Veilchen und die unscheinbare Reseda mit ihren Wohlgerüchen nebe»der prahlenden Lilie und Klatschrose, und neben der geruchlosen Tulpe:und solche bescheidene Blümchen haben mich wieder reichlich für jeneNiirrchen im Großen entschädigt. Der größte Meister des Contrastck, ist Cervantes. Wenn die wahre Geisteserhabenhcit Don Qnixote'eschon komisch contrastirt mit seiner fixen Rittcrschaftsidce, mit seinemarmseligen Schlachtroß und seiner noch armseligern Rüstung, so vollcudet erst Sancho Pansa das Ganze. Der Ritter groß und hagerder Knappe klein und dick, der Ritter tapfer, großmüthig, freigebig,gelehrt und höflich, der Stallmeister heimtückisch, scig, eigennützig,unwissend und grob: der Herr verliebt in eine idealischc Dame, derDiener in seinen Esel, Jener voll Liebe für Ehre, Ruhm und Großthaten, Dieser lediglich besorgt um seinen Bauch und Beutel — dieechte und gerechte Livree. So machte einst der Contrast zwischen Naturbestimmnng und Klosterthorheit die Nonnen mit ihren fromme»Mienen und ihrer züchtigen einfachen Kleidung reizender als dieüppigste Operutänzcrin, wie Heinrich I V. und alle Wcltkindcr (Gottverzeihe auch mir!) gar wohl wußten. So machte der Contrast zwischendem, was sie sein sollten und zu sein vorgaben, und dem, was siewirklich waren, die Kutten komischer als Weltkindcr. Aus Liebe zumContrastc geschieht es noch, daß kleine magere Männchen so gerue nachgroßen und dicken Weibern, Schwarzköpfc nach Blondinen, und Dummköpfe nach geschehen oder gar gelehrten Weibern fahnden, und umgekehrt. Ich bin der Meinung, daß, wer sich ganz in die reichhaltigeMaterie vom Contrast einstudireu will, sich eine Frau nchmeu müsse.
Es gibt erusten und komischen Contrast, und letzterer entsteht nuraus dem Zusammentreffen oder aus dem Widerspiele des Willkürlichenund Unwillkürlichen. In gewissen alten Städten contrastircn gewißdie vielen krummen, schmutzigeu, finstern Gäßchen, voll elender Hütten,mit den prächtigsten neuen Straßen und Paläste», und wir lachennicht darüber. — Cäsar erwarb sich allgemeinen Ruhm durch Leutseligkeil und Freigebigkeit, Cato durch Strenge und Sparsamkeit; Catowurde bewundert als unbeweglich, Cäsar als nachgiebig; Cäsar warder Mann aller Weiber, Cato runzelte die Stirne über jede Ga-lanterie; Cäsar suchte den höchsten Rang, Cato verbat sich solchen;Cäsar wollte die ganze Welt beherrschen, Cato sie frei machen; Cäsarward gemordet als Tyrann, Cato mordete sich selbst als Republikaner,der den Freistaat nicht überleben wollte. Dieser schöne und wahre Contraft ist nicht lächerlich, denn sein Inhalt ist würdevoll und geschichtlich.