1249 Paian (Asklepios)
Arch. epigr. Mitt. 19, 1896 S. 231. Orph.Argon. 21. 175. 1356. Kaibel ep. 797. Orac.somn. ap. Arist. or. sacr. 4. (t. 1 , 511 Dind.)Euseb. praep. ev. 5, 8 . Die einzige erhaltene Dar-stellung in der Kunst auf einer jetzt verschol-lenen Gemme [Grenzer, Gemmenkunde Taf. 5N. 31, Denkmäler der alten Kunst 2 N. 121a.Deutsche Schriften 2, 3, 484: ein zierlicher, be-kränzter Apollokopf, vor demselben ein Zweig(Lorbeer oder Olive?), die Haare, in denen das ioWort Daia(v) steht, endigen in einen kleinenSchwan] wird man nach den oben gegebenenAusführungen Anstand neh-men müssen mit Overbeck,Kunstm. 4,160 ohne weite-res auf den Heilgott zu be-ziehen (Deutungsversuchebei Lersch, Apollo der Heil-spender 17 und Stephani, C.
R. 1863, S. 84. A. 6). 20
III. Asklepios Paian.Wenn bei Apollon die Be-zeichnung des Heilandesumfassenderen Sinn hat, soverrät sie bei Asklepios, derim Laufe der Entwicklungsich immer mehr beschränkenden Wirksam-keit des Gottes gemäfs, ausschliefslich iatri-sche Bedeutung. Insofern ist Asklepios derrechtmäfsige Nachfolger des homerischen soGötterarztes, der neben Apollon zuerst diesenNamen trug. Es scheint aber infolge der engenVerbindung des Apollon und Asklepios dasapollinische Beiwort direkt auf diesen über-gegangen zu sein. Es spricht dafür nicht blofsdie Analogie mit Dionysos, sondern auch dieThatsache, dafs die auf Asklepios gedichtetenPäane den apollinischen nachgebildet sind, undin mehreren Bruchstücken (in dem Päan vonPtolemais, in dem des Makedo, Burgk 3, 676 40= G. I. A. 3, 171b und vielleicht auch indem des Sophokles, Bergk, P. L. Cr. 2 4 , 248)bei Beginn des Liedes des eigentlichen Paian,Apollons , zuerst gedacht wird. Der frühesteBeleg ist der von Sophokles auf den Gott ge-dichtete Päan, dessen Kult eben erst in Athen eingeführt wurde (420 v. Ch.: Körte, Ath. Mitt.
18,1893, 249), ohne dafs allerdings die Epiklesiserhalten wäre. Sie findet sich ohne ZusatzNicander theriaca 439, 686, wo die Attribute 50und die lokalen Beziehungen auf Asklepios deuten, ebenso Herondas 4, 1. 11. 81. 82. 85.Am häufigsten erscheint sie wie bei Apollon in den religiösen Urkunden, den Hymnen,Weihepigrammen und -inschriften: in denschon genannten Päanen, von denen der vonPtolemais in der einfachsten liturgischenForm gehalten ist, im Päan des Isyllos anEpidauros ( Wilamowitz , D 1, 22, 25, E 10, s. a.Gavvadias, Fouilles d’Epidaure 4, 7. 47, 4 = eo258, 12), in der Weihinschrift des Soarchos vonLebena (Ath. Mitt. 21, 1896 p. 67), im Lied desDiophantos Sphettios, Bergk 3, 249 = G. I. A.3,171a. I. G. S. I. 1016. G. I. Gr. 3, 5973c= Kaibel 1026, 511 u. add. 511 = K. 1027,5974 A. B. = Anth. Pal. 2, 384 (Rom ), 2292(Delos ), 3158 (Smyrna), 3538 (Pergamum) =
K 1035. C. I. A. 3, 263 (? Athen ). Arch. epigr.
Roscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. III.
Apollon-Paian,Gemme (nachCreuzer , GemmenkundeTaf. 5 nr. 31).
Mitt. 15, 1892, 206 (Mösien). Hymn. orph. 62,11. Andrem, bei Galen, de antid. 1 , 6 (14, 42).Philostratos in der έκφρασή des Kallistratos434, 13. Tzetz. chil. 10, 710.
