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Das Mittelalter hatte eine eigene Baderinnung. Wir lassen unsbloß den Bart kratzen, allensalls auch schröpfen und zur Ader, aberans Baden denkt Niemand mehr beim Worte Bader. Ritter badetensich vor dem Ritterschläge, wie Brautpaare und Hochzeitgäste vor derHochzeit. Es gab Ritter vorn Bade, der zahlreichste Orden, wenn esbei Orden immer auf Sinn und Bedeutung ankäme. Die Brittenhaben einen Badeordcn, den ich für Badende öfters allgemein wünschteum der Geselligkeit willen, und damit mancher wackere Badgast dochnicht in der Gesellschaft nackend dastünde unter den vielen Groß-,Commandeur- und Ritterkreuzen der Bäder. Vornehme Kranke habenschon Karlsbad und Pyrmont verlassen, weil in diesen Modcplätzen schonalles besetzt war und ihnen doch nicht zngcmuthct werden konnte, sichunter das Bürgerpack zu mischen. Ich hätte sie wohl sragen mögen:„Aber wie geruhen Euer Gnaden es denn mit dem Wasser selbst zuhalten, das ja für Alle ist? Sie werden doch nicht e,»n äs inillsüours, zu deutsch: Vieh-Urin, wie Molken getrunken haben?"
Im Mittelalter munterten Badersjungen jeden Sonnabend, unterBeckenklang, das Volk zum Baden auf; und wöchentlich Baden warein Polizcigesetz für Handwerksbursche. In den Klöstern gab es Seelen-bader, d. h. Stiftungen pro rsmsäio auimas > für Aernicre, die ver-nünftiger waren als die sogenannten Seelenmessen. Die schlauenKutten bcnützten solche nicht selten zu kleinen Fischzügen, und schwatztenden Badenden allerlei Zeug «vor, so daß bis auf heute das Wortsalbadern in der Sprache geblieben ist. Die Kreuzzüge vermehrtendie Badeanstalten nicht wenig. Kreuzfahrer lernten die Sitten derMorgenländer, nahmen die theuersten aller Bäder, die Bäder desJordans, und ein mit aus dem heiligen Land gebrachtes Geschenk,der Aussatz, trug noch mehr dazu bei, bis ein anderer Aussatz aus dementgegengesetzten Wcltthcile ^wahrscheinlich aber ein Produkt aus Pestund Aussatz unter den ausschweifenden Franzosen Karls VIII. inNeapel) zu dem andern Extrem leitete — zum Nichtbadcn, aus Furchtangesteckt zu werden.
Diese Furcht, die vielen pestartigen Seuchen im vierzehnten bissechzehnten Jahrhundert ans Mangel an Polizciaustalten nächst derallgemeinen Verwilderung und Sittenlosigkeit machten die Badeanstalteneingehen, die auch weniger nöthig waren, da man jetzt anfing, Schuheund Strümpfe, vorzüglich aber Hemden von Linnen zu tragen. Aberman weiß, daß der gemeine Mann sein Hemd nicht allzuhänfig wechselt,
t Zur Heilung der Seele.