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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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stand nnd Wille sind meist leidend. Was wir Triebe, Neigungen,Leidenschaften nennen, selbst Grundsätze, sind unsere Herren, denenwir gehorchen wie der Pudel seinem Herrn, ob er gleich vielleicht auchglaubt, mit Freiheit hinter ihm herzulaufen, oder sich wundcrgroßdünkt, wenn er voran läuft oder rcvicret. Erst wenn die Leidenschaftausgetobt hat, wagt sich die Vernunft hervor, gerade wie der kleineBelsercr, der den vorübergehenden Bullenbeißer anbclfcrt nnd verfolgt;sobald aber dieser stehen bleibt, so drückt sich das belfernde kleineDing, den Schwanz zwischen den Beinen, wieder hinter die Hansthüre.Plato nennt unsere Triebe Flügel der Seele, nnd ein geflügelterGeist, wie leicht verfliegt sich der? Jedermann hat seinen Haupt- oderLeibfchler, der seine guten Eigenschaften umwindet, wie die Windestachcllose Pflanzen umrankt, nnd wollen wir diesen Fehler auch aus-rotten, so fangen wir gerne bei der Spitze, nicht an der Wurzel an,nnd so bleibt es denn beim Alten.

Wir sind so frei als möglich, wenn wir es so weit bringen,unsere Triebe durch die Vernunft zu zügeln, oder die iNickeln Vor-stellungen der Leidenschaft durch die deutlicheren der Vernunft aufzu-klären, dieses sei Tugend, jenes Laster, dieses moralische Vollkommen-heit, jenes moralische Unvollkommenhcit. Wir sind mehr Herr überunsere Vorstellungen als über unsere Gefühle und Leidenschaften, unddas Warum oder den letzten Grund weiß ich so wenig, als warum einGesunder sich mehr besinnt als ein Kranker, warum wir Morgensleichter denken als Abends, und nüchtern besser als bei vollem Ranzen; 'es ist Erfahrung. Selbst die kalten Juristen lassen bei Zornigen,Betrunkenen, Verliebten, Nachtwandlern rc. die Mildcrungsgrüude ein-treten, welche Wahnsinnigen zu gute kommen, den Schadenersatz aus-genommen, der ja auch geleistet werden muß si aniinal gauperiomkevorit. * Vcrnunftgründc wären das beste moralische Abführuugs-mittel, aber Arznei ist widrig einzunehmen und ikrinos äs Ickgnobehält im Ganzen Recht: Ilos ruisons no sont xas In raison, oaraltes sont trös soavent rian guo äe» äöraisons!^

Das Gesetz der Sittlichkeit besteht aus lauter Verneinungen undEntsagungen, die Unsittlichkcit aus lauter Verheißungen, folglich istes kein Wunder, wenn die Kinder dieser Welt kaum mit dem Gemüthedem Gesetze Gottes dienen, aber mit dem Fleische dem Gesetz derSünde, wie St. Paulus sagt. „Sie versüßen," sagt Epiktct, „ihren

* Wenn ein Thier einen Schaden angerichtet hat. — * Unsere Gründe sind nichtVernunft, denn sie sind häufig lauter Unvernunft.