IV. Dionysos Paian. In Delphi trat Dio-nysos in enge Beziehung zu Apollon , die sichjm Austausch der Attribute bekundet (s. obenVoigt 1, 1033. Rdhde, Psyche 2 2, 52). Auchder Kultname Paian wurde auf Dionysos über-tragen. Die abgerissenen Litteraturangaben,aus denen diese Thatsache erschlossen werdenkonnte ( Eurip■ fr. 480 N. aus dem Likymnios:δέαποτα φιλόδαφνε Βάκχε παιάν ’Άπολλονεϋλνρε*), Hymn. orph. 52, 11: Παιάν &ιροεγχής,Columella de cultu hört. 224: Delie te Paean ette euie euie Paean), erhalten ein neues Lichtdurch den Inhalt des dem Ende des 4. vor-christl. Jahrhunderts angehörenden, die del-phische Lokaltradition wiedergebenden Päansauf Dionysos , als dessen Verfasser Philodamosvon Skarpheia genannt wird (Ball. hell. 19,1895, 391). „Nachdem der Sohn des Zeus undder Thyone seine Wanderfahrten auf Erdenbeendigt hatte, und die Eifersucht der Hera durch die Vermittlung der Thelxinoa gestilltwar, zieht er in den Olymp ein. Die Musen,mit Epheu bekränzt, begrüfsen ihn als un-sterblichen Päan, und Apollon beginnt dasLied.“ Die dionysischen und apollinischen Rufeverschmelzen (ενοΐ ώ Cb Βά%χ ω Π Παιάν).Dionysos übt die päanische Wirksamkeit indem umfassenden apollinischen Sinne aus; s.den Endrefrain ’ΐε Παιάν, l’th βωτι |ρ, εϋφρωντάνδε πάλιν φύλαΰα’ εΰαίωνι ανν δλβω; dochwird er im besonderen auch mit der Bitte umVerleihung der Gesundheit angegangen (s-.denNachtrag Bull. hell. 21, 1898, 513). — (Überdas Vasenbild dionysischen Charakters bei Ger-hard, Arch. Zeit. 10, 404, auf der die Personi-fikation des Liedes Παιάν neben Κώμος [s. d.]inschriftl. bezeugt ist, s. Voigt ob.Bd.l Sp. 1072.)
V. Paian in vereinzeltem Zusammen-hang mit anderen Göttern und mit Per-sonifikationen: Beiwort des Zeus : Hesych.s. v. Die Deutung des lorbeerbekränzten Zeus-kopfes auf der Münze bei Mionnet, descript. desmed. 6,602 nr. 301 in diesem Sinn (Panofka, Abh.der Berl. Ak. 1843 S. 257) ist unwahrscheinlich.Beiwort des Helios bei Timoth. fr. 13. Bergk3, 624: ev τ’ ω τδν άεΐ πόλον ούςάνιον άκτΐβιλαμπ^αϊς'Άλιε βάλλων, πέμ-ψον εκάβολον έχ&ροΐςβόλος aas άπο vivoäg, ώ Ι'ε Παιάν. Hymn. orph.8, 12. Beiwort der Athene unter der FormΠαιωνία in Athen und Oropos. Pseudoplut.vita dec. orat. 842 e. Paus. 1 , 34, 2. Über dieLage des athenischen Heiligtums s. Wachs-muth, Die Stadt Athen 1,263. Beiwort des PanHymn. orph. 11, 11, des Thanatos Soph.fragm. 639 N. Eurip. Hippol. 1373. Diphilosfr. 88 Kock und Hypnos Soph. Phil. 832. Daendlich in jedem Päan der Kultruf vorkam, sowürde die Konsequenz es erfordern, die Epi-klesis auf alle diejenigen Götter auszudehnen,
*) Die Anrede ist einem an die delphischen Gott-heiten gerichteten Gebet entnommen, was einen Anhaltdafür bietet, dafs der Diod. 4, 88, 3 berichtete Zug desLikymnios und Iolaos nach Delphi im euripideischenStücke vorkam.
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