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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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höhere Wesen halten, znmuthcn. mit dem Nächsten, der so tief unterihnen steht, zu sympathisircn?

Sympathie hat schon gemacht, daß Leute beim Anblick epileptischerPersonen selbst in Epilepsie fielen: folglich ist der Anblick gewisserSchönheiten um so eher fähig, zur innigsten Epilepsie fertig zu machen.Wenn wir neben Kleinen stehen, machen wir uns eher kleiner alsgrößer, wie Viele, wenn sie »eben Großen stehen, gerne auf die Zehen

treten, oder den hohen Absatz benutzen. Antipathien verhalten sich

ebenso. Beide find, wenn sie stärker werden, Krankheiten der Seele —Idiosynkrasien, die sich zuletzt auslösen in Phantasie, Melancholie,Raserei und Wuth. Höchst ungerecht sind oft Antipathien, die sich aufPhysiognomien gründen — ein häßliches Gesicht! dummes Gesicht!satyrischcs Gesicht! welches letztere noch am verzeihlichsten ist. Einegewisse Fürstin konnte eiucu alten Kammerrath nicht an der Tafel

leidem Er hatte lange dürre Finger und Hände, mit denen er daß

fürstliche Geld recht fest zusammenhielt, weit entfernt, lange Fingerzu machen; aber die Dame erinnerte er stets an den Knochenmann,und wollte er an der Tafel speisen, so mußte er sich lange Man.schelten beilegen. Wie viele Duelle veranlaßten nicht früher dieWorte: „Sie haben mir ein fatales Gesicht!"

Die Stärke oder Schwäche der Sympathie richtet sich nach dergrößeren oder minderen Lebhaftigkeit unserer Phantasie, und daher istdie Jugend und das weibliche Geschlecht theilnchmcnder, als Erwachseneund Männer. Sie richtet sich nach unsern Erfahrungen. Wer nieMangel empfunden hat, denkt sich so wcuig in die Lage des Armenhinein, als jene Prinzessin, der man sagte: „Die Annen haben keinBrod." — „Mein Gott, warum kaufen sie sich denn nicht Semmeln?"Wer stets mit Glück vorwärts geschlichen ist, ist ein Stadtsoldat, dernie Pulver roch, wenn von Unglück die Rede ist. Der Mann kannsich nie ganz in die Lage einer liebenden und eifersüchtigen Frauversetzen, und diese wieder nicht in die Lage des Mannes, dessen Ehregekränkt wird, der Hagestolze nicht in die Gefühle des Vater- undMuttcrhcrzcns, und der gemeine, rohe Kerl oder Halbgebildete nichtin die feineren Gefühle des Gebildeten nud in seine Ansichten. Sym-pathie gehört zu den vermischten Empfindungen, und selten treiben dieMenschen solche so weit, daß sie sich darüber selbst vergessen, wissenaber desto mehr davon zu sprechen. Sympathie ist ein Prinzip derGeselligkeit, folglich die Grundlage der Humanität, und wer hättenicht von Humanität sprechen hören, und wer wünschte nicht mehr