Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
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Allerwärts klagt der Mensch Natur und Schicksal an, und seinSchicksal ist doch in der Regel nur Nachklang seines Charakters, seinerLeidenschaften, Fehler und Schwächen. Wer im Frühjahr nicht säet,kann im Sommer nicht ernten, im Herbst und Winter nicht genießen,und wie wir richten, so werden wir gerichtet, und wie wir geben,wird uns gegeben, spricht unser christlicher Sokrates. Die Leidenschaf-ten sind gerade in uns, was der Pöbel im Staate ist; gewinnt er dieOberhand, so besticht er alle Sinnen und alle Scelenkräfte, welche dieBürger sind; die höheren Stände müssen ihm dienen, und zuletzt gnil-lotinirt er Alles, was sich nicht fügen will, und selbst den König oderden Verstand; sie sind die Riesen, die Jupiters Thron stürmen, unddie eigentlichen Sünden von der Original- oder Erbsünde an bis zuden poosatis niortslibus st vsnalibuo, omissionis st eomaiissionis, 'den vorsätzlichen und nnvorsätzlichcn, fleischlichen und geistigen, grobenund subtilen Sünden bis znr Sünde gegen den heiligen Geist, an dieFriedrich nicht zu glauben schien, weil er das Buch darüber seinemVerfasser wieder zurückgab: „Was soll ich mit seiner Sünde gegenden heiligen Geist?"

Lang ist das Sündenregister der schwarzen Herren, die stets feinzn distinguiren wußten; sie machen aber Alles dadurch wieder gut, daßsie vom Wege des Lasters und der Tugend, des Lichtes und der Fin-sterniß sprechen, solchen zeigen, und ?sooatum von koous* ableiten.Das kseus, Mensch genannt, würde sich auch in der That zu seinemeigenen Jammer viel zu sehr vermehren, wenn es nicht Mutter Naturdurch seine Leidenschaften, Thorheiten und Sünden gegen Ucbcrvölkc-rnng schützte. Niemand spreche, daß er von Gott versucht werde; Jederwird versucht, wenn er von eigener Lust gereizt und gelockt wird;darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebärt sie die Sünde, dieSünde aber, wenn sie vollendet ist, gebärt den Tod! Man kann diealten 7 Todsünden füglich mit den alten 7 freien Künsten vergleichen,ja sie sind noch freiere Künste; die Hoffart mit der Astronomie, denGeiz mit der Arithmetik, die Unkeuschheit mit der Musik, die Völlcrcimit der Rhetorik, den Zorn mit der Dialektik, den Neid mit derGrammatik, und die Trägheit mit der Geometrie. Omns sinnigvlauäieat. ^

Der Sieg der Vernunft über die Sinnlichkeit ist die wahre Wie-dergeburt, die den natürlichen Menschen umwandelt in den geistigen

> Todsünden und verzcihbarc, Nnterlassungs- und BegehungSsündcn, — > Sünde.— Lieh. — » Jedes Glcichniß hintt.