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Das Herz sucht alles zu entschuldigen und christlich zu bedecken 5aber sein Hingeben an Gefühle erzeugt wieder eine Passivität undSchwäche, die solche kraftlose Ncutralmeuschen zu bloßen Instrumentender Verstandesmenschen herabwürdigt, in der Praktischen Welt wie inder komischen. Nur wenn sie endlich wild werden, verzeihen sie weni-ger, als der Schurke dem Schurken, und empfinden das Unrecht tiefer,und Fraubasen haben, unbekannt mit den nähern Umständen, höchstunrecht zu glossiren über Hcrzcnshärtigkeit, und daß man etwas solange nachtrage, und dieses Etwas war doch das Ende vom Liede unddas Schandresultat langer Falschheit und Heimtückeleicn und dreijäh-riger Beobachtungen in der Stille und Geduld eines Heiligen. Wennman die gefällige Figur eines Herzens umdreht, so wird daraus einBeutel — Loaäx-I<s7,' woraus die Franzosen tont äs suitö 2 —riäiouls machten. Mösers „gutherziger Narr," der jedem Geld lieh,wurde so oft getäuscht, daß er den Zunamen Menschenfreund fürsynonym nahm mit Narr; er ließ seine bitteren Erfahrungen drucken,und wenn Jemand Geld geliehen haben wollte, so wickelte er in seinegedruckten Erzählungen das verlangte Geld. „Ich bin ein ehrlicherMann," ist der höchste Triumph des gutherzigen Narren, und unterdiesem Triumphbogen läßt ihn die Welt lachend sitzen, oder sie müßteso offen reden, wie ich, freilich in größter Aufwallung: „Ja, Sie sindein ehrlicher Mann — aber ein schwacher Mann, sonst hätten Siesich nicht zu dieser Unverschämtheit hergegeben; ich empfehle mich."

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Die Furcht vor den Köpfen, die doch gar oft, wie bei den Antiken,nicht die rechten sind, macht, daß es erlaubt ist, von sich selbst zu sagen:„Ich habe ein gutes Herz," denn man betrachtet solches als ein Na-turgeschenk, das oft dem Dümmsten zufällt. „Es ist ein guter Mensch— die liebe Unschuld selbst — ein guter Narr," heißt es von dem,der sich durch nichts auszeichnet, folglich auch niemand in die Querekommt, ja in der beliebten Sprache Galliens heißt es sogar: bon stdßts.« Umgekehrt darf man aber nicht sagen: „Ich habe einen gutenKops," denn man betrachtet das als etwas Erworbenes, das zn An-sprüchen berechtigt. In vielerlei Hinsichten ist dies so unrichtig, alsdas: „Ich habe ein schwaches Gedächtniß," denn der Mangel des Ge-dächtnisses kann sehr gut verschuldet sein, wie er es in unsern Zeitenoffenbar ist, und wenn man sagen muß: „Mein Gedächtniß nimmt

1 Strickbeutel. — * In einem Nu. — 2 Jeder gute Mensch ist ein Neuling. — 4und dumm.