Fest, mit Hochsinn auszndaucrn
Trotz dein Schicksal, weiß der Mann.
Seelenstärkc ohne Seelengröße bildet die bösartigen Charaktere,wie wir sie in den höhcrn Sphären der Macht und der Ehre nichtselten finden; verdorbene Charaktere macht der Mangel an Bildung,verbunden mit Noth und Armuth, wie wir sie in den untern Ständenund beim Pöbel finden, und in der Mittelklasse scheint meist Charakter-losigkeit zu herrschen. Wohlstand bewahrt sie noch vor gänzlichemVerderben; die goldene Mittelmäßigkeit macht auch den Mangel festerGrundsätze weniger fühlbar, und auch weniger schädlich, nur wenn siedurch Leichtsinn und Flottlebcn in üble Umstände gerathen., dannmachen sie sich auch nichts aus den niedrigsten Schnppcreien, wenn sieunbeschriecn zu machen sind, verlassen sich auf Lügen, und finden wohlgar in ihren Schlichen und versteckten Prellereien Geistesgewandtheitund Geistcsüberlegenheit.
Seelenstärkc im Bunde mit Seelengröße und Seelengüte machtallein den Charakter x°-r' ' den Plato Tugend nennt, jenen
höhcrn Grad von geistiger Vollkommenheit, die den Menschen nachseinem Ausdruck, der Gottheit ähnlich macht, was die Neuplatcnikerund Klösterlinge so lächerlich überspannt haben. Dieser Charakterfindet sich noch am ehesten im Mittelstände, während in höhernRegionen Klcingeisterei, Verzagtheit und Inkonsequenz im Denkenund Handeln nicht selten vorherrschen, und in den niedern Eigennutz,rohe Sinnlichkeit und Schmutz. Schade, daß gerade, wenn ein solcherachtungswerther Charakter sich ausgebildet hat, die Kräfte zum Hau-dein schwinden. Je mehr Natur, desto mehr Charakter, je mehr Kulturund Kunst, desto mehr gemeine sich gleichende Charaktere, die über daSOriginal lachen, ja wohl noch mehr thun.
Nur erhöhte Sittlichkeit vermag den Charakter wahrhaft zu ver-feinern, und nur Anstrengung ihn auszubilden, und daher ist derLobspruch, mit dem man bis zum Lächerlichen freigebig ist: „Er hatCharakter," der größte Lobspruch. Nur von einem Charakter kannman sagen, daß er Herr im Hause sei, nicht bloß über Weib,Kind und Gesinde, sondern auch über sich selbst, über Leib undSeele, sich selbst genug («ürLssxqc). Ein solcher Mann war deWitt, der im scheußlichsten Volksaufruhr und bei dem schmählichstenTode sich mit Horazens Ode tröstete: Integer ritus, «oelerisgue xu-rus vto. *
t 2m wahren Clnn deS Dortes. — * Unsträflich im Leden, von Lastern rein.