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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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findet man vcrgleichungsweise nur wenige Irre aus der Klaffe derer,die mehr den Verstand als die Imagination üben, nur selten Natur-forscher und Mathematiker, Juristen und Aerzte, desto mehr aber Dich-ter, Künstler nnd Mystiker.

Leidenschaften und Affekte verhalten sich zum Iiomunvio, ^ wieAthener und Spartaner in Hinsicht jenes Alten im Theater; jene ver-weigerten ihm einen Sitz, und diese standen ehrfurchtsvoll auf, worüberdie Athener klatschten und der Greis ausrief: „Die Athener wissen,was Recht ist, und die Spartaner üben es aus." Man bekennt sichnoch hie und da zu gewissen Fehlern, aber der Leibfehler wird ver-schleiert, so wie man gewissen Vergnügen gerne den Schein von Pflich-ten sogar gibt; man zieht in die Stadt lediglich um der KinderErziehung willen, aufs Land um der Unschuld willen, ins Bad umeines Kranken willen rc., eigentlich aber, weil man selbst gerne in derStadt, auf dem Lande oder im Bade wäre. Manche gehen schlafen,um Holz nnd Licht zu sparen, oder gar ins Kaffee- oder Wirthshaus,so ökonomisch sind sie geworden. Wir verschleiern unsre Lieblingsfehlcrschlauer Weise, was Manche vielleicht aus Swifts herrlicher Thier-beichte gelernt haben mögen, was aber der Fall bei Landgraf Philippvon Hessen nicht gewesen sein kann, der an Herzog Christoph vonWürttemberg von seinem jungen Burschen (so nennt er seinen Prinzen,den er ihm zum Tochtermann zudachte) schrieb: „Es ist zwar einstörrischer, zorniger Kopf, ein Trinker, Spieler und Nachtschwärmer,aber sonst ein recht frommer, treuer, guter, junger Mensch." — Zwi-schen Vater und Sohn hiess es d«no ckamns voniain, pstimusgusvietssixi, ' und so wollen wir es auch halten und den Mantel christ-licher Liebe überbreitcn, wenn wir uns auch gleich nicht enthaltenkönnen, zuvor ein bischen drunter zu gucken.

Es scheint, die Verschleierung, welche Modcsitte neuer Zeit ist,hat Schuld, dass wir noch heute keine rechte Pathognomik' haben,trotz aller Versuche; allgemeine Merkmale sind zwar bekannt, aber diehundertfachen Schattirungcn, die Temperament, Alter, Geschlecht,Stand, Vermögen rc. machen? In früher Jugend herrschen Ungebun-denheit, Freiheit, Faulheit, Nascherei; später treten Liebe, Eitelkeit,Wißbegierde rc. an die Stelle; den Mann quälen Ehrgeiz, Zorn,Rache; den Alten Egoismus, Geiz, Acrger rc., die alle ihre Natur-strafe hinter sich dreinführen. Der Lustsucht folgt Ekel, Krankheit,

l Menschte,». — - Nachsicht üben wir aus und erwarten dieselbe snr uns, auch. —* Leidenschaftslehre.