auf sie losgegangen, verschwinden sie, odct man bekommt sie zupacken; verkriecht man sich aber in den Winkel oder duckt sich unterdas Bett, so bekommen sie Riesengroße und alle Eigenschaften desTeufels. Arbeit entreißt uns dem leidenden Zustande der Laune, unddarum haben gemeine Leute weniger Launen als Große und Reiche,ja selbst Weiber oft weniger als Männer, nämlich solche, die nochkochen, stricken, flicken und Nadeln einfädeln, was nebenher Geduldlehrt. Gegenwärtig fädeln viele bloß kleine Glasperlen zu Tabaks-beuteln ein; mit Bedauern sehe ich, daß sie das alte Sprnchwort zuSchanden machen: blous nv sominos pas !oi pour onülor dos Portos/und so bekommen sie selbst in kleinen Städten und Dörfern Launenwie Großstädtcrinnen. Madame de Staöl, die viel Männliches hatteund auch in ihrer Delphine bewies, „daß der Mann der öffentlichenMeinung trotzen, das Weib aber sich ihr unterwerfen muffe" (welchenGrundsatz sie aber keineswegs befolgte, vermuthlich, weil sie sich füreinen Mann hielt), rief beim Anblick der göttlichen Ufer des Lemans:Llontres uioi Iv ruisssau cko I». ruo da Luv! — 0, tu Larisionno! *Nichts geht über eine englische Lady, vor welcher Deutsche, Franzö-sinnen und Italienerinnen weichen müssen, wenn süo vlwosos to boin tonipor, and vboosos to bo Iiorsolk. ^
Laune ebnet die höchsten Berge und erhebt die Thäler zu Höhen,sie ist der Spiegel des Weltalls und des Lebens ganzes Bild, sie stiftetGutes und Böses, Ärieg und Frieden. Laune im rosenfarbenen Ge-wände ist ein Soniienkiud, das froh seine Flügel in ihren goldenenStrahlen ausbreitet; in ihrem schwarzen Trauertalar aber gleicht sieden kleinen Gnomen der Erdklüfte und Finsternisse. Laune steigt undsinkt wie das Wetterglas bei der kleinsten Luftveränderung, und diesemProteus sind wir Alle unterworfen, mehr oder weniger. Laune ge-fällt sich vorzüglich im Helldunkel, und daher sind die Gemälde vonihr so schwer zu treffen. Bei Männern ist sie meist stumm, bei Wei-bern mehr laut und kreischend, und daher vorübergehender als diestumme, die ihrem Gegner oft Monate lang gegenüber liegen kann,wie Fabins Cnnctator dem Hannibal.
In der Gesellschaft kann man seine üble Laune nicht auslasten,daher wird sie nach Hause getragen und dermaßen ausgelassen, daßbeide Theile den Ort des Friedens verlassen zum Nachtheil ihrer Ruhe,
1 Wir sind mcht hier. um Perlen einzufädeln. — r Oh, zeigen Sie mir den Rinnsteinder Straße Du Bacl — Oh, die Pariserin! — s Wenn e- ihr einfällt, in guter Stimmu/g'zu fein, und wenn es ihr einfällt, ihr Selbst zu fein.