Jo. Gerhard Voß
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§ 25
unteren oder oberen Hemisphäre befindet: in jener soll er Persephone , in dieser De-meter sein (I 445). Auch philosophische Deutungen gibt Voß, der sein Werk ineinen philosophischen Rahmen eingespannt hat, gern; wie er sich aber in der Dis-position mit dem mittelalterlichen, oberflächlichen Schematismus begnügt, so stehenauch seine symbolischen Erklärungen hinter denen Bacons weit zurück. Daß Leto dievor dem Erscheinen des Lichtes ungeordnete, 'verborgene’ Materie (II 306) und PanUniversitas naturae vel opifex mundi (II 368) sein soll, gehört noch zu den minderplatten Auslegungen. Folgt in dem bisher Angeführten Voß den antiken Deutungen oderw enigBtens dem ihnen zugrunde liegenden Prinzip, so hat er darum das Neue, wasdie frühchristliche Literatur hinzugetan hat, nicht verschmäht. Auch er glaubt aneine ITrotfenbarung, die sich nicht halten konnte, weil die Menschen nur glaubten,"as sie sahen, und nur verehrten, was sie glaubten, und an deren Stelle deshalb teilsIrreligiosität, teils, von den Sehern gelehrt, Aberglauben, die Verehrung körperlicherGötter, trat (I 305 u. oft.). Da diese verlorene oder verderbte erste Offenbarungnatürlich nicht genügte, um den auch von Voß angenommenen Wahrheitskern desgriechischen Götterglaubens zu erklären, so setzt er neben sie eine nachträgliche Mit-teilung der geoffenbarton Wahrheit. So soll z. B. Platon in seiner Dämonenlehre mitdem Christentum so nahe übereinstimmen, daß die Annahme einer Entlehnung ausder noachitischen Überlieferung unabweisbar sei (157). Neben den Resten der ge-°ffenbarten Wahrheit findet aber Voß auch diabolische Elemente im Heidentum.Auch er nimmt mit einzelnen Kirchenvätern an, daß sich die abgefallenen Engel alsGötter verehren ließen. Er rechnet zu ihnen Typbon, Ahriman und in gewisser Be-ziehung selbst Apollon (II 365). — Indem Voß alle diese verschiedenen Richtungenauf sich wirken ließ, wurde seine Mythendeutung zwar sehr reichhaltig, aber derWahrheit ist er im ganzen nicht näher gekommen, und auch an seinen Vorgängerngemessen, erscheint er nicht in günstigem Licht. Schon der Eklektizismus, den Voßnicht zuerst, aber am konsequentesten vertritt, ist methodisch ein Rückschritt: dennso falsch auch die Voraussetzung ist, daß je _ein einziger Schlüssel all die mannig-faltigen Geheimnisse des Mythos eröffnen könne, so waren die einseitigen älterenSysteme wenigstens richtige Folgerungen aus der falschen Prämisse. Voß gab zwardiese auf, aber damit zerstörte er die Stütze, auf der sein ganzes System ruht. SeineAuswahl ist bare Willkür. Aber er geht noch weiter. Er wählt nicht nur bei derErklärung verschiedener Mythen bald diese, bald jene Erklärungsart aus, sondernkombiniert die verschiedenen Erklärungsarten bei demselben Mythos. Nur eineRichtung, deren Ziel war, alles allem gleichzusetzen, konnte auf den Gedankenkommen, auch diese Gegensätze der Mythendeutung zu vereinen. Denn auf eine Ver-enigung, nicht auf eine bloße Nebeneinanderstellung hatte es der starre, vor keiner°nsequenz zurückscheuende Systematiker in der Tat abgesehen. Originell aber warauch hier nicht. Vorzugsweise bediente er sich des Mittels, das die Sitte der Kaiser-nsekrationen den My thologen des ausgehenden Altertums ermöglicht hatte, Euherae-rismus U11 d Symbolismus zu vereinigen. Die Menschen sollten bei ihrer Vergötterung®chon bestehenden Gottheiten gleichgestellt sein, z. B. zwei Jungfrauen, Hekate (1448)nn d Britomartis (I 135; vgl. 431), der Mondgöttin Artemis.
# ^ ate beziehen Bich auf die Ausgabe De theologia gentili \ et \ physiologia Christkind j
e origine ac progressu idololatriae. Amsterdam 1642. 4°. Die erste Auflage von 1641 soll
Q r » P P e. Q«schichte der Mjthologi« 4