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ein Jrrsein über unsern Gesundhcitsstand, und gehört unter die erstenoder vorbereitenden Grade der Narrheit.
Im Schooße des Ueberflusses versinken gerade die, welche amglücklichsten sein könnten, in Langeweile und Eitelkeiten; ihr Menschen-haß — anfangs bloßes Phantasicspiel — geht in wirklichen über, undmacht sie zu moralischen Cretins, die häufig am Hofe, in großenStädten und auf Universitäten gefunden werden; nicht so unter Land-leuten, denn ihre Umgebung verzärtelte sie nicht, und die Arbeit läßtihnen keine Zeit. Es waren wohl glückliche Zeiten, wo man garnichts von Nerven wußte, die erst mit dem Britten Whyto Modewurden; nun wollte Jedes nicht bloß Nerven, sondern schwache, deli-kate Nerven haken, und mein eigenes, gesundes Niöccchen von zehnJahren sagte mir, da ich ihr, nach einem starken Spaziergang, einGlas Wein aufdringen wollte: „Ich darf es nicht wagen, da ich soschwache Nerven habe."
Diese eingerifsene allgemeine Nervenschwäche vermehrte die Uebeldieser Welt durch eingebildete, und schuf das Heer elegischer Empfind-leriunen und Delikatchen, die bedauert sein wollen, während man nurüber sie lachen kann bei ihrem sentimentalen Snicksnack. Bald wirdman bei moralischer Amputation' nach dem Barometer sehen müssen,wie vormals nach der Constellation, und der nervenschwache Körperwird eine Wetterveränderung richtiger voraussagen, als der Geruchdes Abtritts. Diese Nervenschwäche ist der Geier, der an Prome-theus Leben nagt, weil er das Feuer vom Himmel gestohlen hatte,was die Gelehrten nur stehlen möchten. Unsere vielen Bücher fürHypochondrien machen halbe Grillenfänger vollends zu ganzen, unddie geringste Kleinigkeit kann sie verstimmen, wie alte Dorfkirchcn-orgeln. Wenn es auf Dörfern Hypochonders gibt, so ist es meist derHerr Pfarrer, entweder durch zu vieles Stndiren oder Nichtsthun;Gartenarbeit wäre das beste Gegenmittel, und im Winter Holzsägen.Weikardt ricth sogar, sich mit dem Schilehrer zu theilen in dasKirchengeläute. Ein mir unvergeßlicher, hypochondrischer Landprediger,der mich wöchentlich zu besuchen pflegte, und den ich einst bewog, michauf meinem Spazierritte nach Hause zu begleiten, ob er es gleich ab-gelehnt hatte, weil er seinem Pferde Arznei gegeben habe, war ein Viertel-jahr lang nicht mehr nach dem Städtchen zu bringen, und warum? seinPferd fing mitten auf dem Markte an — zu laxircn, die liebe Straßcn-jugend war hinter uns her, und weit mehr noch ärgerte ihn mein Lachen.
1 Zurechnung.