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sprechende Sage bildete. In Megara war einHeroon der Ino mit jährlichen Opfern, diehier zuerst Leukothea genannt worden seinsoll. Der tote Melikertes aber wurde nachgriechischer Sage von einem Delphin an denkorinthischen Isthmos getragen (Paus. 1, 44,11. 2, 1, 3), von Sisyphos gefunden und be-graben; er hatte hier bei einer Pichte einenAltar und wurde unter dem Namen Palai-mon göttlich verehrt und ihm zu Ehren dieisthmischen Spiele eingerichtet. Das Palai-monion auf dem Isthmos ist auch erwähntC. I. Grase. 1104, aber der Kultus war trotzspärlicher Erwähnung doch am ganzen Mittel-meer verbreitet. Merkwürdig ist, dafs derKult der Mutter und der des Sohnes ge-trennt begegnen, Ino allein in Theben, Plut.apophth. lacon. 228F, Megara, Paus. 1, 42, 7,Chäronea, Plut. Quaest. Bom. 16, Lakonien ,S. Wide, Lakon. Kulte 227ff, Palaimon alleinam Isthmos von Korinth , Paus. 1 , 44; 2, 1 , 3;2, 2, 1; 8, 43, 2; als vsäv qivXat;, Ssenoxandlcufiov wird er am Pontos Euxeinos ange-ruten Eurip. Iph. Taur. 271, in gleicher Eigen-schaft im Orph. Hymn. 75. In Tenedos wurdePalaimon mit Kinderopfern verehrt, daherßgeqpoxxovog genannt, Lykophr. Alex. 229, dazuSchol. Der Knabenwettkampf in Milet , vonLeukothea eingerichtet, Kon. 33, das Fest Leu-kathea in Teos, G. I. Gr. 3066 und der Monats-name Asvy.u&swv in Lampsakos und ChiosC. I. Gr. 3641 b und Bull, de corr. hellen. 3(_1879) 244, 1. 25 scheinen mit Palaimon nichtszu thun zu haben; ebensowenig Tennes undHemithea (in Schol. II. 1 , 38 auch Leukotheageheifsen), die in Tenedos für Geschwister undKinder des Poseidonsohnes Kyknos galten,Kon. 28. Lykophr. Alex. Schol. vet. zu v. 232 ff.Es bleibt also, wenn wir von der ziemlichspäten Gleichstellung des Palaimon mit demitalischen Portunus absehen, für Palaimon inGriechenland sicher bezeugt nur der Kultus inKorinth und in Tenedos, wozu noch der desHerakles Palaimon in Koronea kommt (s. oben1). Dies führt vielleicht zum richtigen Ver-ständnis der Entstehung der Sage.
Der Name Palaimon ist höchst selten undmutet mehr wie ein Epitheton als wie einEigenname an. Otto Jahn , Palamedes, hatüber den Zusammenhang desselben mit Pala-maon und Palamedes gehandelt. Diese Zu-sammenstellung ist zwar wegen des Namens-anklangs verlockend, aber gewifs irreführend.Nichts im Wesen des Palaimon weist auf eineVerwandtschaft mit dem des Palamaon undPalamedes hin. Der Argonaut Palaimon oderPalaimonios (s. nr. 3) gilt als Sohn des He-phaistos wegen seines schwachen Fufswerks,das die Vergleichung mit dem hinkenden He-phaistos nahe legt, nicht wegen besonderer iKunstfertigkeit, um deren willen der angeblicheVater auch Palamaon genannt wird, Preller-Bohert, Griech. Myth . I 4 , 184, Anm. 2, dennvon einer solchen findet sich bei dem Argo-nauten keine Spur; und patronymisch miifsteder Sohn des Hephaist Palamaonios heifsen;so zu lesen verbietet aber das Versmafs. DerName Palaimonios kann also nicht für die
Gleichsetzung von Palaimon = Palamaon-He-phaistos verwendet werden. Bapp, Prometheus ,Oldenburger Progr. 1896, S. 42, 16 ist geneigt,in Palaimon den Trais des Kabirenkults zusehen, da Ino in der That Züge der tyrrhe-nischen Aphrodite, der Kabeiro, trage unddurch den Namen ihres Sohns, Palaimon, derauch der eines Sohnes des lemnischen Feuer-gottes sei, mit diesem in Verbindung trete> Allein die Verbindung des Namens Palaimonund Melikertes scheint dadurch nicht genügenderklärt. Palaimon ist nach natürlichster Ety-mologie der Ringer. Als solcher führt He-rakles diesen Beinamen in der genannten In-schrift von Koroneia, aber auch bei Lykophron ,Alex. 663 und im Etym. M. 511, 28 und über-trägt denselben auch auf seinen Sohn von derWitwe des Antaios (s. o. 2). In der Lyko-phronstelle heifst er Kpga/ivvxr]e, Hsvxevg,TlaXuiywv, und das Schol. vet. dazu sagt, alsüevxsvg werde er in Iberien verehrt. Wiekommt nun, wenn Herakles Palaimon zube-nannt wird, der Knabe Melikertes nach seinerVergötterung zu diesem Namen? und warumsollen gerade zu Ehren des toten Knaben Meli-kertes die isthmischen Spiele, bei denen ge-wifs auch der Ringkampf eine wichtige Rollespielte, eingesetzt worden sein? Hier scheinenverschiedene Vorstellungen frühzeitig inein-andergeflossen zu sein:
a) Die isthmischen Spiele zu Ehren destot ans Land getragenen Melikertes waren,gleich den nemeischen zu Ehren des Arche-moros, Leichenspiele; der Fichtenkranz alsSiegespreis in den Isthmien ist wie der Eppich-kranz bei den Nemeen ein Zeichen der Trauer,Paus. 8, 48, 2, Bohde, Psyche 142. Melikertes-Palaimon wird als Heros verehrt, die Isthmienerst später dem höheren Schutzgott Poseidon geweiht, aber der „Ringer“ Melikertes wargewifs nicht von Uranfang ale Knabe gedacht,sondern diese Vorstellung ist erst das Er-gebnis einer Verschiebung seines ursprüng-lichen Wesens.
b) Nach dem Tode fortlebend und als Gegen-stände frommer Verehrung gedacht wurdennach griechischem Volksglauben die Seelenderer, die Unrecht erlitten hatten oder einesgewaltsamen Todes gestorben waren. Wennin der griechischen Sage Melikertes bestattetund dann als Schutzgeist der Schiffer verehrtwird, so ist durch die Bestattung und Ver-ehrung das erlittene Unrecht gesühnt, derVerstorbene wird zum Mitleid umgestimmtmit denen, die von derselben Naturgewalt ge-fährdet sind, die ihm verderblich war. Dafser in den Kreis des Poseidon eingereiht wird,ist bei der ihm ang'edichteten Todesart ver-ständlich. Ob auf bildlichen Darstellungenaus Korinth der vom Delphin getragene Knabetot oder lebend, liegend, reitend oder stehendabgebildet wird, ist bei dieser Auffassung gleich -giltig. Der tote Knabe stellt die Bergung derLeiche, der lebende den göttlich verehrtenHeros, die fortlebende Seele dar. Ähnlichwerden christliche Märtyrer, die Verehrung alsHeilige geniefsen, also als lebend und wirkendvorgestellt werden, oft in der Gestalt, die sie