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Dritter Band, erste Abteilung. Nabaiothes - Pasicharea.
Seite
1147-1148
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1147 Orpheus (Rhapsod. Theogonie)

aufserdem wird der v. bei Diod . 1, 11 (fr. 168)τοννεκά μιν καλέονσι Φάνητά τε καί Αιόνυσον,der den Mythos von den drei Inkarnationendes Dionysos wahrscheinlich voraussetzt, gleich-lautend in der von Buresch Klar, herausge-gebenen Theosophia (96, 21) und beinah gleich-lautend von Macrob. S. 1,18, 12 (fr. 167) zitiert,welche beide sonst nachweislich (mittelbar)aus den Bhapsodien schöpfen. Dafs Apionunsere Bhapsodien las, kann aus den von Klem.Bom. citierten Versen (Lobeck, Agl. 1, 47 5 ff.;Abel, Orph. fr. 37f.; Nöldeke, Zeitschr.ä. deutsch,morgenl. Gesellsch. 53,1899 S. 501 ff.) wenigstensvermutet werden; die hieronymianische Theo-gonie, an die Abel dachte, ist weit wenigergelesen worden, und ein, Teil der Differenzenzwischen Klemens (recogn. fr. 38 Ab.) und derrhapsodischen Theogonie (fr. 94 Ab.) erklärtsich durch die Vermischung orphischer urdhesiodeischer My thologeme. Vielleicht derselbenZeit wie Diod. und Apion gehört der Versdes pseudoaristotelischen Buches περί κόσμονan, der ebenfalls die Bhapsodien gekannt zuhaben scheint (vgl. fr. 46 mit 123). Demnachexistierte unser Werk sehr wahrscheinlich im1. Jahrh. v.Chr. Nun sind aber Klemens’ Katalogoder Plagiate, in dem sich die wahrscheinlich ausden Bhapsodien stammenden Orphika finden,und Diodors ägyptische Götterlehre offenbar auseiner älteren, wahrscheinlich alexandrinischenQuelle geschöpft, die sich jedoch nicht mitSicherheit ermitteln läfst. Der alexandrini-schen Zeit gehört auch Hieronymos an, derentweder eine den Bhapsodien nahe verwandteTheogonie oder diese selbst gelesen hat. Dievon 0 . Kern behaupteten früheren Beziehungenauf das Gedicht von der doppelten Weltema-nation aus Phanes und Zeus sind dagegenentweder ganz unsicher oder, wie dies nament-lich von den bei Platon gesuchten mit Sicher-heit gesagt werden kann (s. zuletzt Bohde,Ps. 2 2 , 414ff.; Weber, Platon. Kotiz. üb. ü.S. 36; über die Einwände von E. Meyer, Geseh.d. Altertums 2 S. 735 u. s. w. s. Jahresber. üb.d. Fortschr. d. dass. Altertums 102, 1899 3 S.150),nicht vorhanden. Demnach sind die Bhapsodienin derLitteratur mit einiger Wahrscheinlichkeiterst in der hellenistischen Zeit nachweisbar.Das Gewicht dieses stillschweigenden Zeugnisseswird noch dadurch vermehrt, dafs Platon erstensnirgends das Vorhandensein anderer, von ihmnicht zitierter Orphika andeutet, zweitens ineiner wahrscheinlich nach der Zeitfolge an-geordneten Aufzählung der verschiedenen kos-mogonischen Systeme die Lehre von dem be-ständigen oder periodischen Wiederzusammen-fliefsen des Alls im Einen an letzter Stellenennt und ionischen und sikelischen Musen(Soph. 242 D), d. h. wohl Herakleitos und Em-pedokles, zuschreibt. Diese sehr bedeutsameNichterwähnung wird indessen durch die That-sache aufgewogen, dafs das Gedicht gar keineBeziehungen zu jüngeren Lehren hat. Da bisin die neuste Zeit hinein teils auf Grund längstwiderlegter Beweisgründe teils ganz ohne Be-weis immer wieder das Gegenteil behauptetwird, so habe ich die Prüfung, die eigentlichder Behauptung hätte vorhergehen sollen, nach-

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geholt und im Vorstehenden alle philosophi-schen Gedanken unseres Gedichtes in ihrenBeziehungen zu anderen Systemen darzustellenversucht. Das Ergebnis kann nicht zweifel-haft sein. Zu demselben Resultat führt diePrüfung der in dem Gedichte erwähnten Gottes-dienste. Die Bhapsodien wissen nichts vonden berühmten Gottheiten der hellenistischenZeit. Ja, es findet sich in den umfangreichenFragmenten überhaupt nichts, was nicht kurzvor oder nach den Perserkriegen hätte gesagtwerden können, und kaum etwas, was nichtdamals wirklich gesagt worden wäre.

86) Der Widerspruch, der hierin gegen-über der späten Beglaubigung liegt, läfst sichin dreifacher Weise heben. Erstens könntendie Athener des 5. Jahrh. diesen Teil derOrphika für interpoliert erkannt und deshalbgering geschätzt haben. So kennt Platon selbstden alten, später wieder berühmten Pherekydes,der wie unsere Bhapsodien seine Gedankenmystisch einkleidet, entweder überhaupt nicht,oder er weist auf ihn (Soph. 30 S. 242 c) wieauf einen kindischen Märchenerzähler hin, dereine Nennung des Namens gar nicht verdiene;und mit derselben Verachtung behandelt ereinen Teil derorphischenLitteratur(Sp. 1126,3ff.)Allerdings spricht Platon , wie zuletzt Weber,Platon. Notiz, üb. 0 . S. 38 hervorgehoben hat,nirgends von untergeschobenen orpbischen iGedichten; auch die Worte äs cpaoi, resp. 2, 7S. 364 e, die in einem von Weber übersehenen :Gegensatz zu Tim. 13 S. 40 d e stehen, sollennicht die Unechtheit der verspotteten Orphika jhervorheben. Trotzdem kann natürlich Platon jdie Gedichte gekannt haben, die orphisch sein iwollten, aber als solchevon ihm nicht anerkannt jund vielleicht deshalb nicht zitiert worden sind. 'Wie leicht übrigens bei der Nichterwähnungauch unbekannte Absichten oder selbst einblofser Zufall mitspielen können, zeigt u. a.das Beispiel des Begründers der pythagore-ischen Litteratur, Philolaos, den Platon trotzseiner ausgesprochenen Vorliebe für pytha-goreische Lehren ebenfalls nur gelegentlicheinmal zitiert. Zweitens könnten die Kreise, indenen die Bhapsodien entstanden, in bewufsterAltertümlichkeit sich an die vorklassische Philo-sophie gehalten haben. Endlich wäre es denk-bar, dafs die Bhapsodien zwar nach Platon ent-standen, aber bevor das stoische System zurHerrschaft gelangte. Von diesen Möglichkeitenist die zweite, die es gestatten würde, die Ent-stehung der Gedichte beliebig hinunter zu rücken,die am wenigsten wahrscheinliche. Wie hätte ■auch eine mehrere hundert Jahre zuvor über- jwundene philosophische Richtung nach einer;beispiellosen Entwickelung der Philosophie jplötzlich ganz unverändert wieder hervortreten;können? Der Neopythagoreismus, in dem wir;die nächste Parallele suchen miifsten, zeigtgerade recht deutlich, wie viel stärker dieEntwickelung der Dinge ist als die roman-tischen, dem Altertum zugekehrten Neigungender Menschen. Kann demnach das Gedichtvon der Emanation der Welt aus Phanes undZeus schwerlich eine nach Altertümlichkeithaschende späte Dichtung sein, so ist dagegen

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