berührt 1 . Von unglücklichen Gefechten, welche GundobadsHeer auf dem südlichen Rückzuge von Dijon bestanden habe,
ein Dritter setzt voraus, Godegisel habe einer Behandlung von SeiteGundobads, wie sio Chilperich II und Godomar widerfahren, zuvorkommenwollen (Dubos IV, 10 T. III. 212), Chlotilde aber habe ihrerseits zumKriege angercizt und die catholische Geistlichkeit Burgundiens für dieFranken arbeiten lassen (Dubos IV, 12 T. III. 251). Weitere Meinungensind: Chlodwigs Eroberungssucht habe die Rache Chlotildes nur zumVorwando benutzt (Vögelin-Escher I. 13); Chlodwig habe als MitgiftChlotildes Genf, Lausanne und dio übrigen Länder Chilperichs, ihres vonGundobad ermordeten Vaters, herausverlangt, jener aber die Herausgabeverweigert (Daguet S. 34); Godegisel habe im Einverständnisse mit Chlotilde,seiner Nichte, Chlodwig zu Hülfe gerufen (0. Henne I. 37); Godegiselsei zum Verräther geworden, weiter den Zorn Chlodwigs, als des Rächers fürChlotilde, gefürchtet habe (Bornhak S. 223). Dieses Alles, ausgenommenwas Godegisels Ehrgeiz und hochverrätherisches Einverständniss mitChlodwig, sowie des Letztem Eroberungssucht und die seinen Zweckendienende politisch-kirchliche Agitation in Burgundien betrifft, ist in dasGebiet der Fictionen und Irrthümer zu verweisen, durch welche die Ge-schichte Burgundiens entstellt ist. Godegisels Verrath speciell betreffend,missdeutet Binding I. 143. 151 (N. 520). 154 ff. 157 f. 280, ohne Kenntnissder vorangeführten Stelle des Avitus, die Collatio (an der oben angeführtenStelle) und Marius a. 500 in dem Sinne, dass Gundobad schon geraumeZeit vor der Schlacht bei Dijon um ein Bündniss Godegisels mit Chlodwiggewusst, und Godegisel in dieser Schlacht mit den Franken seinem Bruderoffen gegenüber gestanden habe. (Ersteres schon bei Mascou H. 21 N. 16,Letzteres bei Gollut III, 6 col. 283 und Guichenon I. 14, wol nur nachder vorbemerkten Missschreibung bei Greg. Tur. HFr. II, 32.) Gundobadkonnte aber von den Aufhetzungen Chlodwigs und von der ungünstigenStimmung seines Bruders wissen, ohne dass er ihn des Verraths fähig hielt(Bünau I. 610 a., Gibbon c. 38, Türk III. 109 f. und Pötigny II. 471)-Den Anfang des Hochverrathsplans setzt Ruinart Annal. Fr. schon in’sJ. 498, weil er die Schlacht bei Dijon schon im J. 499, um ein Jahr zufrüh, vorgcfallcn glaubt; jedenfalls war aber das hochverrätherische Ein-verständniss Godegisels mit Chlodwig zur Zeit der Collatio (499) schon imWerden begriffen.
1) LB. Tit. 107 § 4 = Addit. II § 4. Sonst schreibt man das sogen.Additamentum II Godomar zu und bezieht jenen Ausdruck auf die Nieder-lagen, welche die Burgundionen unter Sigismund (523) oder unter Godomar(524) erlitten. (Erstere Deutung bei Binding I. 260 (N. 898) 261, letzterebei Gaupp S. 295 = Matile S. 8 und Crousaz S. 15. CancianilV. 40 N. 1denkt an beide Niederlagen. Türk II. 35 schwankt zwischen der 1. undder 2. Siehe dagegen Bluhme WBRR. S. 84 f. und BRA. S. 217. 228 f-,