Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
92
JPEG-Download
 

92

es hat sich in Krähwinkel umgewandelt; wem es gefällig ist, der'kauneinen Spciziergang durch Krähwinkel mit dem quicscirtcn Herrn Runkcl-rübcn-Coinmissious-Asscssor Sperling zu jeder Zeit machen, und wenngleich Großstädter von jeher gerne Abdcritenstrcichc in kleine Städtchenverlegten, namentlich in Reichsstädte, den Herrn Bürgermeister nichtausgenommen (obgleich der Respekt daselbst das große Gegentheil znlhnn befahl), so kann ich doch aus Erfahrung versichern, daß nian inrecht großen Städten Abderitcn genug findet, vorzüglich aber inStädten, deren Bewohner sich nur für Großstädter halten, weil sieResidcnzlcr sind. Wem wäre da noch eingefallen, sich mit der Be-scheidenheit Don QuixotcS, der doch gewiß in die erste Klasse der Nb-deritcn gehörte, selbst den Ritter von der traurigen Gestalt zn nennen?Wo gäbe es nicht Abderitcn, zerstreut wie Juden, und so kenntlichwie diese noch heute? Der Kncknk behält seinen Gesang, die Glockeihren Klang, der Krebs seinen Gang und der Narr bleibt Narr seinLebcnlang. Die Dummheit, die bis zum Absurden geht, hat etwas Er-habenes für Dcmokritc, sie ist ihnen, was einst den Höfen die Hof-narren waren und dem Volk der Hanswurst noch ist. Ohne Abderiteugäbe es gar keine Dcmokrite, und Dcmokrit war ja selbst das berührn-teste Stadtkind von Abdera.

O! jeder Ort hat seine Meriten,

DaS redet kein Widerspreche! mir auS.

Ist e« nicht Bildung? in jeglichem HauSFindet man WielandS Abderiteu I

vm.

Die Leidenschaften.

Die Menschen sind, was Menschen immer waren,Gemisch von Schwachheit uuv von Kraft,

Oft spricht Vernunft, weit öfter Leidenschaft —

So sind sie seit sechstausend Jahren.

Der Mensch ist kein vernünftiges, sondern eigentlich ein leiden-schaftliches Thier, das hoffentlich einst zur Vernunft gelangen wird.Leidenschaften und Triebe bestimmen ihn und machen ihn thätig, Ver-