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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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niffe stehe, und darum ist nicht jeder Sanguiniker ein Genie, jederCholeriker ein Brausekopf, jeder Melancholiker ein Kopfhänger undjedes Phlegma ein Klotz. Der Mensch läßt sich einmal nicht nach denvier Temperamenten klassificiren, wie Pflanzen nach Staubfäden.

Sanguiniker und Melancholiker sind mehr Weiber, Cholerikerund Phlegmatiker mehr Männer. Sanguiniker und Choleriker habenmeist ein edles, großartiges Herz, Melancholie und Phlegma führengerne zu Duckmäusereicn, Hcimtückeleieu voll Schadenfreude, und dercholerische Luther hat recht: „Hüte dich vor den Schleichern, die Rau-scher thun dir nichts." Jene begreifen sich nach verrauchter Hitze, diesesind im Stande, selbst der sterbenden Frau, die um Licht bittet, zusagen: „Laß mich schlafen, man kann auch ohne Licht sterben." Lud-wig der Frömmler vergaß alles, was seine drei Söhne und Papstund Klerisei gesündigt hatten, lernte aber nichts, zum Unterschied vonunsern Emigranten, die auch nichts lernten, aber auch nichts ver-gaßen; das erbärmliche Phlegma verhält sich zum Sanguiniker undCholeriker, wie eine Seekarte zur Landkarte, oder wie die Schlafmützezum Hut, und da man wegen seines schwerfälligen Ganges einen ge-wissen Vogel die Trappe genannt hat, so könnte man das Phlegmaauch Trappe nennen.

Das muntere Auge, der lebhafte Blick, alle Bewegungen desSanguinikers beweisen, daß ihn nur die Gegenwart, nicht die Ver-gangenheit oder Zukunft kümmern. Keine Furche runzelt seine Stirne,Scherze und Amoretten spielen um den lachenden Mund, der Knß undGaumenlust Prediget, und Rosenfarbe malt seine Wangen, bacchantischrund wie der ganze Körper. Gleich der Schlange glänzt das Auge,und wie sie wirst er den Kopf so schnell hin und her, daß der Glaubeau Schlangen mit zwei Köpfen noch heute besteht. Er gleicht demedlen Pferde, dem Schmerz nur selten einen Laut auspreßt; aber Freudeund Wollust macht es wiehern, selbst in der Hitze der Schlacht; mitLob und guten Worten richtet man alles aus, Schelten und Schlagenmacht es scheu und störrisch. Sinncngenuß ist die Virtuosität desSanguinikers, daher lieben auch alle Virtuosen Sinnengenuß, Talente,nur keinen Fleiß und keine Mühe. Er verspricht ehrlich, hält aberselten Wort, ist ein böser Schuldner und schwer zu bekehrender Sün-der, denn er vergißt die Reue so schnell, als die Versprechungen. Erlebt in den Tag hinein, als ob jeder sein letzter wäre, unternimmtDinge ohne Ucberschlag seiner Mittel und Kräfte, legt Nebendingenhohen Werth bei und hudelt über das Wichtigste weg; geht es endlich