101
aber rührt von einem Flusse. Das Auge hat an der Farbenmusik dasVergnügen nicht gefunden, welches das Ohr an der Musik der Tönefindet, und da wir sieben einfache Farben zählen, so ging es mit Eu-lers Oktaven nicht wohl an. Neid will sein Herz so schlagen gehörthaben, daß er es für ein Pochen an der Thüre hielt, und aufstand,die Thüre zu öffnen; wir rechnen dies, wo nicht zur Musik der Sphä-ren, doch zu der Behauptung jenes Feinohrs, das am Schall einerzugeschlagenen Thüre sagen konnte, ob jemand, und wie viel Personenim Zimmer seien. Unsere Zeiten haben mit den Luftarten große Ver-suche gemacht; wir können sogar in der Luft Reisen machen. — Diegrößte Entdeckung ist noch, die Lust so zn verdichten, daß sie eßbarwird, wenigstens für die Armen. Leben nicht auch Verliebte von derLiebe?
Die Oscillationen des Ohrs theilen sich dem ganzen Organismusmit, und erregen nicht bloß eigene Empfindungen, sondern selbst Ex-crctionen. Dieselben Töne oder Luftschmingungen empfindet der Einefrüher, der Andere später, der Eine tiefer, der Andere höher. Ein allzufeines Ohr ist ein Unglück; man kann den Kopf nicht immer zwischendie Ohren nehmen und fortgehen, und was hilft hinter den Ohrenkratzen? Sich's hinter die Ohren schreiben, hat aber sein Gutes, undnoch bester ist, sich keinen Floh ins Ohr setzen zu lassen, noch wenigerAndern hinein zu setzen, und den Ohrenbläser, Ohrenkitzler oder dasOhrwürmchen zn machen, vielmehr seine Ohren merken zu lasten aufdie Stimme des Flehens. Ebenso fatal ist ein so feines Gesicht, daßnmn Nachts lesen kann: denn man muß es am Tage entgelten wiedie Nachteulen; und so gewinnen nur Harthörige im Geräusche, dennsie hören das Geräusch weniger, und Andere sprechen dabei vernehm-licher. Die schlimmste Tücke des Ohrs ist Harthörigkeit, die gar oftUnrcinlichkeit ist, welche das Ohrenschmalz, das uns die Natur gegenInsekten und Feuchtigkeit gegeben hat, hart wie lokarotus werdenläßt, bloße Trägheit, daß wir den kleinen Finger so wenig brauchen,der doch Ohrfinger heißt, und nicht gehörig die Ohren spitzen, waswir von Hund, Katze, Pferd, Hasen und selbst dem Esel lernen, diedann auch das Ohr hängen lassen können. Die Thiere haben über-haupt mehr Ausdruck im Ohr, als wir, wozu noch ihr Schwanz mit-hilft. In beiden können wir Leid und Freude, Furcht und Aufmerk-samkeit lesen. Der unschuldige Hase hört am besten, was hinter ihmgeschieht, weil seine Ohren nach hinten stehen. Wir haben es höchstenshinter den Ohren, wenn wir hinter den Ohren einmal trocken sind,