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wurde ich getäuscht?! Montesquieu hatte leider Recht, da die Redevon Fonteuelle war, daß er so aimabts sei, gu'il n'aimo xorsonns! >Selbstliebe ist unsere moralische Blatter, und gegen dieses Blattern-gift hilft keine Kuhpocken-Impfung; ein zweiter Jcuner, der einemoralische Vaccination erfände, oder ein Mittel, die Selbstliebe mitder Liebe zum Gemeinwohl zu vereinen, hätte auch den Weg zur Tu-gend gefunden und zum Glück der Menschheit. Selbstliebe ist unserinnerer Schmeichler, der zuerst dem äußeren Schmeichler Thor undThüre öffnet, und wir können sie schon au ganz kleinen Kindern be-merken. Nur ungcrnc gestehen sie einander persönliche Vorzüge zu, nochweniger schöne Spielsachen, Kleider, Zuckerwaaren rc. Körpergrößewird von Knaben beneidet, wie Schönheit von Mädchen: „Ich bindoch größer! ich bin doch schöner!" kann man häufig hören, und Knabenvon 5—6 Jahren sagen schon: „da ich noch klein war." Selbstliebebegleitet selbst den Greisen zum Grabe. Aber sollte die gute MutterNatur uns Selbstliebe gegeben haben, um uns unglücklich zu machen?Nein, der Schein trügt, wir tragen allein die Schuld, wir haben dieNatur ausgezogen! Nichts erscheint mir komischer als der Fehler sovieler Großen und Kleingroßen: sie vergessen gerne ihnen geleisteteDienste, denn sie betrachte» schon die bloße Annahme dieser Diensteals eine Gnade. Indessen machen sie nur die Minderzahl; wäre nurnicht mit Verlust der alten Sittcneinsachhcit die Mehrzahl auch voneinem Egoismus angesteckt worden, den man in der Mittelklasse nochvor fünfzig Jahren wenig sah, daher selbst der Weise eine Art Egoistwerden und es machen muß, wie das Oel: es vermischt sich mit demWasser. »
Theoretische Egoisten, wie Helvetius, oder wie unsere philosophi-schen Ichs und Nicht-Jchs, sind wahre Kinder gegen die praktischenim Welt- und Gcschästsleben; sie fallen sich nicht einmal in die Haareund verspritzen höchstens einige Dinte auf ihrem Dreifuß, so unschäd-lich als die Kanonenschüsse des Bombardierkäfers; aber die praktischen,die nicht einmal das Prinzip, wornach sie handeln, dem Namen nachkennen, deren Eier stets zwei Dotter haben, und deren Gänseblümchenlauter Rosen und Nelken sind, soll der Teufel reiten. Sie sind lauterHonig-Kuckuke, die freundlich die Nester der Bienen vorausfliegeudanzeigen, weil sie wissen, daß doch immer etwas auch für sie abfällt;golden sind noch diejenigen Egoisten, .die aus bloßer Bequemlichkeit
> So liebenswürdig, daß er niemand liebt.
DemokriloS. IV.
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