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verloren, so lange die Jugendgenossen noch leben, und wenn sich dieSchönheit nach innen kehrt, so ist auch das Alter schön. Männer sinddaher im Alter glücklicher, als Weiber, für die, wenn sie galanteDamen waren, solches eine Hölle ist, selbst für Männer, die sich zustärken suchen mit Hirschkolben, und nach der Expedition Naphta sicheinreiben lassen. Guter Alter, du glaubtest noch im sicbenzigsten Jahrenicht an das Alter, und wenn sie dir Naphta einrieben und ich lächelnddanebend stand, so hörte ich deine Worte: „Alter schützt vor Thorheitnicht!"
Die Jugend lebt vorwärts, das Alter rückwärts, daher ist dashöchste Vergnügen des Alters die Rückerinnerung, nächst der Ruheund dem Genuß, der einem zur Gewohnheit geworden ist, wäre esauch nur ein geerbter Großvatcrstuhl und Krüglein, oder eine Stand-uhr, die schon des Vaters Stunden schlug. Meine Taschenuhr, dieich vor einigen vierzig Jahren zu Genf kaufte, fängt an, Reparaturennöthig zu haben, die ich recht gerne bezahle, so lange ich selbst nochkeine Reparaturen bedarf oder solche selbst veranstalten kann, und jetztist mein Sonntag Reminiscere, dem mein sonstiger Leibsonntag Lä-tare Platz machen muß. Wehmüthig süß ist die Erinnerung an Orte,wo das Paradies der Jugend blühte, und auch Napoleon, der nichtsweniger als Empfindler war, mag es zu Brienne gefühlt haben, alser der Ocbstlerin den Thaler mit Interesse zurückgab, den er nochvon der Schule her schuldete. Solche Erinnerungen gleichen den Ge-fühlen, wenn man in alten Burgruinen wandelt, und auf den Trüm-mern des Capitals sitzend faßte Gibbon die erste Idee zu seiner Ge-schichte des Untergangs Roms, während Mönche die Vesper brülltenim ehemaligen Tempel des Jupiter.
Tief ist das Gefühl in den klassischen Gefilden der Knabenspicle,und noch tiefer in der Laube der ersten unschuldsvollen Liebe; diePhantasie verbreitet ein Roscnlicht über Alles, je weiter es in die Ver-gangenheit zurückgeht, und nichts macht schneller alt, als der ewigeGedanke, daß man älter werde. Die kleinen Begebenheiten des Knaben,des Jünglings sind dem Manne und dem Alter interessanter, als dieganze Weltgeschichte; selbst die starken Tropfen Wchrmuth, die einSchurke und dann ein roher, verzogener Jüngling ohne Kopf undHerz, und zuletzt noch Anverwandte in den Kelch meines Lebens2 mischten, sind vertrocknet und freuen mich, weil sie vertrocknet sind undzur Lehre dienten. Und was geht über die süße Wehmuth auf denGräbern längst entschlafener Lieben? Ihr Edlen, ach, es bewächst