Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
261
JPEG-Download
 

261

Lange genug war der Zeitraum nein 4tcn bis 15ten Jahrhundert,Wo die eine Mcnschenhälste jagte und kriegte, oder in ehrwürdigenKutten und Bärten über Nichts disputirtc, und ihrem Gott, d. h. demBauche, diente; die andere weit größere Hälfte Heu fraß und wie dasVieh arbeitete. Diese finstern, dummen Zeiten konnte nur die herr-liche Epoche 1480 bis 1530 etwas vergessen machen, Colon und Diaz,Buchdruckerei und Pulver, Handel und Posten, Italiens Kunstblüteund Deutschlands Reformation. Ein kühner, tapferer Geist herrschtebeim Volke, ritterlicher Sinn beim Adel, Majestät mit Kraft undWeltsiun bei den Herrschern: unsere so stolze Zeit müßte sich erröthendverkriechen, wären die Jahre 1813—1815 nicht. In der alten Ge-schichte ist ein ähnlicher Zeitpunkt vor der Schlacht von Zama: wäreder Friede zu Stande gekommen, so hätten die Römer Europa, dieGriechen Asien, die Karthager Afrika gebildet; wahrscheinlich hättenwir das barbarische Mittelaltcr mit seiner Pfaffen- und Fcndalwcltgar nicht erlebt, eine durchaus verschiedene Weltgeschichte, und das19te Jahrhundert brauchte nicht erst Reisende auszusenden, um dasInnere Afrika's kennen zu lernen, das wahrscheinlich noch eine wich-tigere Rolle spielen wird als jetzt.

Man hat die merkwürdigsten Zeitalter nach großen Geister» be-nannt, aber die Alexander und Cäsar, die Hermann und Karl, dieGregore und Luther, die Perikles, Lorcnzo Medici und Friedrich(Louis XIV?) waren doch nur Kinder dieser Zeit, die den Geist der-selben richtig aufzufassen und darnach zu handeln verstanden. DieseKunst oder dieser geistige Instinkt, der seinen Gcniusglanz auf Länderund Nationen zurückwirft, wie der Lichtglanz des Jesuskindes auf dieUmstehenden in Correggio's Nacht, ist das Geheimniß großer Männer,der um ihre Schläfe den ewig grünenden Lorbeer des Nachruhmswindet. Als Friedrich hinab- oder hinaufstieg zu den Helden derVorzeit, war Alles so düster, als habe der Genius der Menschheit dieErde verlassen. Wohl erinnere ich mich seiner Todcsfcier im Kreiseakademischer Freunde und des Jahres 1766. Wie verschieden vomJahre 1815, wo der Held dieser Zeit verbannt wurde nach St. Helena!

Entfernt die großen Geister, und ihr verzögert die Fortschritteder Menschheit, so oft sich auch die Sklavcnheerde durch blinde Be-wunderung und Hingebung schon entehrt hat. Diese großen Geisterwaren alle mehr oder weniger liebenswürdiger, bescheidener undhumaner, als der Held meiner Zeit, wenn sie ihm auch als Heerführernachstehen. Napoleon wäre größer, größer als Friedrich, wäre er