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der regsten Phantasie ermatten, würde er nicht von Zeitj^ zu Zeit, durch den Anblick der Werke begeistert, die vonMeistern der Kunst hingcstellt sind, als nachahmenswcrthcVorbilder für alle kommenden Geschlechter der Künstler,die hier lernen und finden sollen, was Jahrhunderte auf-gebaut, und treu fortgebildet einer empfänglichen dankba-ren Nachwelt, nicht nur als Richtschnur des ächten Ge-schmacks, sondern auch zur weiteren Fortbildung hinter-lassen haben. Denn ein ewiges Naturgesetz gestattet auchin der Kunst kein Stehenbleiben, und das stets Fortgebil-dete geht von Hand zu Hand durch ganze Geschlechter.
Das Gebiet der altdeutschen Baukunst und Ornamen-tik ist gross, und fast unübersehbar. Herz und Auge wirdhier angenehm berührt, durch Harmonie und Tiefe derGedanken die Phantasie begeistert, die hier überall, denunerlässlichen Trägern dieser Kunst, der Schönheit,der Würde begegnet, und wie die Baukunst die ältestealler Künste ist, die von den einfachsten Anfängen aus-gieng, wie der rohe Baumstamm dem ersten Menschenge-schlecht als Säule diente, sein Laub die erste Idee einerVerzierung weckte, und wie endlich an dem Formcnwcch-
sel dieser Kunst, an ihrem periodischen Culturgang, amersten der Geist der Völker und ihre Uebergangsperiodenzu erkennen sind, so ist auch eine figürliche und schrift-liche Behandlung dieses wichtigen Gegenstandes die wür-digste Aufgabe fur den Künstler, und sie ist es, die auchmich bestimmt meine „Ornamentik des Mittelalters,“ an derich vierzig Jahre lang gesammelt und gearbeitet, so langefortzusetzen, als mir die Vorsehung Leben, Kraft, undGesundheit verleihen wird. In diesem Werk soll der Künst-ler eine unversiegbare Quelle für seine Studien finden, cswird ihn vor Missgriffen bewahren, seinen Geschmack läu-tern und rein erhalten von den Thorheiten einer über-spannten krankhaften Kunstperiode, wann und wo dieseauch auftauchen möge.
Ich aber betrachte mein Werk als ein gut gemein-tes Legat, das ich der Kunst hinterlasscn will, der ich allmein Lebenlang mit Lust und Liebe ergeben war und esbleiben werde, bis mich einst der grösste Baumeister vonmeinem Wirken und Schaffen abruft. Möge mein redlichesBestreben für alle Zeiten seegensvolle Früchte tragen.
C. Heideloff.
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