Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
102
JPEG-Download
 

102

und das Ding am rechten Ohr anzugreifen wissen. Das raubthierigeKatzengeschlecht weiß noch besser, was vor ihm vorgeht, und so stelltauch das Pferd die scinigen. Bewegliche Ohren wären ein physiogno-misches Zeichen weiter, und wir verloren sie vermuthlich durch denZwang in der Kindheit. Indessen gibt es Ausnahmen; die Mehrzahlaber muß das Ohrcnstellen bleiben lassen, und daher geht bei so Vielenzu einem Ohr hinaus, was zum andern hineingegangen ist. Gedachthabe ich schon manchmal, die Mutter Natur gab uns die Freiheit,unsere Augen nach Willkür zu schließen, warum hielt sie es nicht auchso mit den Ohren? Wie gut wäre dies öfters! doch öfters ist es nochbesser, sich aus's Ohr zu legen und zu schlafen.

Der Geruch ist bei dem Menschen der beschränkteste Sinn, wäh-rend er bei den übrigen Säugcthicren der feinste zu sein scheint, undman kann unsern Nasen wirklich eine Nase geben, daß sie Ansprüchemachen, denen sie nicht entsprechen können. Der Geruch entwickelt sicham spätesten, und verliert sich wieder am frühesten, und steht mit demGeschmack in der nächsten Verwandtschaft, beide sind Chemiker. Diewesentlichen Bestandtheile der Körper sind mit den flüchtigen verbunden,woher es kommen mag, daß man den Geruch auch im Volke Ge-schmack nennt: die Blume schmeckt herrlich. Beide beruhen auf demGefühle des Salzes: jener empfindet es in der Ferne, dieser inder Nähe auf der Zunge, die sich bei Gutschmeckern sichtlich spitzt,und wie eine Schlange züngelt, wenn ein Leckerbissen sich nähert.Wcinhüudler vervollkommnen ihren Geruch oder Geschmack bis zurhöchsten Kunst, und so auch Sybaritcn, und schon die Blüte des Wein-stocks gehört zu den süßesten Wvhlgerüchen, sowie für einen rechtenLandwirth der Geruch des Heues. Die Haare im Innern der Nasebewachen das zarte Werkzeug des Geruchs gegen die Insekten, dürftenaber bei Manchen gclcgenheitlich vom Barbier wohl mit berücksichtigtwerden, und die Talgdrüsen bei Tabaksschnupsern sollten wenigerflüssig sein. Die sogenannte Rotzhant, deren Ban Anatom Schneiderzuerst zeigte, heißt aus Dankbarkeit: Asmbrana Selmsiäori, Schnei -derShaut.

Gewöhnlich legt man dem Menschcnthicr keinen Instinkt bei, denGeschlechtStricb abgerechnet, aber der Urmensch scheint doch vor Ent-wicklung der Vernunft den Instinkt mit dem Thiere getheilt zu haben,durch Geruch seine Nahrung zu suchen, und dieser Geruch war bei denWilden so fein, daß sie aus den Fnßstapfcn sagen konnten, welchemihrer Nachbarn sie angehörten, wie der Hund aus der Spur seinen