürslavische Philol. 11 (1888), 321 ff. FlordiskTidsskrift for Filol. 3, 11411'.

Noch heute hat sich im griechischen Volks-munde die Sage von Oidipus erhalten, undzwar ohne jede Spur von Christianisierung,wie sie sich in den Legenden anderer Völkerfindet. In einem Märchen (Schmidt 143) ausArachoba (südlich am Parnafs) wird von einerKöniginunten bei Theben erzählt, dieauf einem Felsen am Wege safs und denVorübergehenden drei Rätsel (das dritte dieserRätsel ist dasselbe wie das der antiken Oidipus-fabel, vgl. Laistner, Das Rätsel der Sphinx

1, 19) aufgab; wer diese löse, verkündete sie,den werde sie ungekränkt vorüberziehen lassen,ja ihn sogar zum Manne nehmen; wer dieRätsel aber nicht errate, den werde sie fressen.Viele zogen dort vorbei, aber keiner vermochtedie Rätsel zu lösen. Da hörte ein junger Prinzvon der Königin und machte sich trotz desAbratens seines Vaters auf den Weg. DieKönigin selbst, die Mitleid mit seiner Jugendund Schönheit hatte, suchte ihn von seinemVorhaben abzubringen; der Prinz liefs sich dieRätsel vorlegen und löste sie alle drei. Hierbricht das Rätsel, das deutliche Spuren derSphinxsage erhalten hat, ab; nach Schmidt 248ist dieselbe Sage auch auf Zakynthos undLesbos noch heimisch, und der Name der Sphinxselbst hat sich bei den Bauern von Arachobain Sprichwörtern erhalten, von denen beson-ders charakteristisch ist: αν τη τη Σφίγγα &άγελάοης, von einem klugen und scharfblicken-den Menschen, der sich nicht täuschen läfst.Auch die Sage vom Vatermord des Oidipusund seiner Verheiratung mit der Mutter lebtin Märchen auf Zakynthos sowie auf Kyprosfort (Schmidt 248 f.); in dem kyprischen Mär-chen (vgl. auch Laistner, Das Rätsel der Sphinx

2, 373) wird das neugeborene Kind von seinerMutter durch Messerstiche in die Brust schwerverletzt in einem Kistchen ins Meer ge-worfen; die Entdeckung erfolgt, als später dieFrau die N arben auf der Brust ihres Mannesbemerkt (wie bei Mythogr. Vatic. 2, 230),worauf sie sich durch einen Sprung vom Dachetötet. Die meiste Ähnlichkeit mit der Oidi-pussage hat von den christlichen Legenden dieJudaslegende, die, wie Creizenach 201 sagt,mit jener den Grundgedanken gemeinsam hat,dafs das vorherbestimmte und vorhergeahnteSchicksal unabwendbar trotz aller Vorsichts-mafsregeln eintrifft. Der Inhalt (Cholevius168f. Creizenach 196 f.) ist nach Diederichs 119f.folgender: Vor der Geburt des Judas wurdeseine Mutter Cyborea durch einen Traum ge-

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