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Studien über den Einfluss der Erdwärme auf die Ausführbarkeit von Hochgebirgstunneln / von F. M. Stapff
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F. M. Stapfe:

Einer jeden Isothermenkarte kann man die hohen Temperaturgradeentnehmen, unter welchen tropische und subtropische Völker leben.Beispielsweise seien die klimatischen Verhältnisse von Batavia (6° ll'S. Br., 8 m ü. M.) angeführt, wo im Verlauf des Jahres der Dunstdruckzwischen 19-7 und 21-8 mm , die relative Feuchtigkeit zwischen 78-9und 88-1 %, die Lufttemperatur (Mittel: 26-0°) zwischen 20-8 und 33*0°schwankt. Die an sehr hohe Temperaturgrade gewöhnten Eingeborenenmachen sich die Hitze durch möglichste Verminderung körperlicher An-strengung erträglich; in der That ist die an Südländern so vielfach ge-tadelte Faulheit eine Bedingung für ihre Existenz. Die Acclimatisation vonEuropäern in Batavia ist immer mit Schwierigkeiten, häufig mit Lebens-gefahr verknüpft, und ich habe gehört, dass dort einmal acclimatisirteEuropäer fast ohne Ausnahme wegsterben, wenn sie nach längerem Aufent-halt in Europa wieder nach Java zurückkehren.

Als ungewöhnlich hohe Temperaturgrade ausserhalb der Wendekreiseseien jene erwähnt, welche verflossenen Winter in Südaustralien herrschten.Im November 1878 soll die Temperatur in Neusüdwales (2930° S. Br.)4547'5°, im Februar 1879 in Gippsland (Victoria), unter ungefähr37 l j 2 ° S. Br., 35° im Zimmer, 51 -25° C. in der Sonne erreicht haben.Ausser Wegtrocknen der Viehweiden und Buschfeuern veranlasste dieungewöhnliche Hitze Sonnenstiche unter den Eingewanderten. 1

Beim Bau der St. Louis- und South-Eastern-Eisenbahn, wo ich imJahre 1870 als Assistent des Oheringenieurs beschäftigt war,*erlagen imJuli und August von etwa 300 zwischen dem sumpfigen Missisippi-bottom und Belleville beschäftigten Arbeitern gegen 16 dem Sonnen-stich. Die höchste um jene Zeit zu Belleville (ungefähr 39° N. Br.) be-obachtete Temperatur betrug 40°; fast alle betroffenen Arbeiter warenneueingewanderte, also noch nicht acclimatisirte, Irländer. Obwohl ichfast täglich vom Morgen zum Abend auf der Linie arbeitete, spürte ichwährend des Baues kein Unwohlsein, und erst nach Beendigung desselbentrat im October hartnäckiges Wechselfieber ein, welches nicht eher wich,als bis ich die Gegend verliess, und nach dem nordmexikanischen StaatNuevo Leone (25° N. Br.) als Ingenieur der Vallecillo-Silvermining-Comp.gieng. Bei einer Sommertemperatur von (Mittags) 38 940 6° arbeiteten

1 Im Mai 1877 hatte Hr. Babuehin in seinem Arbeitszimmer in Oberegypten38-75, im Hofe seiner Wohnung oft 52-5° C. {Dies Archiv. 1877. S. 273.) Hr.Nachtigall hat auf seinen afrikanischen Reisen eine Schattentemperatur von 49-4ausgehalten, allerdings bei sehr trockener Luft, und nur mit grösster Beschwerdeund tiefer Herabsetzung der Leistungsfähigkeit auch seiner eingeborenen Begleitung.

[E. d. B.-R.]