Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
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ist Tugend ein Mischmasch von Natur und Freiheit, von Anlagen underworbenen Fertigkeiten; ein Dummkopf wird sich schwerlich durchKlugheit auszeichnen, ein Schwächling schwerlich durch Muth, derWeichherzige wird mildthätiger sein als der Hartherzige, der Kränk-liche geduldiger als der Gesunde, und das Phlegma ist wie gemachtfür Kuttcntugcndcu, deren Ausübung den Jammer eines Sanguinikersmacht. „Nirgends ist Sicherheit," ruft St. Bernbardus, „weder imHimmel noch im Paradiese, noch weniger auf Erden; die Engel fiele»,Adam fiel, Judas fiel selbst in der Schule des Heilandes," und daherhalte ich ein gesundes Alter für unsere schönste Lcbcnspcriode; dieLeidenschaften sind zur Ruhe gebracht, und wir übersetzen die Worteder Bibel: „Furcht Gottes ist der Weisheit Anfang," nicht wie Luther,sondern „Furcht der Menschen!" Es ist nicht anders; wir gleichenAlle mehr oder weniger Boltaire's Memnon, und die vier so treff-lichen Mütter haben einmal das Unglück, vier nngcrathcne Kinderzu sehen; die Sicherheit erzeugt Gefahr, die Vertraulichkeit Gering-schätzung, das Glück Stolz und die Wahrheit Hafi und Verfolgung.Es ist einmal so; das Gute soll durch das Böse schattirt und dieTugend durch Ccntrast mit dem Laster schöner erscheinen. „Tugendmacht glücklich, Laster unglücklich," bleibt ein wahres Wort; leideraber ist das letztere wahrer als das erstere, denn Tugenden machen oftauch unglücklich, und Schurkerei bindet die Menschen noch weit stärkeraneinander als Tugend, — so meint der Mönch von Libanon. Werkeinen Unterschied macht zwischen Tugend und Laster, vor dem dürftihr cucrn Beutel in Acht nehmen und eure silbernen Löffel zählen,ehe er euch verläßt.

Es ist traurig, daß Fehler und böse Neigungen der Eltern wiePhysiognomien sich forterben auf Kinder, die wahre Erbsünde, die heim-gesucht wird oft bis ins dritte und vierte Glied, wenn nicht Erziehungdazwischen tritt. Es ist die Gebrechlichkeit der Menschcunatur, überdie bereits der Apostel jammert: „Wollen habe ich wohl, aber dasVollbringen vermag ich nicht." Pater Malebrauche, der Alles inGott sah, sah auch in unsern Ideen und Neigungen die Eindrücke desSchöpfers, und überließ der schwachen Menschheit bloß die unseligeMöglichkeit, das Böse zu thun, und diese Gebrechlichkeit ist dann auchdas böse Princip, das uns blauen Dunst vormacht, und von demgeschrieben steht: „Es ist kein Unterschied, wir sind allzumal Sünderund Keiner, der Gutes thue, auch nicht Einer."