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und Stumme zum Gebrauch derer, die hören und reden, schreibenkönnen?
Die Sinne sind die Vorstädte der Seele; zum Sehen, Hören undFühlen haben wir doppelte Werkzeuge, zum Beweise, daß sie wichtigersind als Geschmack und Geruch. Das neugeborne Kind zeigt keinenGeruch, nur wenig Geschmack; Augen und Ohren sind noch unent-wickelt, nur der Tastsinn scheint schon im Mutterleibe geübt zu sein,und so werden die Fingerspitzen das, was die Fühlhörner den Insekten'dem Vogel der Schnabel, dem Schwein der Rüffel, und Katzen undHasen der Schnurrbart ist. Am allerwichtigsten ist das Gefühl dennwir haben zehn Finger, ja noch weitere zehn an den Füßen, derensich Viele beim Händemangel sehr geschickt zu bedienen wußten. Einkrüppelhastes Mädchen, das sich für Geld sehen ließ, schrieb sogar mitden Zehen, vor welcher Kunstfertigkeit der liebe Himmel unsereSchriftstellerwelt in Gnaden bewahren soll. So wie schon ein Auge,wenn das andere verletzt ist, schärfer sieht, so kann auch der Blindeden Tastsinn zur höchsten Vollkommenheit erheben, und ich habe selbsteinen Blinden in der Karte spielen sehen, vergaß aber zu fragen, ober die Farben unterscheide, oder die Figuren? Eigentlich sollten tvir'nurdas, was wir Seele nennen, Sinn nennen, denn die sogenannten fünfSinne sind nur Sinnenwerkzcuge, und daher billig den sechsten Sinnoder Gcschlcchtssinn hinzuthun, da solcher von den übrigen Sinnendurchaus verschiedene Organe hat, und auch die Empfindungen dieserOrgane von allen übrigen Gefühlen verschieden, und wie fast Allewissen, die angenehmsten sind.
Den Geruchsinn scheinen wir am ehesten entbehren zu können,ohne Nachtheil! unserer physischen und geistigen Existenz, und dannden Geschmack, man müßte denn Gutschmcckcr oder Koch sein: immernoch besser abgeschmackt als ruchlos I Schwerer ist der Mangel desGefühls, noch schwerer der des Gehörs, und am allcrschlimmstcn derdes Gesichts. Der Taubgeborne und daher Taubstumme verdient dieVorsorge des Staats in neuerer Zeit, denn er ist unglücklicher alsder Taubgewordcne. Unglücklicher ist der Blindgcborne, der indessenda er das Gesicht nie kannte, glücklicher ist als der Blindgcwordcne!Viele Blinde sind indessen heiter im Geiste, und natürlicher, lustigerund geselliger als Taube, die in der Regel mißtrauisch und grämlichsind. Der Staat sollte für Blinde, vorzüglich arme Blinde, thunwas er für Taubstumme gethan hat, und solche in ein Blindcnhaussammeln, wozu schon unser altes Sprüchwort: „Ein blinder Mann,