Band 
Dritter Band, zweite Abteilung. Pasikrateia. - Pyxios.
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3095-3096
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3095 Prometheus (in d. Kunst)

Herakles (Calanice genannt, wie auch sonstmehrfach auf diesen Spiegeln), neben demKeule und Bogen am Boden liegen, stützenmit der Linken die Arme des fessellosen undnur mit einem Tuch um die Hüften bekleidetenP. (Prumathe; s. d.), während sie mit der Rechtenje einen kleinen runden Gegenstand empor-heben, wahrscheinlich die abgenommenen ring-förmigen Fesseln, mit denen die Arme fest-geschmiedet waren (Handschellen; andereErkl.bei Gerh. a. a. 0. und Jahn, Beitr. S. 233).Der Hintergrund ist nicht charakterisiert, dochwohl wie auf Taf. 139 als Fels gedacht. P.trägt den Kranz. Der Adler zu seinen Füfsenmufs tot sein, wenn der Künstler dies in derHaltung des Tieres auch nicht auszudrückenvermocht hat. Die beiden Sterne über demHaupte des befreiten Titanen deuten jedenfallsauf die Dioskuren. Von diesen ist allerdingsnur einer anwesend, denn wenngleich Kalii- 2vixos nicht nur Herakles heifsen konnte, so istdieser doch durch seine Waffen unverkennbar.Wie aber kommt Kastor , der ja wie sein Brudermit Herakles auch sonst verbunden erscheint,an die Seite des befreiten P. ? Der von Schü-mann zu Asch. Prom. S. 139 ff. herangezogeneUmstand, dafs nahe dem Fufs des Kaukasus eine Stadt Dioskurias lag, für welche Dios-kurenkult anzunehmen ist, bietet kaum einebefriedigende Erklärmig. Zieht man dagegen 3die im Altertum so häufige Gleichsetzung derDioskuren mit den Kabiren, welche auf jenenSpiegeln auch mehrfach Vorkommen ( MicaliStoria p. 86 sq.; auch auf Münzen von Syros sind sie ganz dioskurenartig gebildet: Müller,Handb. d. Arch. § 395, 5), in Betracht underinnert sich der oben Die erörterten nahenVerbindung zwischen den Kabiren und P. inBöotien und auf Lemnos , so wird das Erscheinendes Castur an der Seite des Titanen, so sin- 4gulär es ist, weniger befremden. Nach dem,was oben über die pelasgisch - tyrrhenischeHerkunft des P. und der Kabiren gesagt ist(vgl. dazu Milchhöf er, Anf. d. K. i. Gr. S. 108 f.und über die Beziehungen der etrusk. zur vor-hellenischen Kunst ebenda S. 208 ff, fernerTh. Sehaefer im Progr. der Handelsschule zuBremen 1901 S. 21), wird es auch nicht alsrein zufällig anzusehen sein, dafs wir geradeauf tyrrhenischem Gebiet einem Kunstwerk be- 5gegnen, das beide vereinigt zeigt. So bestätigtauch hier die Archäologie das Ergebnis dermythologischen Untersuchung. Vielleicht hatG. Haupt (am zu 8 a.O.) Recht, wenn er, gestütztauf dies Bildwerk, dem Kastor eine Rolle im ngog.Ivögsvog des Aeschylus zuweist. In der That warniemand geeigneter als er, die Verhandlungenüber den stellvertretenden Tod des Chiron zuführen. Sind die Ringe in den Händen desKastor und Herakles vielleicht samothrakische?

