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Ueber die Einführung allgemeiner Masse, Gewichte und Münzen : mit Angabe der wichtigsten in dieser Beziehung gemachten Vorschläge und ihrer Beurtheilung; nebst einer gedrängten Uebersicht der unternommenen Breitegradmessungen / von Dr. Karl J. Kreutzer
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in der Bibel anbefohlen *), was natürlich das Vorhanden-sein bestimmter Maße voraussetzt. Die Juden drückten denmit dem Originalmaße verglichenen und richtig befunde-nen Maßen einen Buchstaben oder ein Zeichen auf, wor-nach sie Maße des Bichters hiessen. Sie bewahrten dieNormalmaße in ihrem Tempel auf, daher die in derSchrift so häufigen Ausdrücke: Maß des Heiligthums,Seckel (d. i. Gewicht) des Heiligthums; wozu noch für dasNormalgewicht der Ausdruck königliches Gewicht kommt.In Griechenland finden wir nur zwei Grundmaße, daseine für die attischen Maße, welche im Peloponnes undin Attika gebräuchlich waren, das andere für die pythi-schen, deren man sieh im ganzen nördlichen Theile Grie-chenlands, in Mazedonien und Thrazien bediente. In Athenbefanden sich Normalgewichte in der Münzstätte, wahr-scheinlich in einer Kapelle des Heros Stephanephoros * 2 ).und auf der Burg waren zwölf eherne Gewichte, welcheder Staat hatte berichtigen lassen 3 ). Die Athener hattenfünfzehn Personen bestimmt, welche [ifaQovojjioi (Bewahrerder Maße) hiessen, und die Bewachung der Original-maße sowie die Aufsicht über die Aichung zu besorgenhatten; man fertigte nämlich nach den Mustermaßen ge-regelte Maße und Gewichte (cnpiai^ar«) an, vertheilte siean Behörden und Privatleute, und liess sie, wie auf derBurg, so in der Skias, im Piräus, in Eleusis niederlegen 4 ).Die alten Börner hatten in ihrem ganzen Beiche einer-lei Maße, das Grundmaß hiess bei ihnen mensura, Mußvorzugsweise, weil alle andern Maße mit ihm überein-stimmen und darnach geregelt sein mussten. Sie bewahr-ten die Originalmaße im Tempel des Jupiter am Kapitoleals eine heilige und unverletzliche Sache auf, daher sieauch die kapitolinischen (capitolin) genannt wurden 5 ).

') Levit c. 19 v. 35 u. 36, Deut. c. 25 v. 13., 14., 15. Prov.Salom. e. 11. v. 1., c. 16. v. 11., c. 20 v. 10, 23., Ezech. 45. 12.und a. a. O.

2 ) Corpus inscriptionuin graecarum ed. Aug. Boeckhius. Berolini1828. Fol. Vol. I. N. 123.

3 ) Ibid Nr. 150, 151.

") Ibid N. 123.

s ) Man sehe die Noten von Wernsdorf und Lemaire zu Pris-eiani (vel ßhemnii Fannii) Carmen de ponderibus et mensuris inPoetae latini minores ed. Lemaire. Parisiis 1825 Vol. IV.