Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
191
JPEG-Download
 

191

habe ich nur eincn Buchstaben, und mein Urtheil finden sie ani Schluß."Bei klln (Ende) war das n ausgestrichen (also Pfui).

In den alten Schulen war viel Schlendrian, viele Pedanterci undviele Reliquien der alten Klosterschulcn; man lehrte alte Sprachen, aberarbeitend, nicht spielend: neuere Sprachen, selbst die Franmuttcr-sprachc beachtete man gar nicht, noch weniger schöne Wissenschaften,Geschichte und Natur, am allerwenigsten Anstand und feinere Welt —und doch gingen aus diesen Schulen gediegene Männer hervor! DieGewöhnung zur Arbeit und Ordnung verbesserte die Uebel der Pe-danterci, während die Gewöhnung an die Zerstreuung der Erwachsenenunserer bessern freiern Erziehung ihr Gutes benimmt. Die Alten ar-beiteten zuviel auf das Gedächtniß hin, wir zu wenig, und dochfind die Musen Töchter der Mnemosyue. Aoäio tutissimus idis ' —sollte sich nicht auch hier die Mittclstraßc halten lassen, wie mit denSchlägen? Letztere können unmöglich ganz wegfallen, vorzüglich beilebhaften Jungen, bei welchen, damit sie in geziemenden Schrankenbleiben, immer die beste Warnung der Ziemer — Ochsenziemer seinmöchte. Ich habe nichts dagegen, daß mich mein Vater prügelte,wenn ich meine Schwestern prügelte, aber wenn er bei seiner Frage:„Carl, wer kommt dort?" auf meine Antwort: „Ja, Papa, so weitsehe ich nicht," mir rechts und links Ohrfeigen gab, das war zn toll;übrigens weiß ich daher, daß ich kurzsichtig geboren bin, sonst würdeich es vom Nachtstudircn ableiten und vielleicht stolz darauf sein.

Nirgends steht es mit der Erziehung im Ganzen besser als inDeutschland — wir haben vielleicht nur zu viele Schulen. Neben ge-lehrten Schulen (die mit Recht vermindert wurden) haben wir Land-schulen, Bürgerschulen, Sonntagsschulcn, Töchter- und Schullchrers-schulen, Kunst-, Handels-, Forst-, Berg-, Gewcrb- und Militürschulcn;viele Regimenter haben eine Regimcnts-Bibliothck, wie sonst einenRegimcuts-Friscur. Die Ritter-Akademien, die Thcresiancums bloßfür Adel können zeitgemäßer eingehen; aber ja setze man nicht dieHaupterfordernisse guter Erziehung in Artigkeit, Reverenzen, Kratzfüßeund Buckel, in unterthänigste Diener und Complimentenküuste, damitdie Pädagogik nicht der Goldmacherkunst ähnlich werde. Die Garten-erdbeere veredelt sich bis zur Größe der Wallnuß, verliert aber Wohl-geschmack, Gewürzgeruch und Rothe. Bescheiden verborgen in ihrenBlättern, klein und unscheinbar steht die Waldbcere, aber voll Saftund Kraft ini freien Natnrgartcn Gottes.

* In der Mitte wirst du am sichersten gehen.