109
als ich, daß dieser ganlitas oooulta ' mit sympathetischen Mitteln sounter die Arme gegriffen würde, daß sie zur That reiste?
Laßt uns Gott danken für seine Gaben,
Wenn wir auch nur das Schuldige haben!
Sympathie wirkt stärker oder schwächer, je gleichartiger die Men-schen unter einander sind, so wie sie zwischen Mensch und Thierschwächer ist, als zwischen Mensch und Mensch, und stärker zwischenLeuten von einer Nation» Religion, Stand und Alter. Die Europäersehen die Nichtenropäer kaum für ihresgleichen an, und die Wildensnr Sklaven. Der Landsmaun sympathisirt mehr mit dem Lands-maun als mit dem Ausländer — selbst die Altwürttemberger wenigermit den Neuwürttembcrgern — der Adel nur mit Adel, BruderStudio nur mit Bruder Studio: „Was wollen die Philister?" Dertraurige Itsxrit äs vorps kennt Sympathie gar nicht — was nimmtsich der Soldat gegen den Bürger und Bauern heraus? was eineLivrse nicht gegen den ehrlichsten Handwcrksmann? Statt Sympathieist weit eher Antipathie merklich, wie unter Thieren, und zwar son-derbarer Weise gerade unter denen, die sich am ähnlichsten sind, wieMensch und Mensch — unter Hunden und Füchsen, Raben und Krähen.
Der Cholerische geht am liebsten mit Cholerikern und Sanguini-kern um, wie diese am liebsten mit einander, der Melancholiker suchtden Melancholiker, und das Phlegma, von allen dreien verachtet,sucht Niemand, und weiß sich Phlegmatisch zu beruhigen. Es gibtHausmütter, Gärtner. Schiffs- und Bauherren, Gallerieanfsrher rc.,die mit allem, was ihrer Obsorge anvertraut wird, förmlich sympa-thisieren. wären es auch nur leblose Gegenstände, und religiöse Schwärmersympathischen gar mit der Gottheit. Die Jahre, die Laune, der Ge-sundheitszustand rc. wirken mächtig auf Zu- und Wneigungeu, gewisseGesichtszüge noch mehr. Die werthe Physiognomik hat das Kapitelüber Sympathie und Antipathie nicht wenig bereichert. Diese Dingelassen sich noch erklären, aber wie kommt es, daß wir auch an KindernSympathien und Antipathien bemerken? Eine Ursache erfuhr ich, alsich, gewohnt von Kindern gerne gesehen und geliebt zu werden, betroffendie Mutter eines Knaben, der mich in einem öffentlichen Garten langeanstarrte, und endlich sagte: „Du böser Manul" befragte. „Siehaben," sagte die Mutter lachend, „ungemeine Aehnlichkeit mit einemseiner Lehrer."
1 L-rb»rgcnc Sigmschaft.