10. In diesem Zusammenhänge sei nocheines merkwürdigen Bildes gedacht, welchesWelcher, Asch, Tril. S. 2611F. als Darstellungder lemnischen Kabirenweihe ansprach.Es ist ein roh ausgeführtes schwarzfigurigesVasengemälde, nur in der Zeichnung erhalten,die zuerst von J. Christie, Disquisitions uponthe painted greeh vases London 1806 und 1825

Prometheus (in d. Kunst) 3096

pl. 9 p. 64 ff. veröffentlicht und bei Welchera. a. O., Elite ceramogr. 1 , 51, Guigniaut, rel.de lantiq. 131, 237, Heinicke, Orchomenos Taf. 3,Creuzer , Symbolik 3 3 , 1 Taf. 2, 7, sowie bei0. Jahn, Ber. d. scichs. Ges. d. Wiss. 1867Taf. 5, 3, Blümner, Technol. 4 S. 365, teilweiseauch bei Haremberg et Saglio 2, 2 Fig. 2965wiedergegeben ist. Die Vase selbst war schonvor 1824 zu Grunde gegangen. Die uns hiervornehmlich angehende sitzende Figur, überwelche ein Priester mit Handauflegung eineFormel zu sprechen scheint, stellt nach WelchersErklärungden neuen Prometheus (d. h. denNeophyten der lemnischen Mysterien) vor, aufeinen Felsensitz gefesselt, den rechten Arm überdem Kopf an die Wand befestigt, die andre aneinen Stab geschlossen, welcher zugleich dieBeine auseinanderhält ( noSoargaßr] ). Am andernEnde entfernt sich der Hephaistos oder Kabirmit dem Hammer, welcher diese scheinbare Qualins Werk gesetzt hat. Eine weibliche Figurstellt vielleicht die Kabiro vor. (Offenbar falschist hier nur W.s Beziehung desKrater aufkabirische Trinkgelage; der Kessel steht aufeinem Schmiedeofen, wie mehrere ähnliche Bilderbeweisen.) Oben hangen Schmiedewerkzeuge.Obgleich diese Deutung des Bildes nicht nur vonGuigniaut und Creuzer , sondern auch von 0.Müller in seiner Rezension anerkannt wurde undes diesem danach ausgemacht schien, dafs man inLemnos die Prometheussage in den Kreis gottes-dienstlicher Gebräuche gezogen habe, widerriefWelcher in derGütterlelire Bd. 3 (1862) S. 183die noch im Nachtrag zur Tril. S. 14 f. auf-rechterhaltene Ansicht, ohne doch Gründe oderüberzeugendere Vermutungen anderer vorzu-bringen. Die von ihm eiwähnten Deutungende Wittes Elite ceramogr. 1 p. 154 sq. (derSitzende ein Gesell des Hephaistos im Aetna ,der sich den Schweifs abtrocknet!), von QuastsArch. Ztg. 1846, 4, 309 (Belebung einer Statuedurch Hephaistos ), Berghs ebenda 1847, 5, 48(Schaffung des ehernen Talos) und Feuerbachsin Cottas Kunstblatt 1844 nr. 87 (= Kunstgeseh.Abh. S. 56 f. Der Sitzende dient als Modellfür die zu giefsende Statue) weist Welcherselbst als unhaltbar zurück. Vgl. noch WelcherA. H. 3 S. 623 und 0. Jahn a. a. 0. S. 102 ff.,der über die Deutungsversuche referiert, ohneselbst eine Vermutung zu wagen.

11. Dem strengeren Stil gehören ferner nochmehrere Gemmenpasten italischer Arbeit an,die den P. (bärtig, von den Hüften abwärtsbekleidet) auf dem Felsen sitzend mit in derHöbe angefesselten Armen darstellen; Herakles steht ruhig vor ihm und scheint mit geneigtemHaupte den Worten des Titanen zu lauschen,ähnlich wie auf dem oben besprochenen etrus-kischen Spiegel nr. 139: Gades 3 A 224; Ber-liner Invent. 780 (S. 1733 a), 781 (S. 1733), 782,783 (S. 1832). Vielleicht gehen alle diese Bilderin letzter Linie auf das olympische Gemäldedes Panainos (s. Sp. 3083) zurück. Nichtganz sicher auf P. zu deuten ist wegen derstarken Korrosion die Paste Berl. Inv. 1385(frührömisch, 3. oder 2. Jahrh. v. Chr.); der inknieender Haltung Gefesselte hat, wie esscheint, den Adler an der Seite.