Band 
Erster Band.
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römische. Zur richtigen Beurtheilung des Wenigen, was unsvon burgundionischer Kunst erhalten ist, muss aber die Kunst-entwicklung bei den Germanen überhaupt in’s Auge gefasstwerden.

Wie die germanischen Völker eine eigentümliche, wenngleich unentwickelte Civilisation hatten (S. 190), so besassensie auch beachtenswerte Anfänge der Kunst. Wurde diesebei ihnen anfänglich nur in roher Malerei, Holz- und Stein-sculptur geübt, so änderte sich dies infolge der Völkerwan-derung , welche das germanisch - barbarische Element in dierömische Kunst einführte und dadurch entwickelte, zugleichaber auf letztere umgestaltend einwirkte und ihr ein ent-sprechendes Gepräge aufdrückte.

Wir finden nemlich in der spät- und nachrömischen Zeiteinen fremdartigen Kunststyl herrschend, der sich durch reicheVerzierung an Bändern, Streifen, Kreisen und blätterähnlichenWindungen, vornemlich aber durch die Vorliebe für einOrnament charakterisiert, welches in seinen mannigfachen,symmetrischen Verschlingungen gleichbreiter Bänder anSchlangenwindungen gemahnt, oft sogar sich zu Schlangen-und Drachengestalten belebt, wenn jene Bandverschlingunge 11von Schlangenköpfen oder Draehenkörpern auslaufen 1 . Ein-faches Bandschlingwerk weisen vorerst die spärlichen Orna-mentsculpturen aus frühmittelalterlicher Zeit auf. In Italienfinden wir derartiges Schlingwerk am obern Eriese des Grab-mals Theoderichs des Grossen zu Ravenna 2 . In ehemaligenburgundionischen Landen zeigt sich solches an den wenige»Gesimsstücken, die von der angeblich zu Anfang des 6. Jahr-hunderts restaurierten Kirche St. Beters „ad vincula“ zu Gentunter dem Eussboden des jetzigen Doms gefunden wurden 3 -

1) Blavignac in MDG. VII. 7 f. und AS. S. 401 bezeichnet erstereOrnamentgattung, das einfache Bandschlingwerk, als entrelacs ornementhinsofern unpassend, als auch die letztere, das belebte Bandschlingwerk, zuornamentarischen Zwecken diente; diese heisst ihm entrelacs oriental, w 1 *welchem Rechte, werden wir später sehen.

2) Krieg v. Hochf. S. 138 N. 2 und Rahn in Berichte d. aritiq-Gesellsch. in Zür. I. 28.

3) Blavignac in MDG. VIII. 3 f. mit PI. II. 5 und Krieg S. 139 K-Letzterer hat das Datum „am Ende des 5. Jahrhunderts“; dagegen steht