Gott sprach daher auch nicht: „Lasset uns Männer machen," sondern:„Lasset uns Menschen machen."
Die Natur kann einmal Härte und Extreme nicht wohl leiden,daher läßt sie Männer von Charakter seltener gedeihen. Bieg- undschmiegsame Seelen sind besser zu gebrauchen, sind weit fügsamer, undwie man sie auch wirft, kommen sie immer wieder auf die Füße, wieKatzen. Die Welt ist für die Schälke gemacht, die höchstens ein „So!so!" oder „das gestehe ich," von sich geben. lllunäus vult ckseipi,sagte ein Cardinal dem Papst Bcnedikt XIV. ins Ohr, der sich vergessenwollte, und seine Heiligkeit fuhren lächelnd fort: äeoipiatur ergo. *Männer ohne Charakter sind wenigstens immer noch besser alsCharaktere, die Andere ausstudiren, dann ihre Schwächen zu nützensuchen, immer weiter gehen, im Gefühl der edlen Gutmüthigkeit,Nachsicht und des Vergessens wohl gar sagen: „O, Sie sind ein guterMann!" was aber heißt: „Sie sind ein guter Esel, dem ich noch mehraufladen darf!" — undenklich hcrabsinken zum lügenhaftesten, unver-schämtesten Schandcharakter.
Die Wahrheit liegt in der Mitte. Der Sanguiniker und Welt-mensch betrachtet die Erde als ein Freudenthal, der Melancholiker odergar Frömmler als Jammerthal, Andere wieder als bloßes Wirthshaus,und wieder Andere als Zuchthaus, der Komiker betrachtet sie alsTollhaus und ein indischer Philosoph gar als das Cloak des Weltalls.Die ersten Menschen in dem fruchtreichcn, schönen Paradiesgärtleinschwitzten den Ucbcrfluß des Genossenen aus, aber die verbotene Fruchtließ sich nicht .ausschwitzen, und nun blieb nichts übrig, sollte dasParadies nicht verunreinigt werden, als daß sie der Engel hinaus aufden Abtritt führte, d. h. nach unserer Erde. Die Wahrheit liegt auchhier in der Mitte, und ganz Reines können wir nicht verlangen, selbstdas reinste Wasser, wenn es lange steht, setzt allerlei steinigte undpflanzcnartige Fädchcn ab, die immer grünlichter werden — die Erdeist einmal kein Paradies — Leiden wechseln mit Freuden, Schmerz mitLust — aber wollen wir billig sein, so müssen wir doch als RegelIleberschuß von Freuden und Lust annehmen, und vieles, was unsschmerzhaft berührt, dient wieder dazu, Muth und Kraft zu heben,und die Freuden zu erhöhen. — kost nudila kboobus. *
Immerhin bleibt^das wahre Temperament der Kinder des Glücks,der Freude, des Witzes nnd der Laune das sanguinische. Es ist das
1 Die Welt will betrogen sein — so werde sie betrogen. — r Nach Regen folgt Sonnen,schein.