Unglück nichts weiter sein, als eine am Ende zu lösende Verlegenheitoder kleine Demüthignng, wie bei Sancho, der Nachts in der Grubemit Händen und Füßen sich anklammert, schrecklich janimcrt und beianbrechendem Tage sieht, daß er nur hätte auftreten dürfen. Was derTod im Trauerspiel, waren sonst im Lustspiel Prügel, wie bei Mo-liöre und Hvlberg, und noch heute lachen sich alte Soldaten halb todt,wenn ein Rckrute bei fünfundzwanzig schreit oder gewaltige Bewegungenmacht; in Wiener Kasernen hörte ich lachend sagen: „Js halt noch aJungfer!" Die vornehme Welt, die selten weiß, was Unglück ist,schreit schon über Unglück, wenn sie mit vier Matador und einemTrumpf Codille verliert, ein Kaffceflecken auf einen Shawl fällt, oderein Spitzer! das Bein bricht; die Kokette ruft Zeter, wenn der Wagenzerbricht und die Komödie schon zu Ende ist, ehe sie ankommt, oderRegenwctter ein Rendezvous stört — und der Stutzer, dem die Buh«lerin untreu wird, hält sich für den Unseligsten auf Erden. SolchesUnglück hat wenig zu bedeuten, folglich sind die Bockssprünge desSatyrs darüber die unschuldigsten Bockssprünge von der Welt.
Bei Gegenständen, wobei bloßer Zufall Nachtheile herbeiführt, istzwar das Lachen immer undelikat, jedoch nicht unmoralisch. Wenn jenerjunge Geistliche, der zum ersten Mal zur Beicht sitzt, es für eine schlimmeVorbedeutung hält, daß sein erstes Beichtkind gerade die erste H...der Stadt sei, und bald darauf eine stattliche Dame in die Gesellschafttritt und ihm sagt: „Ich bin Ihr erstes Beichtkind gewesen," wermüßte da nicht lachen? Homer läßt seinen Ajax im Wettlauf mitUlysses nahe am Ziel in Dreck fallen, und alle Griechen lachen; selbstbei der Todesseier des Anchises, als Gyas seinen alten SteuermannMcnestes über Bord wirft, der sich auf einen Felsen rettet, lachenVirgils Trojaner:
IIIum et Iskentem l'siicri, «t ris»rv NLtankvin,
Lt sttlsas riclsur rsvornaateva peedvrs üaaeus. *
Die Neugierde und die Lust, sich zu amüsircn, verschlingt selbstbei recht tragischen Dingen Mitleid und Theilnahme. Eine Hinrich-tung ist dem Pöbel so viel als ein Trauerspiel, selbst das Bombarde-ment von Mainz 1794 war nicht minder ein Schauspiel für Leute mitRoß und Wagen. — „Es sollte mich doch ärgern, wenn wir vergebenshergefahren wären," sagte eine Dame — jetzt unterbrachen hundert
t Fallen sah'n lbn die Teukrer und lachten, als er dahin schwamm,
SttS er die salzige Flut anS der Brust laut schnaubend binauSstieh.