Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
23
JPEG-Download
 

23

Antheil an mir nahm: „Nicht wahr, Sie kommen nicht wieder?"Ihren bisherigen Planmäßigen, auf meinen Charakter nur zu richtigberechneten Mißhandlungen folgte das schriftliche Anerbieten einer Pen-sion bis auf weitere Versorgung nach. Eine Pension, dem Manne,dem sie nichts, gar nichts mit Sachbcstand vorzuwerfen hatten, demsie einen Dienst von 1000 Thalern, zehnjährige Dienstehrc, alle späte-ren Früchte zehnjähriger Dienste und echt jugendliche, nur allzu un-eigennützige Attachemcnts — und den Frieden seiner Seele geraubt,und 600 sl. und alles frei für immer mit Brief und Siegel zugesicherthatten! Und ließ sich denn von Menschen, die gegen Brief und Siegelund die wärmsten Versicherungen so unverschämt handeln konnten, einePension init Sicherheit nur annehmen? ließ sich von solchen Knickernnicht erwarten, daß sie schon im ersten Jahre nach der weiter» Versor-gung fragen und im zweiten Jahre zu zahlen aushörcn würden? Undwas kostet es nicht den Mann von Ehre, im Gefühle der besten Lebens-jahre und seiner Kraft, eingedenk glücklicherer Verhältnisse, Menschennm Pension anzusprechen, die er verachtet und dünnt jedesmal das ge-hässige Andenken derselben in sich erneuert? „Ich müßte ja selbstwünschen, einen Ort nicht wieder zu sehen, der mir äußerst ennuyantsein müsse, und an guten schriftlichen Zeugnissen, um desto leichtereinen andern Platz zu finden, solle es nicht fehlen" — so motivirte derweibliche Minister den unwürdigen Antrag!

Statt aller Antwort entschloß ich mich, gestählt durch zweimonat-liche Entfernung und durch den Umgang wohlwollender Freunde undguter Menschen, neuerdings das Fegefeuer zu bestehen, das mir meinSchicksal zur moralischen Läuterung bestimmt zu haben schien. Siewaren verlegen — und ich erwartete in stoischein Gleichmuth das Wei-tere. Von allen Journalen, die der Hof zahlte, Regent Tante Linchenaber wie Gnaden austheilte, erhielt ich bloß noch, nicht ohne Bedeutung,das Journal Frankreich. Der weibliche Heros bezeugte große Freude,daß Bonaparte nicht nach Mainz komme, um den Scandal der Auf-wartungen deutscher Großen nicht erleben zu müssen; die Aufwartung,die ihr regierender Bruder dem Manne gemacht hatte, dessen Namedamals aller Welt imponirte und ganz Europa Gesetze gab, war ihrein Gräuel ohne Gleichen. Sie meinte, es sei der Königin von Preußenunvertilgbarc Schande, von Madame Bonaparte eine Garnitur Brüs-seler Spitzen angenommen zu haben. — Solche Ansichten, nebst vielenpolitischen Neuigkeiten, die vierzehn Tage lang die Tafel würzten, hattesie von einem kleinen benachbarten Höschen ganz frisch mitgebracht und