Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
173
JPEG-Download
 

173

tener sind die Erzieher, die das Gemüth des Jünglings so durchblickthaben, wie die Grammatik und die Alten, oder wie der Lehrer zuBricnne, der von dem jungen Bonaparte sagte: „Er wird es weitbringen, wenn die Umstände ihn begünstigen."

Die Erziehung, die so Vieles macht, wenn sie auch nicht Allesmacht, wie Helvetius meint, — wenn auch die Erziehung Gottes, d. h.Natur, Lagen, Verhältnisse, Bücher, Freunde, Geliebte, vorzüglich aberUnglück, der theuerste Lehrer unter allen, so wie das, was wir Zu-fall nennen, weit wichtiger ist, als die Erzieher, Eltern, Lehrer,Schule, — die Erziehung hat begreiflich den größten Einfluß auchauf unsere Ansichten vom Lächerlichen. Wir sind schon neun Mondenalt, ehe wir geboren werden, und rechnen diese wichtigen Mondennicht zu unsern Jahren, so unwichtig scheinen sie uns, und daher sagtauch Varro bloß: ockuoit obscotrix, säuoat nntrix, institnit xaecka-xoxus, äovvt maxister. ' Unsere Organisation ist die Erde, in derdie Erzieher arbeiten, aber die Früchte hängen gar sehr vom Samenab; manches Häuschen ist schon im Keller, und manches Gretchcn inder Küche verdorben, ehe sie noch die vier Wände beschrieen haben.Plntarch fängt daher in seiner Abhandlung über Erziehung — viel-leicht das beste, was er schrieb — mit der Zeugung an, und die Spar-taner straften ihren König Archidamus, daß er ein kleines Ding hci-rathete: „Wir wollen Könige und keine Königlein!"

Unsere Sinne sind die ersten Erzieher, also Natur, und schon derOrt, wo wir unsere ersten Jahre verleben, reflektirt sich in uns mehroder weniger. Die ersten Eindrücke, wie ganz anders sind sie im Ge-wühle einer großen Stadt, als in einem im Thale versteckten, ein-samen Dörfchen, wie ganz anders auf den Alpen, als in Sandebencnund Haiden, an einem kleinen Bach und an den Ufern des Meeres!Wenn die physische Erziehung sich endet (und sie endet nie, wenn wirdie Diät dazu rechne»), so beginnt erst die moralische; aber da alleGegenstände, die uns umgeben, stets neue Eindrücke hervorbringen,so sterben wir leider, ehe wir erzogen sind. Leben wird nur durchdas Leben erkannt — wir lernen nie aus. Rousseau hat das großeVerdienst, bei der Erziehung zunächst wieder auf die Natur hinzu-weisen, gegen alle Unnatur mit beredter Kraft zu eifern, aber mit derUnnatur warf er auch die edlere Natur des Menschen hinweg.

Die natürlichen Anlagen und Geistcsgabcn sind weit gleicher ver-

> Die Hebamme führt aus Tageslicht, die Amme erzieht, der Schulmeister unter-richtet, der Meister lehrt.

^7