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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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und dieser wieder zum moralischen Sinn, der uns sagt, was gut oderböse ist. Der Mensch vereinigt alle fünf Sinn«; nicht so die Thiere,und darunter sind die zwei feinsten, Gesicht und Ohr (was auch An-theil der Vögcl ist), die uns zu den Hähern Genüssen der Kunst leiten,worüber gar oft die Bedürfnisse des Körpers vergessen werden. DerTastsinn ist allein unmittelbar, die übrigen mittelbar; Gehör undGesicht sind Mechaniker, Geruch und Geschmack Chemiker. JederSinn hat seine eigenen Reize. Druck und Widerstand sind die ein-wirkende Kraft auf den Tastsinn, das Licht wirkt auf das Auge, dieelastischen Lusterschütterungcn auf das Ohr, gewisse Salze und Oeleauf den Geschmack, und Ausdünstungen auf den Geruch. Die Sinneder Thiere sind schärfer, wie die der Naturvölker auch, aber wer inStädten und großer Gesellschaft leben muß, dankt Gott für den Ver-lust dieser Feinheit, und wir sind hinreichend entschädigt, daß wir dasdurch Extension wieder gewinnen, was durch Intensiv» verloren ist;denn die Sinne der Thiere sind beschränkt auf ihre Nahrung und Be-stimmung. Alle Sinne sind im Grunde Gefühl, das Wort derGriechen Idee (Vorstellung) ist vom Sehen hergenommen, und garViele haben Wärme und Kälte, Hunger und Durst, Schmerz und Lustals eigene Sinne annehmen wollen, und was den sogenannten sechs-ten Sinn anbelangt, so wollen sich diesen die Wenigsten nehmenlassen. Wir halten uns an die alten fünf Sinne, woraus auch unserSprüchwort beruht: „Er kann nicht fünf zählen," und beniitleiden diearmen Fledermäuse, die unter Spallauzani's und anderer NaturforscherMesser aller fünf Sinne auf das schmerzhafteste beraubt wurden, umeinen neuen sechsten Sinn zu entdecken. Unser« Sinne sympathisireumechanisch mit dem, was wir Geist nennen; wir gähnen mit Gähnen-den, weinen mit Weinenden, lachen mit Lachenden, der Mund wässertdem Gutschmccker beim Anblick einer Leibspeise, daß er züngelt, undder Magen neigt sich zum Erbrechen bei ekelhaften Vorstellungen. DasHerz pocht stärker bei Furcht oder Begierde, der Athem stockt, dasGesicht erröthet oder erblaßt, und gewisse Theile, die gerne Jncognitobleiben, setzen sich bei gewissen Ideen in eine Bewegung, die schonManchen in Verlegenheit setzte. Und nun erst im Gebiete der erhabenenKunst! Gesicht, Gehör, Gefühl — Fläche, Ton, Körper — Malerei,Musik, Bildhauerei. Der Philosoph kann sogar manches lernen vondenen, die einen oder den andern Sinn entbehren; wie hätte sonstDiderot seinen Brief über die Blinden zum Gebrauch derer, die sehen(der ihn nach Vinccnnes brachte), und den Brief über Taube