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Du hüllest dich in deine Tugend ein? —
Das neun' ich leicht gekleidet sei».
Nun, die Tugend ist ja weiblichen Geschlechts. Der alte Pytha-goras bezeigt sich hicbci sehr galant, wenn er sagt: „Die Tugend istweiblichen Geschlechts, damit wir sie desto liebenswürdiger finden sollen."
Die sinnliche Begierde oder Verabschenung zwingt die Vernunft,sich bloß leidend zu verhalten (uLso;), und stört, mit den Neuern zusprechen, unsere Freiheit, daher sie schon Cicero gerne xerturbatio auiwi'nennt. Die Ungeduld der Begierde, die allzugrosie Lebhaftigkeit derIdeen, das wallende Blut und die verworrenen Begriffe verleitenuns, Dinge zu sagen und zu thun, die nicht zur Sache gehören; wirvergessen die Schicküchkeit des Orts, der Zeit und der Umstände,Alles, nur nicht den Gegenstand unserer Leidenschaft, der für unsnur ein Splitter ist, während alle Welt den Balken erblickt undbei kaltem Blute den blinden Centauren lächerlich findet; denn imZustande der Leidenschaft sind wir blind, halb Mensch, halb Thier,oft ganz Thier. Leidenschaft ist in der moralischen Welt, was in derphysischen die Bewegung, und Mutter Natur scheint mit unserer mo-ralischen Freiheit ihren gnädigen Spasi zu treiben; Leidenschaft unter-drückt die Vernunft, setzt auf den Flügeln der Phantasie über alleSchranken hinweg, und erst am Ziele gehen die Augen auf, wie imRausche der Liebe. Lebhafte Menschen halten in diesem ZustandeMonologe, wie Schauspieler, die ihre Rollen studircn, oder Wahn-sinnige, und Lcidenschast gleicht dem Gaul, auf dem ein lateinischerReiter sitzt: „Wohin? Wonans?" — „Wo der Gaul hin will!"
Vergebens sucht ihr einen Verliebten aus seiner Leidenschaft her-auszureden; Liebe wohnt nicht in den Ohren, sondern im Herzen,und West das Herz voll ist, deß gehet der Mund über, der von nichtszu sprechen weiß als von der Geliebten, wie der Ehrgeizige und Eitlevon Planen und erzeigter Ehre, der Zornige von Beleidigung undRache. Harpagon, dessen Scheune in Flammen steht, hält sogar diezu Hülfe Eilenden ab und will zuvor das Korn messen; der Zornwünscht den: ganzen Menschengeschlecht nur einen Hals, die Liebenur ein Herz und der Hochmuth und Stolz zwei niedergebeugteKniee. Leidenschaft trübt unser Urtheil, die Wahrheit bleibt seitwärts;„wir haben ein Gesetz und nach diesen: muß er sterben," rief derHaß der Juden; „lassen wir ihn, so glauben sie an ihn, und dieRömer nehmen das Land," sagte die Furcht, und die Väterliche Da-> Störung des Geistes.