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Der allgemeine Beifall, mit dem meine „Ornamentikdes Mittelalters“ im In- und Auslände, ja auch jenseitsdeutscher Marken aufgenommen worden ist, hat mich er-muthigt, dieses Werk bis zum dritten Bande fortzuführen,mit dem es jedoch keinesweges abgeschlossen seyn soll.
Sehr erhebend musste es mir, dem deutschen Künst-ler seyn, zu sehen, dass deutscher Baustyl, den ich vonJugend auf mit glühender Liebe hegte und pflegte, diesenstarken Anklang gefunden, dass es dem Künstler, wiedem Kunstfreund aller deutschen Volks-Stämme Emsiwird, sich mit Liebe, mit Wort und That, der deutschen,so wie der byzantinischen Baukunst zuzuwenden, undjene grosse Zeit zurückzuführen, in der deutsche Bau-kunst in Europas herrlichsten Tempeln und profanen Bau-ten ihre Verherrlichung fand, bis durch die unseligen Folgender Religionskriege, durch die geschmacklosen Moden, durchdie Perriicken unter Frankreichs Königen, durch die Zöpfeunter deutschen Fürsten der Geschmack gänzlich verdor-ben, und altdeutscher Styl aus allen Bauten dieser Zeitverdrängt wurde.
Aber diese Usurpation währte nicht lange, mächtigregte der nur niedergehaltene Genius deutscher Kunst die ge-waltigen Schwingen wieder, und auf der Bahn, die der Fort-schritt, Geschmack und das beleidigte National-Gefühl sichsiegreich brachen, flog er siegreich voran, seinen Getreuen
die rechte Bahn bezeichnend, von der sie nun nie mehrabweichen sollten, verscheucht wurde der Vandalismus,und seine Unbilden von einer unermüdlichen Nachkommen-schaft möglichst gut gemacht, der es Emst wurde, ihrerVorfahren heiliges Erbe vor weiteren Angriffen zu schützenund zu erhalten. Der Deutsche sah mm ein, wie seineBaukunst bisher nur unwürdige Dienerin sinnentbchrenderModen und monströser Aftergeburten des Auslandes ge-wesen; denn es ist erwiesen, keine Nation, hat ihren eige-nen Baustyl so rein und unvermischt als die deutsche, keinanderer ist so rein durchdacht, so allseitig durchgebildet,so gefällig, so poetisch für Auge und Gemüth.
Zwar, so wenig der Maler der Nachahmung der Na-tur entsagen kann und darf, ohne sogleich in seinen Lei-stungen dem Unwahren zu verfallen, eben so wenig kannder Baukünstler die Nachahmung der Werke seiner grossenVorfahren aufgeben, aber auch hier muss die Kunst ihreangestammte Würde und Freiheit bewahren, nie darf dieseNachahmung in gemeines sclavisches Nachbeten Umschla-gen, auch vor dem grössten Vorbilde stehend, muss derselbstschaffende Genius noch Raum finden, das hinzustel-len, w 7 as er begeistert von dem grossen Vorbilde selbstgedacht und hervorgerufen.
Denn selbst der begabteste Künstler müsste endlichStift und Pinsel muthlos hinwerfen, und der Flügelschlag
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