so lachten sie über Gcgcnftißlcr, oder schimpften wohl gar: wurde inanda nicht den Weibern unter die Röcke sehen? Sie hatten durchauskeinen Begriff von Schwere, trotz sechste igcncr Korpulenz, und demsich selbst beigelegten Gewichte. Wallfahrten nach dein heiligen Grabe,reiche Kirchen- und Klostcrstiftungcn brachten den größten Bösewichtnoch warm in den Himmel; Louis der Heilige fand sich für zwei höchstunselige Kreuzzügc belohnt durch zehn Partikel, Dornenkrone, Pur-pnrgewand Christi, heilige Lanze, Schwamm und andere Passions-werkzeuge. Sieben Millionen Menschen kostete die heilige Rasereider Krcnzzüge; aber sie waren Geist der Zeit, nnd brachten doch auchBcrgamottbirnc, Safran, Chalotten und SavopcrKohl rc., nnd wasdie Hauptsache sein möchte, die Ritter, namentlich die Templer gewannenim Umgänge mit den vernünftigern Moslems hellere Religiousansichten.
Die Pest, oder der schwarze Tod von 1348, die in Deutschlandallein binnen zwei Jahren den vierten Theil der Bevölkerung hinweg-raffte, suchte man zu bannen, nicht durch Polizeianstalten, sonderndurch Stiftungen, Almosen an Bettelmöuchc, und die Lübecker brachtenso viele Opfer, daß die Mönche nichts mehr nehmen wollten, daherman die Geldbeutel ihnen über die Mauern warf. Damals rief manauch nicht den Arzt, sondern man betete, cxorcisirte, und holte theo-logische Bedenken, wo es Besessene gab. Klöster gaben den Sterben-den Pässe an Petrus mit, nnd Quittungen über die geschenkten Güter.Es ist traurig, daß man sich für den Himmel so oft herumgeschlagenhat auf Erden, indessen liegt doch etwas Höheres, Edleres zu Grunde,und wenn die Kreuzfahrer Reliquien sich holten, so holten die Heldenunserer Zeit Länder, Gold, Silber, Geschmeide und Alles, was ihnenwohlgefiel. Die Viccgötter zu Rom schlugen schwer Geld aus bloßenKnochen und Holz, hppothecirt auf die Ewigkeit; Paulicinner undWaldenser hatten längst vor Luther protestirt; die Sittenlosigkeit undHabsucht des Clerns selbst Undeukcnde den Kopf schütteln gemacht;man drang auf die Bibel und auf Reinigung der Religion, wieWiclef und Hust; aber der Geist der Zeit Luthers, Zwiuglis undCalvins war noch nicht erschienen. Er erschien, und doch konnte noch,unter päpstlicher Erlaubniß Luthers Werke zu lesen, ein König, Hein-rich VIII. von England 6« septeiu Laoramontis' schreiben, und stolzauf den Tilel „Beschützer des Glaubens" sein, bis er über AnnaBolcyn andern Sinnes wurde.
Spät äußert der Zeitgeist noch Nachwirkungen, wenn seine Zeit> Ueber die siebe» Sakramente.