87
Niederlage mit ihren verderblichen Folgen wird von Grandobadin der Lex Burgundionnm mit dem Ansdrucke tempus excidii
übrigens nur von einem offenen Bündnisse Godegisels mit den Frankenund weiss von Yerratb Nichts, den doch Avit.us Ep. 5 mit den Wortenmilitavit, cum serviret, vobis nescientibus periculum gentis Ma-rius mit dolose maehinari andeutet, indem er sagt: pugna facta estDivione inter Francos et Burgundiones, Godegeselo hoe dolose contrafratrem suum Gundobagaudum machinante; denn hätte die Schlacht beioffenem Bündnisse Godegisels mit den Franken, nicht bei hochverrätherischemEinverständnisse desselben mit dem Feinde stattgefunden, so würde Mariusnicht sagen, Godegisel habe die Soblacbt durch einen hinterlistigen An-schlag veranlasst. Als das Werk des Verraths, nicht eines offenen Bünd-nisses ist daher zu verstehen, was bei Marius folgt: In eo praelio Gode-geselus cum suis adversus fratrem suum cum Francis dimicavit. In derinterpolierten Passio S. Sigismundi, welcher die Einschlüsse in obigemTexte angehören, ist der Verrath, im Widerspruche mit dem übrigen Textedurch das Einschiebsel fraudulenta belli factione angebracht. Die Dar-stellung der ächten Passio kann jedoch gegenüber Marius und Gregor vonTours keine Geltung beanspruchen, zumal da dieselbe aus oberflächlicherAuffassung von Marius und aus einer Missschreibung bei Gregor a. 0.geflossen scheint. In der Stelle Gregors: moventesque simul hi tres exer-citum, id est Chlodovechus contra Gundobadum et Godegiselum, habenuemlich einige HSS. Godegiselus, was Ruinart S. 85 f. mit Rücksicht aufden noch nicht entdeckten Verrath Godegisels (vgl. Gregor im Ff.) mitliecht verwirft. Jedenfalls bezieht sich aber die angeführte Stelle derPassio auf den Krieg von 500, wie Ilenschen S. 88 N. g. richtig urtheilt;über einen unhistorisohen Missbrauch der Stelle s. I. 544 N. 1. Die Gesta Fr.o. 16, Hincmar Vit. S. Remigii bei Du Chesne SS. HFr. I. 529, FlodoardI, 15 S. 41 a, Rorieo bei Du Chesne a. 0. I. 810 und Hermannus Contr.a. 498 (von 2. Hand) wissen ebenfalls Nichts von Godegisels Verrath)lassen ihn vielmehr von Chlodwig zugleich mit Gundobad geschlagenwerden. Aimoin GFr. I, 19 spricht bloss von einem Abfalle Godegisels zuChlodwig. Vergl. Valesius Rfr. VI. 276 und Türk III. 103. Neueregeben im Sinne Aimoins und Roricos (s. ob.) die Rachsucht Cklotildesals Ursache des Krieges an; so z. B. Petau I, 7, 2, Valesius Rfr. VI, 272,Dubos IV, 10 T. III. 208 f., Pötigny II. 464. 489 und Bornhak S. 208. 222,der Wühlereien einer catholischen Partei in Burgundien als anderseitigesMotiv hinzunimmt. Es fehlt auch nicht an anderen Meinungen: Einerfügt dem Motive der Rache Chlotildes hei, sie habe die Herausgabe einesReichstheils verlangt, Godegisel seinerseits habe gleichen Aütheil am Reichebeansprucht, zudem sei Chlodwig durch seinen Ehrgeiz und durch Aergerüber ein Bündniss Gundobads mit Alarich zum Kriege getrieben worden(Gollut III, 6 eol. 282 f.); ein Anderer spricht vom Ehrgeize Godegiselsund von der Rachbegierde Chlodwigs, resp. Chlotildes (Guichenon I. 14);