Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
126
JPEG-Download
 

daß selbst im wohlhabenden Mittelstand ein reines Hemd noch Sonn-tagsstaat ist, folglich möchten immerhin wieder die Handwerksburschcnam blauen Montag von hochlöblichcr Polizei ins Wasser gejagt, unddie Dorfschulmeister (oder andere) angehalten werden können, die liebeSchuljugend in die Schwemme zu treiben, damit sie wieder härterwerde. Wollte man den Menschen vor dem Thiere auszeichnen, sokönnte man sie ja zahlen lassen, wie es die Römer machten, einenQuadrans, einen Batzen, wofür derBalncatvr die Kleider bewachenkönnte, den tur baluonriuo aber, d. h. den Kleiderdieb gleich einemkaerilsgn»' bestrafen zum Besten des Schnlfonds.

In Rußland ist Baden Volkssitte, Qualmbädcr, und daher sinddie Russen so kräftig und so frohsinnig, mehr als wir; jedoch möchtees v r der Hand uns mit den Qualmbädern gehen wie Peters Ma-trosenkindern; sie sollten sogar Seewafler trinken lernen, und starben.Russen lieben heiße, Britten kalte Bäder; wir wollen uns hier inweiser Mitte halten an lauwarme. So lange man noch jung ist, sindjedoch Flußbäder zu empfehlen, und man kann dabei Naturgeschichtestudiren. Die kleinen Fischchen, die uns nahen, machen aufmerksamgenug auf das Reich der Fische, und auf Insekten die Florflicgcn(libsttulas), die wir bloß Wasserjungfern, Wassernymphen rc. nennen,die Franzosen aber weit galanter Dcmoisclles, Julie, Sylvie, Sophie,Louise rc. In vielen Gegenden Deutschlands kann man mitten imSommer unter ein förmliches Schneegestöber im Bade gelangen —von Haften oder Ephemeren, und fromme Betrachtungen anstellenüber die Kürze des Lebens.

In keinem Lande wird verhältnißmäßig mehr gebadet, als inder Schweiz, und nirgendswo weniger als im wasserreichen Holland, undwie verhalten sich die Kinder der Alpen und der Sümpfe? Der schönsteMenschenschlag ist, nächst den viclbadcndcn Türken, in den lieblichenInseln des stillen Oceans zu suchen, wo sie oft dreimal des Tagesbaden, so wie wir . essen und trinken; sie schwimmen im Meere wiedie Fische, spielen mit Mccreswogcn und Brandungen, und sind stetsheiter und verliebt. Wir reden und schreiben gar viel von der Wieder-geburt der Deutschen, von dem Muthe, der Stärke, der Schönheit unddem Frcihcitssinn unserer Altvordern; fangen wir einstweilen mitdem Leichtesten an, und baden: Bäder, wo es angeht, selbst Schwimm-schnlen, wie Kirche», Schulen und Dorfschcnken.

Die höhere Welt scheint schon im Mittelalter die Besuche der* TempelrLuber.